Die Stunde der Delfine

Die Zahnpasta ist alle. Schon seit einer Woche. Natürlich könnte ich einfach neue kaufen. Ich besuche zwei- bis dreimal in der Woche einen riesengroßen Einkaufsladen. Obwohl er bis 21:00 Uhr geöffnet hat, muss man sich ranhalten, weil man ihn aufgrund einer ausgeklügelten Logistik einmal ganz durchqueren muss, selbst, wenn man nur Zahnpasta kaufen will. Empfindsame Gemüter wie ich geraten dabei leicht in Stress, kaufen, was sie kriegen können und vergessen darüber die Zahnpasta. Dahinter steht natürlich planvolle Absicht, die bis in die Architektur der Zahnpastatube durchdacht ist. Denn wie oft kauft man schon Zahnpasta? Alle zwei Monate? Das hält kein Markt aus. Darum sind die Zahnpastatuben so konstruiert, dass sie auch, wenn sie leer zu sein scheinen, nicht leer sind. Man kriegt immer noch was raus! Ich stelle zwar jedes Mal fest, dass ich wieder die Zahnpasta vergessen habe, aber das macht gar nichts. Eine leere Bierflasche verhält sich nicht so.

Eigentlich ist das schade. Käme ich abends nach Hause und hätte vergessen, Bier zu kaufen (was niemals vorkommt), ja, was wäre dann? Könnte ich die (vermeintlich) leere Bierflasche nehmen und mir noch ein großes Glas daraus voll gießen? Und dann noch eins und noch eins? Wahrscheinlich nicht. Irgendetwas läuft hier falsch. Die Marktpsychologie wird nicht dazu genutzt, dass mein Leben leichter wird. Es geht ganz offensichtlich um etwas anderes. Das ist aber nicht weiter wichtig. Ich finde es eher interessant, dass ich mir die Zähne putzen muss, um mich einigermaßen wohl zu fühlen. Pferde putzen sich zum Beispiel niemals die Zähne. Fühlen sie sich darum weniger wohl? Würden sie aus ihren Koppeln ausbrechen und unsere Drogerien überfallen, wenn sie etwas über das Zähneputzen wüßten?

Das würden sie natürlich nicht tun, denn sie könnten mit ihren Hufen weder eine Zahnbürste halten, noch könnten sie die Zahnpasta zweckmäßig aus der Tube drücken. Das sagt erstmal noch gar nichts über ihr Hygienebewusstsein aus. Genau, wie man nicht daraus auf die Intelligenz von Delfinen schließen sollte, weil sie ihr Essen nicht kochen. Im Wasser kann man nun mal kein Feuer machen. Seit Menschen das an Land können, haben sie nicht aufgehört, alles halbwegs Brennbare auch anzuzünden. Es wird nicht mehr sehr lange dauern, bis nichts mehr übrig ist. Wir sind alle Rapa Nui und die Kontinente sind die auseinander gebrochene Osterinsel. Wenn nur noch unsere Steine übrig sind, die man nicht verbrennen kann, kommt die Stunde der Delfine.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen