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Weißenfels

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Es lohnt sich

Manche sagen ja, es gibt sie gar nicht. Sie wären nur Fabelwesen aus einer Phantasiewelt. Das stimmt aber nicht. Einhörner sind sehr selten und sie verbergen sich vor den Menschen aus gutem Grund. Aber es gibt sie. Vielleicht gibt es auch nur noch ein einziges. Ein Einhorn ist ein vollkommen reines und überaus verletzliches Wesen. Im Kontakt mit dem Groben und Gewöhnlichen wird es krank und leidet. Wenn es sich dann nicht zurückzieht, stirbt es. Darum ist es ganz und gar unwahrscheinlich, dass unsereiner so ein Geschöpf zu Gesicht bekommt. Wir machen schon beim Atmen einen solchen Lärm, dass ein Einhorn, sollte zufällig doch einmal eines hier auftauchen, über alle Berge auf und davon wäre, ehe wir auch nur in seine Nähe kämen. Nur sehr empfindsame, stille und aufrichtige Geschöpfe können sich einem Einhorn nähern und es beobachten.

Ich bin nun weder empfindsam noch still. Aufrichtig will ich schon sein, aber bin ich es? Kann ich es? Es gibt schon ein paar Tiere, die manchmal meine N…

Frühling

Ich bin verliebt. Es hat mich richtig erwischt. Dabei kennen wir uns schon eine ganze Weile. Natürlich habe ich sie gleich nach dem ersten Treffen mit nach Hause genommen. Wir haben die erste Nacht zusammen verbracht, weitere folgten. Dann traten Beschwerden auf. Mir tat morgens die Schulter weh. Ich musste eine Entscheidung treffen. Ich habe sie in die Ecke gestellt und eine Andere genommen.

Ich habe sie schnell vergessen, aber mit der Anderen war auch nicht alles schön. Zwar waren jetzt die Schmerzen weg, aber sie war irgendwie zu klein. Sicher, es gab auch Größere, aber die waren eben wieder zu groß. Es ist nicht leicht, in meinem Alter was Passendes zu finden. Nun war sie aber einmal da, ich wollte nicht schon wieder wechseln, also haben wir uns arrangiert. Ich wollte nicht wahrhaben, dass das Problem tiefer sitzt. Man hält sich dann an Äußerlichkeiten fest. Irgendwann habe ich alles auf das alte Schrankbett geschoben. Es ist bemerkenswert, was man für Energie entwickeln kann, we…

Gallseife

In einem Ausschank am Spreeufer verkaufen sie Würste, die offenbar hauptsächlich für die Verteidigung im Nahkampf bestimmt sind: Man beißt hinein und sofort schießt zu beiden Seiten der Bissstelle heißes Fett heraus. Mit einiger Übung kann man so Angreifer von zwei verschiedenen Seiten gleichzeitig kampfunfähig machen, indem man ihnen das heiße Fett in die Augen spritzt. Ohne Übung versaut man sich einfach nur die eigene Kleidung und muss sich nach dem Verzehr dieser Wurst komplett umziehen oder sich von einem Erziehungsberechtigten abholen lassen. Keine Klassenlehrerin der Welt lässt einen weiter am Wandertag teilnehmen, nachdem man sich derartig besudelt hat. Eher würde es noch toleriert werden, sich von Kopf bis Fuß mit Hefeweizen zu übergießen. Nach dem Trocknen bleiben hier kaum Spuren zurück und Hefeweizen riecht auch nicht so schlimm, wie gewöhnliches Bier. Zu meinem Glück war ich nun nicht im Klassenverband unterwegs und meine nette Begleiterin sah über meinen Fauxpas einfach…

Fortsetzung folgt

Ich weiß gar nicht mehr, was ich zuerst machen soll! Schreiben, Musik machen, verabreden. Es ist schön und ich will überhaupt nichts anderes mehr machen, aber letztlich bleibt für alles zu wenig Zeit. Die Chorproben haben im September wieder angefangen, aber ich war noch nicht da. Ich kaufe nur noch das Nötigste ein, damit ich mich schnell wieder meiner eigentlichen Beschäftigung widmen kann und habe dann nichts zu essen im Haus. Meine Besucherin musste sich vor dem Verlassen meiner Wohnung die Füße waschen, weil sie sich unvorsichtigerweise die Schuhe ausgezogen hatte. Das darf man in meiner Wohnung eigentlich nicht machen. Meine Wohnung ist schließlich keine Moschee, sondern eher wie eine Wiese oder wie ein Wald. Oder wie eine Wiese im Wald. Man merkt es nicht gleich am Geruch, aber an den Füßen merkt man es sofort.

Jetzt muss ich auch gleich wieder los, denn man soll seine Verabredungen nicht warten lassen. Ich hatte eine Weile so gut wie überhaupt keine Verabredungen, darum hat …

Seele verkaufen

Da sieht man es mal wieder: Geld macht eben auch nicht glücklich. Geld ist nun mal zum Ausgeben da, das ist das Traurige am Geld. Man kann davon sammeln soviel man will, wenn man es nicht ausgibt, hat man nichts davon. Es ist eigentlich nur eine Zahl. Wenn man es aber ausgibt, macht es einen unglücklich, weil man es ja lieber behalten möchte. Es ist kaum möglich, dass man etwas dafür bekommt, was sein Geld wert ist. Denn Geld haben bedeutet ja, Möglichkeiten zu haben. Viele, viele und noch mehr Möglichkeiten. Alle diese Möglichkeiten schnurren bei der Geldausgabe auf eine einzige zusammen. Ein schlechter Tausch. Dann sitzt man mit dem Gegenwert seines Geldes da und ärgert sich darüber, dass man nun alles andere nicht mehr kaufen kann, was man sich hätte kaufen können. In dieser Hinsicht war das Leben in der DDR eben leichter. Das Sammeln von Geld dauerte zwar viel länger, weil man ja immer nur wenig davon bekam, aber dann konnte man es getrost für immer behalten, denn es gab ja nun ma…

Verabreden

Meine letzte Verabredung mit einer schönen Frau liegt schon eine Weile zurück. Also ein Rendezvous, nur die schöne Frau und ich. Wir gehen ins Kino, was essen oder in die Oper! Es ist immer unglaublich aufregend. Die schöne Frau ist einen ganzen Abend lang nur für mich da und ich stelle mir natürlich vor, wie es wäre, wenn sie für immer da wäre. Eine Zeitlang dachte ich, ich müsste das der schönen Frau sofort sagen. Das denke ich heute nicht mehr. Die schönen Frauen denken nämlich über ihre Männerbekanntschaften wahrscheinlich ganz anders, als ich mir das vorstelle. Ich denke: ‚Sind wir jetzt zusammen, oder was?!‘ Die schöne Frau denkt: ‚So ein schöner Abend!‘ Also vielleicht denkt sie das oder etwas vergleichbares. Ich weiß es bis heute nicht. Ich weiß nur, dass die Wahrscheinlichkeit von Folgeverabredungen rapide sinkt, wenn ich offen und rückhaltlos mein Herz ausschütte.  Während des Studiums bekam ich so eine Verabredung mit einer schönen Frau. Wir saßen in einer angesagten Kneipe …

Abschied

„Der Abschied ist gekommen, Ich glaub‘, ich füg‘ mich niemals drein, Dabei hab ich ihm lang schon entgegengeseh‘n.“ Eigentlich hatte ich ja gedacht, so etwas passiert mir nicht mehr. Nie mehr wollte ich mich noch einmal so von einem Menschen berühren lassen, dass es irgendwann anfängt, wehzutun. Ich wollte dies schon schaffen, indem ich unter den Menschen lebte, sie nicht etwa floh oder hasste, sondern indem ich sie liebte. Aber so, dass ich jeden einzelnen von ihnen auch jederzeit wieder loslassen könnte, ohne zu trauern. „Nur so, wie man sich etwa in einen irdenen Krug oder in ein Kelchglas oder in ein Ding von dieser Art verliebt, damit du, wenn es zerbricht, dich seiner Beschaffenheit leicht entsinnst und ruhigen Gemüts bleibst.“ (Epiktet) Aber nun ist es doch anders gekommen.  „Ich hab‘ nie Abschied genommen, Ohne zerrissen zu sein, Und einmal mehr wünschte ich jetzt, die Zeit bliebe steh‘n!“ Es war am Rande einer Tagung in Hogwarts. Wir saßen abends noch im Drei Besen auf ein Butterbie…

Nach fest kommt lose

Die von Alfred Wegener entdeckte Kontinentaldrift ist ein sehr schönes Bild für die Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung von menschlichen Beziehungen. Menschen sind nun mal keine Pinguine. Obwohl es sie mit aller Macht zueinander zieht, streben sie doch auseinander. Aber gerade dieses Auseinanderstreben bringt sie schließlich und endlich wieder zusammen. Der Superkontinent Pangäa existierte einhundertundfünfzig Millionen Jahre lang. Das ist eine lange Zeit. Aber schon eine ganze Weile brodelte es unter der Oberfläche und schließlich brach das ganze Riesending wieder auseinander. Von dieser Zeit an strebten die einzelnen Teile auseinander. Aber irgendwo stießen sie wieder zusammen und es gab ganz neue Verbindungen. Zum Beispiel krachte die adriatische Platte gegen das südliche Europa und bildete die Alpen. Der Aufprall ist immer noch im Gange und darum sind die Alpen noch lange nicht ausgewachsen. Mit dem Himalaya ist es genauso. Irgendwann werden sich auch Afrika und Südamerika wieder…

Für immer

Einmal saß ich während einer Weiterbildung neben einer attraktiven Kollegin. Ich konnte gar nicht zuhören, weil ich damit beschäftigt war, mir vorzustellen wie ich mich herauswinde, wenn sie mich hinterher fragt, ob wir noch was trinken gehen. Sie hat selbstverständlich nicht gefragt. Ein anderes Mal erwischte ich mich dabei, wie ich sehr lange darüber nachdachte, wie ich verhindern könnte, dass eine junge Frau, die ich gerade kennengelernt hatte, bei mir einzieht. Sie kam nicht ein einziges Mal auch nur in die Nähe meiner Wohnung. Heute passiert mir so etwas nicht mehr. Vielleicht, weil ich gelernt habe, dass attraktive Frauen niemals über Männer herfallen und sie an den Haaren irgendwohin zerren. Trotzdem wüsste ich gern, wo diese Angst vor der Nähe herkam, die völlig unrealistisch war und die mich soviel Energie gekostet hat. Ich glaube, die zweite Angst hat etwas mit dem Zustand meiner Behausung zu tun. Er entspricht einfach nicht den geltenden Standards. Ich kriege das auch nicht …

Mein leises Lied

Ich bin nicht sicher, ob es in Ordnung geht, dass die Vereinigten Staaten von Amerika von einem Hirn regiert werden. Und wenn es auch das Hirn von Trump ist. Es ist trotzdem ein Hirn. Wurden die Wähler hinters Licht geführt? Oder wussten sie, dass sie eigentlich ein Hirn gewählt haben? Wie wäre das eigentlich in Deutschland? Zum Glück wählen wir ja hier unseren Regierungschef nicht selbst. Da müssen sich also die Abgeordneten mit herumschlagen. Aber wenn die herausbekämen, dass sie derartig hinters Licht geführt wurden-na dann Prost Malzeit! Aber das wurden sie ja nicht. Merkel ist immer noch Merkel, wobei ich schon denke, dass sie ganz schön schlau ist. Leider hilft uns das in Augenblick auch nicht weiter, denn die Dummheit ist ausgebrochen. Sie fängt an, das Land auszufüllen. Sie beginnt freilich in den Köpfen, aber dort bleibt sie nicht. Sie breitet sich erst langsam aus und dann immer schneller. Alles Bunte und Farbige wird grau. Und jeden Tag wird das Land ein bisschen grauer und…

Das Schlimmste, was passieren kann

Ich habe einen Timer installiert, mit dem ich meine Arbeitszeit überwachen kann. Ich hätte nicht gedacht, dass das mal notwendig werden könnte. Es ist auch nicht notwendig geworden, aber es macht Spaß. Ich vergesse nämlich immer, den Timer einzuschalten. Dann sieht es am Ende des Tages so aus, als ob ich überhaupt nicht gearbeitet hätte. Ein freier Tag also. Darüber freue ich mich dann sehr. Wenn alle Menschen solche Timer hätten, gäbe es wahrscheinlich viel mehr Freude an der Arbeit. Bisher bin ich noch nicht auf die Idee gekommen zu messen, wie lange ich am Tag mit Schreiben beschäftigt bin. Das ist auch schwierig. Wann ich nur messe, wie lange ich tatsächlich schreibe, werden nur ein paar Minuten zusammenkommen. Die meiste Zeit schreibe ich ja nicht, sondern gucke in die Luft, aus dem Fenster oder schlafe. Es ist ein wunderbare Beschäftigung, die ich nur für die Notdurft und zur Zubereitung von Malzeiten unterbreche. Meine Lieblingsposition ist die Rückenlage auf dem Bett. Mein Vor…

Singen kann jeder

Die natürliche Körperform des Mannes gleicht eher einem b. Die gesellschaftliche Idealisierung will uns stattdessen ein i vormachen. Ich erkenne den Fehler, wenn ich an einem Spiegel vorbeigehe und mein Profil aus den Augenwinkel wahrnehme. Es ist ein b. Man erkennt es auch, wenn man sich Darstellungen von Australopithecinen anschaut. Ich kann mir gar nicht erklären, wie es zum i gekommen ist. Vielleicht von „idealisieren" . Nun zeichnen sich Idealisierungen vor allem dadurch aus, dass es sie gar nicht gibt. Im Grunde genommen sind es Vereinfachungen, Weglassungen. Leider wird bei Idealisierung oft auch Wesentliches weggelassen. Es ist ein dummer Reflex, einem Ideal entsprechen zu wollen, denn es ist nicht möglich und es verursacht Kosten. Im konkreten Fall kostet es Energie, die kleidsame Ausstülpung am unteren Körperende nach innen zu ziehen und dann so zu verharren. Eine schier übermenschliche Anstrengung, die auch nicht gesundheitsfördernd sein kann.  Darüber hinaus ist es auc…

Aschenputtel

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Ich fragte: "Was kommt eigentlich nach dem Sommer?" und fand mich ziemlich schlau. Die Antwort lautete: "Rotkäppchen.“ Ich lächelte nachsichtig und fragte jemand anderen: „Nein. Was kommt nach dem Sommer?" Antwort: „Aschenputtel!“ Nun kann man freilich immer weiter widersprechen: „Nein,nein, nein, nein, nein." Mit immer mehr Nachdruck. So etwas kann einem immer wieder passieren, wenn man sich dumm stellt. Wenn man etwas weiß, dann soll man es eben einfach sagen und nicht scheinheilig danach fragen! Natürlich wollte ich „Herbst" hören, um dann von den bunten Wäldern singen zu können. Aber soweit ist es ja noch lange nicht. Es ist ja noch Sommer. Ich bin mal gefragt worden, warum einen der Sommer eigentlich immer so traurig macht. Es liegt daran, dass wir im Sommer immer weiter in die Dunkelheit hinein fliegen. Erst Ende Dezember fliegen wir wieder in das Licht. Vorher wird es einfach nur dunkler und dunkler. Dass das so ist, verdanken wir der Neigung der Er…

The Brain

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Musik!

Ich und Musik! Das wir beide mal zusammenkommen, war nicht abzusehen. Ich hatte zwar nie Schwierigkeiten mit dem Singen, aber das war es dann auch schon. Alles andere betreffend war ich vollständig „unmusikalisch“. Falls es so etwas überhaupt gibt. Ich hörte mir keine Musik an und Discoveranstaltungen waren, solange es noch keinen Alkohol gab, eine Quälerei. Die Hitparade im ZDF und disco sah ich mir allerdings an. Schallplatten mit Musik hatte ich nicht und natürlich auch keine Kassetten. Auf Klassenfahrten hatten andere Jungs schon längst immer ein Köfferchen mit Kassetten dabei. Ich staunte. Oder ich staunte nicht. Ich weiß es nicht mehr. Simone brachte die ersten Schallplatten mit. Konstantin Wecker mit dem „Willi“ und Hermann van Veen mit dem „Kinderrad“. Und Gerhard Schöne. Der sang auf irgendeiner Platte vom Messias und vom „Großen Halleluja“. Irgendwann hatte ich dann auch so eine Platte. Bei Witti bekam ich dann gratis richtigen Unterricht. Der hatte ein Zimmer, das mit Schal…

Die Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr im ländlichen Sozialraum

Ich habe eine ausgesprochen unterhaltsame Weiterbildung besucht. Der Dozent war Professor und Entertainer. Wahrscheinlich hätte er auch singen und tanzen können, sah aber aus Zeitgründen davon ab. Er hat mein Leben verändert. Unter anderem konnte er sehr anschaulich darstellen, wie sich die Vernachlässigung der Zahnpflege auf das Leben eines Menschen auswirkt. Karies wäre gar nicht das Problem, das dauere mindestens sechs Monate. Viel gefährlicher wäre die Aphtenbildung. Aphten im Mund seien ausgesprochen schmerzhaft. Ich verstand „Aften“ und wusste sofort, dass ich so etwas nicht im Mund haben wollte. Dann machte der Professor klar, dass das Kauen auf einer Seite durch die Aphten sehr schmerzhaft werden könnte. Wenn man dann nur noch auf der anderen Seite kaue, würde sich die Struktur des Kiefermuskels verändern. Die Kau-Seite würde hypertroph, die andere hypotroph. Erst bekäme man zusätzlich Kopfschmerzen, dann würde der Kopf auf der Kau-Seite größer und schwerer, was schließlich zu…

