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Posts

Fantasie

Es gibt noch einen kleinen Trick bei der Benutzung des Postmelders: Wenn ich nach Hause komme und keine Post im Briefkasten ist, bewege ich die Briefkastenklappe. Auf und zu. Wenn ich dann in die Wohnung komme, blinkt der Postmelder und ich denke: Oh, ich habe ja Post. Dann gehe ich runter, schaue nach und natürlich ist keine Post drin. Das wirft zwar Fragen auf, denn selbstverständlich habe ich bis dahin schon wieder vergessen, dass ich es ja selbst war, der keine Post eingeworfen hat. Letztlich freut sich dann aber mein Schrittzähler. Ich habe nämlich ein neues Fitness-Armband, das mich regelmäßig abends noch mal auf Runde geschickt hat. Ich fand das lästig. Mit dem Briefkastentrick - zwei, drei mal wiederholt - entfällt die abendliche Tour. Man mag solche interaktiven Schrittzähler lästig finden - Betriebsärzte sind aber lästiger. Ich muss dort alle paar Jahre vorstellig werden. Jedesmal war es ein neuer Arzt. Allen gemeinsam war aber bisher, dass ihnen mein Blutdruck nicht gefäll…
Letzte Posts

Schon am morgen

Ich stehe ja auf Gadgets; auf nutzlosen Krimskrams. Nur funktionieren muss es. Mein Spy-Headset war in dieser Hinsicht eine Enttäuschung. Resignation ergriff mich und ich habe mir lange nichts mehr gekauft, von ein paar Uhren abgesehen, die am Morgen wussten, ob ich nachts gut geschlafen hatte. Jetzt habe ich seit ein paar Tagen einen Postmelder. Er besteht aus einem linealartigen Funksender und einem schönen runden Empfänger mit einem Leuchtknopf in Gestalt eines Briefkuverts. Den Empfänger klebt man von innen an die Briefkastenklappe. Wird die Klappe geöffnet und wieder geschlossen geht ein Signal an den Empfänger und er blinkt aufgeregt. Wenn ich nun nach Hause komme, schaue ich in den Briefkasten. Meistens ist er leer. Danach komme ich in die Wohnung und sehe, dass der Postmelder nicht blinkt. Dann weiß ich, dass ich keine Post habe und kann in aller Ruhe an der Bar Platz nehmen. Jetzt suche ich noch nach einer Lösung für meine gelegentlichen Abwesenheiten von zu Hause. Ich denke…

Chronik einer Woche - VI

Fünfte Rückblende: Eine Woche vor dem Feuerwehreinsatz Ich traf mich mit einem Mann in der Stadt. Der Mann wollte einen Badschrank kaufen und ich sollte ihm dabei helfen. Das ist mein Beruf. Wir liefen also vom Bus zum Möbelhaus. Im Möbelhaus liefen wir auf dem vorgegebenen Zickzackpfad zur Badabteilung. Bei den Küchenmöbeln vibrierte mein  Schrittzähler. Ich hatte mein Ziel erreicht. Der Mann noch nicht, ging allein weiter und fand keinen passenden Badschrank. Ich jedoch sah einen Hochtisch mit Barhockern. Mir fiel ein, dass ich ja bis auf Couchtisch und Küchentisch gar keinen richtigen Tisch besitze. Ich fragte mich, wie der Tisch, wenn ich ihn kaufte, zu mir nach Hause käme. Ich müsste ihn liefern lassen und zum Liefertermin zu Hause sein. Dann könnte ich auch gleich einen im Versandhandel bestellen. 
Ich fuhr nach Hause, googelte Hochtisch und bestellte einen quadratischen Hochtisch mit vier Barhockern im Set. Der Lieferdienst schickte vier Tage später (dazwischen lagen Sonntag un…