Vor dem Alltag

Mein Klamottenabo hat sich wieder gemeldet. Ich dachte ja, ich hätte sie jetzt erfolgreich abgewehrt: Emails habe ich nicht beantwortet und am Telefon habe ich sie angeschrieen. Jetzt kam aber eine neue Email: In zwei Wochen schicken sie meine neue Box. Was drin ist, würde ich schon sehen. Aus der Nummer komme ich jedenfalls nicht mehr raus. Das ist auch der Grund, aus dem ich in diesem Jahr nicht mehr in den Urlaub fahren kann. Ich werde das Geld brauchen, um die Rechnung für die neuen Klamotten zu begleichen. Irgendwie bin ich aber auch froh. Von Kleidung hat man nun mal länger was, als vom Urlaub auf den Inseln am rechten Rand von Deutschland. Vielleicht kaufe ich mir sogar noch einen Kleiderschrank. Als ich neulich mal erwähnte, dass ich keinen habe, kam die Frage, wo ich denn meine Sachen lassen würde. Antwort: Na, die habe ich an!

Aber Schwamm beiseite. Ich fahre wirklich nicht in den Urlaub, weil ich ja schon im Urlaub bin. Es ist eine Frage der Einstellung. Wenn man sich vors…

Verteilt Ohrenschützer!

Wenn es nicht so schlimm wäre, wäre es zum totlachen: Die Bahn will die Trinker mit Musik verjagen. Das geschieht ihnen ganz recht. Warum trinken sie auch so viel? Müssten sie ja nicht. Jetzt geht es ihnen an den Kragen. Sie werden mit Musik beschallt. Als ob das noch nicht reichen würde, um diesen grottigen Trinkern den Garaus zu machen, soll es auch noch atonale Musik sein. Atonale Musik!! Die spielt wahrscheinlich im Ultraschallbereich. Trinker können Ultraschall wahrnehmen und leiden beim Abspielen wie Hunde bei einer Feuerwehrsirene. Sie müssen sich dann mit beiden Händen die Ohren zuhalten. Dann können sie natürlich nicht mehr trinken, denn dazu brauchen sie mindestens eine Hand. Nähmen sie die vom Ohr weg, hörten sie den schrecklichen Lärm und müssten sofort wieder zuhalten, wollten sie nicht unter schrecklichen Qualen elendiglich verenden. Soweit der Plan der Bahn. Wer denkt sich sowas aus?

Allerdings weiß jedes Kind, das Harry Potter und die Kammer des Schreckens gelesen ha…

Nach dem Wochenende

Ich bin vor einiger Zeit gefragt worden, ob mir meine Arbeit Spaß mache. Das war mir ein Anlass, mich mit dieser Frage zu beschäftigen. Von selbst wäre ich nicht darauf gekommen. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Ich gehe doch nicht zum Spaß arbeiten! Beim Arbeiten geht es in erster Linie um Geld und beim Geld hören Spaß und Freundschaft auf. Vielleicht ist es ja erhellend, dass das sich das deutsche Wort Spaß vom italienischen spasso ableitet, das wiederum Zerstreuung, Zeitvertreib, Vergnügen bedeutet. Wenn das der eigentliche Zweck der Arbeit sein sollte, dann haben wir es mit dem Spaß übertrieben. Dann ist daraus jetzt etwas geworden, das seinerseits wieder nach Zerstreuung und Vergnügen verlangt. Etwas, das einen ganzen Tag dauert, die ganze Woche beansprucht und das Denken und Träumen bestimmt, kann kein Spaß mehr sein!
Aber das muss es auch nicht. Die Frage, ob denn die Arbeit Spaß mache, kann sich eigentlich nur ein Kind der Spaßgesellschaft ausdenken. Auf der verzwei…

Nonsens

Irgendwo muss ich noch das Nonstop-Nonsens-Buch haben. Ein kleines Buch mit Sketchen von Dieter Hallervorden. Seltsamerweise ist ausgerechnet dieses Buch irgendwie über die deutsch-deutsche Grenze gekommen, als sie noch aus Eisen und Beton war. Ich kann nicht mehr sagen, ob ich von diesem Buch irgendwelchen nennenswerten Gebrauch gemacht habe. Ich glaube, ich hatte Schwierigkeiten, die gelesenen Sketche lustig zu finden, aber das weiß ich nicht mehr. Es gab in meiner Umgebung wahrscheinlich auch niemanden, mit dem ich sie hätte aufführen können. Wie dem auch sei, das Buch ist jedenfalls noch da, aber ich werde die Sketche wohl trotzdem nicht aufführen, obwohl ich heute vielleicht schon Spielpartner finden würde. Ich glaube, meine Vorstellung von Humor hat sich inzwischen ein bisschen verändert.  Es ist aber immer noch Nonsens. Vor ein paar Tagen war ich Beikoch in einer Kochshow. Es gab „Überraschungsauflauf mit Sommergemüse“. Das Sommergemüse bestand unter anderem aus Brokoli und Blum…

Alles wieder gut

Meine Toleranz gegenüber Insekten im Allgemeinen und Fliegen im Besonderen hat in den letzten Wochen stark abgenommen. Allerdings muss ich feststellen, dass ich eher die Qualitäten eines Fluchttieres als die eines Jägers besitze. Insofern scheint es bei mir schon eine genetische Veränderung zu mehr Friedfertigkeit zu geben. Meine Aggressionsbereitschaft scheint eher kulturell bedingt zu sein. Darum lachen mich die Fliegen auch aus. Im klebrigen Fliegenfänger verfange ich mich nur selbst. Eine Fliege ist dort noch nicht gelandet. Daraufhin habe ich meine alte Fliegenklatsche wieder aktiviert. Sie ist inzwischen so alt, dass bei jedem Zuhauen ein Stück vom Griff absplittert. Dass die Fliegen trotzdem den Tod finden, liegt daran, dass sie vor lauter Lachen nicht aufpassen wohin sie fliegen und im Bierglas landen, worin sie dann ertrinken. (An diesem Beispiel kann man auch sehr schön den Unterschied zwischen „effektiv“ und „effizient“ verdeutlichen: Effektiv ist meine Methode schon, weil …

Wollen und werden

Die Errichtung der Pyramiden von Gizeh war prägend für eine ganze Epoche. In einer zuvor nicht gekannten Kooperationsleistung arbeiteten die Menschen eines ganzen Landes über Generationen hinweg zusammen und erreichten ein gemeinsames Ziel. Wozu diese gewaltige Anstrengung gut sein sollte, erschließt sich uns Heutigen nicht mehr, aber sie hat das Land einst groß gemacht. Unsere Epoche bringt eine vergleichbare Leistung hervor: die Weltraumfahrt. Sie begann eigentlich als strategisches Manöver im Kalten Krieg, hat sich aber zu einem wahren Friedensprojekt entwickelt. Auf keinem anderen Gebiet arbeiten so viele Nationen friedlich zusammen. Vielleicht wird das Ziel dieser Anstrengungen den Menschen in viertausend Jahren ebenso rätselhaft vorkommen, wie uns das Ziel des Pyramidenbaus. Es ist allerdings fraglich, was von der Raumfahrt übrig bleiben könnte, das man so bestaunen könnte, wie Pyramiden. Die Weltraumbahnhöfe? Eine Raumstation? Satelliten! Vielleicht sogar ein Bauwerk auf dem Mo…

Es sei denn Liebe

Ich kann nicht mehr genau sagen, wann das anfing, aber irgendwann war ich der Meinung, Gefühle wären nur etwas für Mädchen und auch die würden sie sich nur einbilden. Ich hatte keine. Ich war in der Pubertät (oder zumindest in dem entsprechenden Alter) und ich war Dressur- und Springreiter. Das war ein Mädchensport und ich bekam immer die bockigen Pferde. Wenn ich in die Pfütze fiel, stand ich eben wieder auf, fing mein Pferd ein und stieg wieder auf. Jana sagte mir dann einmal, dass ich immer so cool aussehe, als ob ich niemals Angst hätte. Das hat mir sehr gefallen und ich konnte auch wirklich keine Angst mehr fühlen. Nicht dass ich keine Befürchtungen gehabt hätte, was alles nicht klappen könnte - aber das Gefühl der Angst war weg. Oder besser: ich konnte es nicht wahrnehmen. Genauso war es mit Glück und Trauer, Stolz und Freude, Wärme und Zuneigung und was das Leben sonst noch alles reich machen kann. Ich hatte mir das abgewöhnt und fing lieber an zu rauchen und zu trinken, weil …