Chronik einer Woche - V

Vierte Rückblende: Zwei Tage vor dem Feuerwehreinsatz Ich bestellte einen quadratischen Hochtisch mit vier Barhockern im Set. Der Lieferdienst schickte vier Tage später (dazwischen lagen Sonntag und ein Feiertag) eine E-Mail, dass meine Bestellung ausgeliefert werde. Da ich schon über Erfahrungen mit dem Lieferanten verfügte, wählte ich die Option „an Wunschnachbarn ausliefern“. Sicherheitshalber informierte ich meine Wunschnachbarn, dass sie die Lieferung wegen des zu erwartenden Umfangs nur vor der Wohnungstür abstellen lassen sollten. Als ich mittags nach Hause kam, standen sechs große Pakete vor meiner Tür. Ich schleppte alles in die Wohnung und begann, das größte Paket auszupacken. Es enthielt die Tischplatte des Bar-Tischs, die Querverstrebungen, Schrauben, Zapfen und Unterlegscheiben. Die Kleinteile lagen lose herum. Ich sammelte alles ein, hob die Tischplatte heraus und - KAPUUUUTTT ! Die Oberfläche der Tischplatte hatte eine kleinfingernagelgroße Schadstelle. Offenbar war sie…

Chronik einer Woche - IV

Dritte Rückblende: der Vormittag Ich rief beim Kundendienst an. Auf der Website hieß es, bei anerkanntem Regress liefere man neu und ich bekäme einen Rücksendeaufkleber. Damit sollte ich das Paket einfach im Paketshop abgeben. Mein Paket war 90x90 Zentimeter groß und wog ungefähr 10 Kilo. Paketshop war definitiv keine Option. Der Mann fragte mich, ob wir über einen Preisnachlass reden könnten. Was für ein emphatischer Gesprächspartner. Genau darüber wollte ich reden. Der Mann schlug 10 Prozent vor. Ich schluckte und verlangte dreißig. Dann sagte er, 25 sei die Schmerzgrenze - aber alles über 10 Prozent übersteige seine Gehaltsstufe. Offenbar zahlen die Kundendienstmitarbeiter dieses Möbelhändlers Preisnachlässe selbst. Hoffentlich finden sie noch einen, der so viel bezahlen kann, wie ich haben will. Der Mann sagte, er glaube schon, denn man wolle mich als Kunden behalten. Nach dem Gespräch hatte ich gute Laune und beschloss, das Möbelstück zusammenzuschrauben, egal, wieviel Gehalt sie…

Chronik einer Woche - III

Zweite Rückblende: der Nachmittag Ich ging zum Bus und fuhr zur Arbeit. Ich besuchte einen Mann und eine Frau, die in ihrem Briefkasten einen Brief gefunden hatten, der offenbar nicht an sie adressiert war. Ich konnte helfen, identifizierte den richtigen Adressaten und wir übernahmen die Zustellung stellvertretend für den Postboten, der seine Brille nicht aufgehabt hatte. Dann suchte mich eine junge Frau im Büro auf und entschuldigte sich eine Weile dafür, dass sie fünf Minuten später als verabredet erschienen sei. Dann gähnten wir mehrmals spiegelneuronenbedingt und versuchten herauszufinden, wer angefangen hatte.  Ehe wir’s uns versahen, war unsere gemeinsame Zeit schon wieder um. Ich hatte es eilig, denn ich freute mich auf meinen neuen Bar-Tisch, an dem ich einen grandiosen Feierabend verbringen wollte. Ich lief zum Bus, fuhr nach Hause und verzehrte die erste Malzeit des Tages an dem neuen Möbelstück. Danach hörte ich mit Hilfe meines neuen Radios alte Schallplatten, Musik eines …

Chronik einer Woche - II

Erste Rückblende: der Abend zuvor Ich beschloss schlafen zu gehen. Als ich mein Schlafzimmer betrat, war darin alles blau und flackerte. Ich zog das Rollo hoch und - tadaa: genau unter meinem Fenster spielte sich der Aufmarsch von vier Krankenwagen, drei Feuerwehren und mehreren Polizeiautos ab. Duzende Menschen rannten aufgeregt hin und her. Im Haus gegenüber waren die Nachbarn herausgekommen und wohnten dem Schauspiel bei. Aus meiner Position lies sich der Grund für das Spektakel nicht ermitteln. Also ging ich zurück an die Bar, verbrachte noch weitere zwei Stunden mit Marc-Uwe und dem Känguru und setzte mich jeweils eine halbe Stunde lang auf einen anderen der vier Barhocker. Dann war der Spuk vorbei, alles war wieder ruhig und auch ich konnte ruhen. 
Am Morgen lese ich eine Meldung über einen Feuerwehreinsatz in meiner Straße. Auf einer Terrasse des Nachbarhauses war ein Feuer ausgebrochen, hatte auf die dazugehörige Wohnung übergegriffen und über ihr liegende Balkone in Mitleiden…