Sapere aude

Ich bin so dumm wie Bohnenstroh. Ich bin darüber hinaus sogar noch viel dümmer als die Polizei erlaubt. So blöd, dass mich die Schweine beißen. Meine Blödigkeit sprengt alle bisher bekannten Grenzen. Ich habe sie mit Löffeln gefressen und jetzt kommt sie mir zu den Ohren heraus. So würde ich gern noch eine ganze Weile weitermachen, aber weil ich so dumm bin, fällt mir eben nicht mehr ein. Außerdem muss ich befürchten, dass nicht weiter gelesen wird, denn wer will schon lesen, was ein Dummer geschrieben hat? Also schreibe ich jetzt erstmal, warum ich mich so eifrig der Dummheit bezichtigen will. Es ist wegen Martenstein. Im letzten Zeitmagazin hat Martenstein darüber geschrieben, dass die Intelligenz immer mehr abnimmt und die Menschen immer dümmer werden. Er kommt dann aber zu dem Schluss, dass das gar nichts macht, weil man zur Feststellung seiner Dummheit wenigstens noch ein bisschen Intelligenz benötige. Dumme würden gar nicht bemerken, dass sie dumm sind, sondern würden sich für z…

So oder so

Der kleine Junge saß im Sandkasten und war sehr beschäftigt. Er war jetzt schon den ganzen Nachmittag hier draußen und auch am Vormittag war er hier gewesen. Er war mit seinem Werk noch lange nicht zufrieden. Es war nicht schlecht, im Gegenteil, es war sogar sehr gut. Aber es war eben auch noch lange nicht fertig. Während er sich alles noch mal ansah und darüber nachsann, erklang eine wohlvertraute Stimme:  „Oh! Mein! Gott!“ „Ja, Mamma?“ „Komm rein, das Abendessen ist fertig!“ „Aber ich mache gerade die Welt... und die ist noch nicht fertig.“ „Mein lieber Gott, ja, natürlich, aber morgen ist auch noch ein Tag. Komm jetzt!“ Gott seufzte und ging rein. Das ganze ging insgesamt geschlagene sechs Tage so. Jeden Abend dachte er: „Es ist gut, es ist sogar sehr gut, aber es ist eben noch nicht fertig.“ Nach sechs Tagen war er dann zufrieden. Und am siebten Tag sah er den ganzen Tag lang nur fern und dachte nicht mehr an die blöde Welt, die er gemacht hatte und schließlich vergaß er sie ganz.  Viele…

Hänsel und Gretel

Auch beim Singen muss man schon ein bisschen aufpassen, sonst kommt man schnell mal in brenzlige Situationen, in denen guter Rat teuer ist. Zurzeit ist es angeraten vom Brünnlein kalt, vom kühlen Grunde, vom See und vom Trinken zu singen. Nicht jedoch vom Ofen oder von Feuer und Kohle. Nicht alle halten sich aber an solcherlei Konventionen und wollen sich lieber alles Mögliche frei von der Leber weg singen. So wurde dann auch mitten in der schönsten Mittagshitze vorgeschlagen, das Lied von Hänsel und Gretel zu singen. Alle Einwände halfen nicht. Ich versuchte es auf das Schrecklichste auszumalen, was passieren würde, wenn der Ofen einmal in Gang käme, aber man lachte nur und meinte man könnte das mit dem Ofen ja weglassen. Natürlich. Das kennt man ja. Wir müssen morgen früh raus, gehen aber abends trotzdem noch in die Kneipe. Dann trinken wir halt mal nicht so viel. Auf diese Weise hätte ich beinahe mal eine mündliche Prüfung vergeigt. Denn jedes Geschehen hat eine eigene Dynamik, die…

Im Sinne des Verfassers

An heißen Sommertagen wende ich in meiner Wohnung einen einfachen aber wirkungsvollen Trick an, um mir Abkühlung zu verschaffen: Ich warte die Mittagszeit ab und erhitze dann mehrere Töpfe mit Wasser auf dem Herd in der Küche. Ich koche Kartoffeln und grüne Bohnen und ich brate Fleisch. Die Küche ist ohnehin der heißeste Raum in der Wohnung, denn sie hat keinen funktionierenden Sonnenschutz. Durch die beschriebenen Aktivitäten erreiche ich nach dem Schließen der Tür Temperaturen, die denen auf der Oberfläche der Sonne nahekommen. Dann verzehre ich die doppelte Menge meines eigentlichen Kalorienbedarfs in der Hälfte der sonst üblichen Zeit. Anschließend wasche ich noch ab. Dann verlasse ich die Küche wieder. Das dauert alles nicht länger, als zwanzig Minuten. Aber selbst, wenn ich vorher in den anderen Räumen fast erstickte, erscheinen sie mir nach meinem kurzem Aufenthalt im Vorhof der Hölle wie Kühlzellen. Ich muss mir etwas überziehen, um mich nicht zu erkälten.  Dieses Prinzip heißt…

Beratungsstelle für alleinerziehende Call-Center-Mitarbeiterinnen

Wenn es etwas gab, das Krause wirklich hasste, dann war das für sich selbst einzukaufen. Das bedeutete, er machte es nicht etwa ungern oder widerwillig. Es bedeutete, dass er dem für-sich-selbst-Einkaufen den Krieg erklärt hatte. Er bekämpfte das für-sich-selbst-Einkaufen, wo immer er ihm begegnete. Dabei ging es nicht darum, dass er dafür seine Behausung verlassen musste, oder dass er in Kontakt mit vielen anderen Menschen kam. Das konnte er alles wegstecken, wenn es sein musste. Was er aber auf den Tod nicht ausstehen konnte waren Menschen, die ihm etwas verkaufen wollten. Krause hatte mal in einem Land gelebt, in dem fast niemand etwas verkaufen wollte. Wenn man dort als Kunde in einen Laden kam, wurde man entweder gar nicht beachtet oder es bellte einem gleich jemand „Ham wa nich!!“ entgegen. Es gab dort gar nichts zu verkaufen und folglich auch nichts zu kaufen. Dieses Land erschien ihm heute in dieser Hinsicht wie das verlorengegangene Paradies.  Leider brauchte der Mensch im All…

PLING!!!

Krause blinzelte in das Sonnenlicht. Alles war gut. Er hatte verstanden. Er begriff es, nachdem er Peggy wieder begegnet war. Das passierte genau drei mal. Das erste Mal in einer bitter kalten Nacht auf dem Bahnhof. Er konnte nicht mit ihr sprechen aber sie fuhren ein Stück zusammen mit der Bahn. Als er aussteigen musste, sagte sie etwas zu ihm, woran er sich aber später nicht mehr erinnern konnte. Beim zweiten Mal tauchte sie auf einmal in seinem Messenger auf. Es war fast wie ganz am Anfang: PLING!!! Sie war sehr freundlich zu ihm und sie schrieben sich ein paar Tage lang. Krause war aufgeregt. Schließlich verschwand sie genauso plötzlich, wie sie aufgetaucht war. Dann traf er sie noch einmal im Zug. Sie saß einfach da und schlief. Krause setzte sich etwas abseits und sah sie an. Peggy wachte auf und sprach mit ihm, als ob sie sich gestern zuletzt gesehen hätten. Beim nächsten Halt musste Krause wieder aussteigen.
Musste er?
Hätte er mitfahren können?
Vielleicht. Sicher. Er hatte…

Piano Man

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https://youtu.be/HVKtL9VU8rQ Es ist Montag und es ist viertel nach drei Ein Montag, wie man ihn kennt Die Frau neben mir hat die Puppe dabei Dann nimmt sie ihr Instrument Sie spielt nicht darauf und sie singt keinen Ton Ich hab nie gehört, dass sie spricht Doch das Instrument hält sie, wie ein Mikrofon Und sie strahlt übers ganze Gesicht La la la, da da da da  La la la, da dam Sing für uns, du bist der Liedersänger Sing für uns, was uns bewegt Vielleicht sind wir nicht schlau Doch wir fühlen genau wie du Weil auch unser Herz schlägt Jaqueline hat, weil sie zum Kaputtmachen neigt Obwohl sie nichts dafür kann Sich um ein Haar die ganze Zukunft vergeigt Und hier fängt sie noch mal neu an Und dann sing ich für sie und sie schmiegt sich an Und um uns scheint ein warmes Licht Und was sie dann noch schöner machen kann Sind Tränen auf ihrem Gesicht La la la, da da da da La la la, da dam Und Monika ist zu Tode betrübt Weil ich immer das Gleiche sing Dafür gesteht Millie mir, dass sie mich liebt Und fragt immer mal nach de…