Posts

Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

Sie liebt mich

Meine Freundin ist schön. Außerdem ist sie sehr klug. Als ob das alles nicht schon mehr als hervorragend wäre, kann sie - unter anderem - auch noch kochen. Da ich bei Schönheit und Klugheit nun mal nicht mehr aufholen kann, will ich doch versuchen, in punkto Kochen wenigstens gleichzuziehen. Ich habe sie genauestens dabei beobachtet, wie sie eine überaus schmackhafte Kürbissuppe zubereitete. Ich habe selten etwas so Anmutiges gesehen, wie meine schöne Freundin, die eine Kürbissuppe zubereitet. Nur wenn sie singt, sieht sie noch schöner aus. Aber ich will hier nicht herumprotzen. Kaum war ich wieder allein, weil meine Freundin eine wichtige Arbeit übernommen hat, die leider in einiger Entfernung von meinem derzeitigen Aufenthaltsort ausgeübt werden muss, machte ich mich daran, die Kürbissuppe nachzukochen. Ich hatte nicht erwartet, dass es mir auf Anhieb gelingen würde; schon gar nicht, dass ich nur eine annähernd gute Figur dabei machen würde. Aber welche Schwierigkeiten dann tatsäch…

Und es war Sommer

Und es war Sommer Peter Maffay Es war ein schöner Tag
Der letzte im August Die Sonne brannte so
Als hätte sie's gewusst Die Luft war flirrend heiß
Und um allein zu sein Sagte ich den andern
Ich hab' heut keine Zeit Da traf ich sie und sah in ihre Augen
Und irgendwie hatt' ich das Gefühl Als winkte sie mir zu und schien zu sagen
Komm setz dich zu mir Ich war sechzehn und sie einunddreißig
Und über Liebe wusste ich nicht viel Sie wusste alles
Und sie ließ mich spüren Ich war kein Kind mehr
Und es war Sommer Sie gab sich so als sei ich überhaupt nicht da Und um die Schultern trug sie nur ihr langes Haar Ich war verlegen und ich wußte nicht wohin
Mit meinem Blick
Der wie gefesselt an ihr hing Ich kann verstehen
Hörte ich sie sagen Nur weil du jung bist
Tust du nicht
Was du fühlst Doch bleib bei mir
Bis die Sonne rot wird
Dann wirst du sehen Wir gingen beide hinunter an den Strand 
Und der Junge nahm schüchtern ihre Hand Doch als ein Mann sah ich die Sonne aufgehn
Und es war Sommer Es war Sommer
Es war Sommer
Das e…

In den Gärten des Glücks

Während die Oktobersonne ihre Strahlen noch einmal wie ein Friedensangebot über die Erde streichen lässt, liege ich flach auf dem Rücken und töte Bakterien. Dazu verschlinge ich alle acht Stunden eine riesige Penicillin-Tablette. Dann warte ich. Es ist eine schöne Beschäftigung, die ich aber zehn Tage lang durchhalten muss, um alle Bakterien auszumerzen. An mir soll es nicht liegen, ich könnte auch noch ein paar Tage dranhängen. Natürlich wäre es mir lieber, wenn dazu draußen ein Wetter-Chaos tobte, in das man keinen Hund schicken würde, wenn es bereits Stein und Bein dort draußen fröre. Aber das tut es nicht. Es ist lau und mild. Die vermaledeiten Bakterien hatten sich in meinem Hals festgesetzt und Gott weiß, was sie noch alles befallen wollten. Daraus wird nun nichts. Was haben die Menschen vor dem Penicillin gemacht? Musste es das Fieber allein schaffen? Konnte es das? Ungefähr zur gleichen Zeit brach mein Backenzahn, der mir schon lange Beschwerden verursachte. So ein Backenzahn …

Apfelbäumchen

Klar: Es steht nicht gut um uns und unser Schicksal liegt in der Hand von Verrückten. Das Letztere liegt in der Natur der Sache, denn man muss schon ziemlich verrückt sein, in diesen Zeiten Verantwortung für das Schicksal Vieler zu übernehmen. Die Welt geht aus den Fugen und das Ende scheint näher zu sein, als irgendein Anfang. Jeglicher Ausweg scheint verstellt und der Rückweg ist abgeschnitten. Der Wohlstand und das Glück, in dem ich mich wiege, gehören mir nicht, sondern sind denjenigen gestohlen und geraubt, denen ich möglichst nicht begegnen will, wenn sie hierher kommen und ungläubig an meinem Glück ein bisschen schnuppern wollen. Sie sollen wieder dorthin gehen, wo sie hergekommen sind oder besser gleich ganz dort bleiben. Es steht in der Tat nicht gut um uns, aber die Zeche werden diejenigen bezahlen, die nach uns kommen. 
Andererseits sind wir eben mit allem, was und wie wir sind, Teil des Problems. Das Problem besteht zu großen Teilen darin, das wir immer irgendetwas wollen. …

Lass uns telefonieren!

Ich wollte eine To Do Liste erstellen. Ich setzte mich hin und schrieb: To Do Liste. Dann wartete ich. Ich habe kürzlich eine Prästationäre Aufnahme im Krankenhaus hinter mich gebracht. Gleich zu Anfang wurde ich belehrt, dass es durch langes Sitzen oder Liegen zu einem Dekubitus kommen könnte. Dann saß ich sehr, sehr lange. Das fiel mir jetzt wieder ein und so veränderte ich nach  einer Stunde meine Warteposition. Aber auch diese Veränderung meiner Lage zeitigte keine Einfälle für eine To Do Liste. Wie es aussieht, habe ich einfach nichts zu tun. Nun wäre ich nicht ich, könnte ich selbst einem solchen Zustand nichts abgewinnen. Ich sprang auf und lief in meiner Wohnung umher. War ich dabei anfangs noch ganz ruhig, machte sich mit der Zeit eine wachsende Erregtheit bemerkbar, die ich als Tatendrang interpretierte. Dem darf man nun nicht sofort nachgeben.

Ich setzte mich in meinen Ohrenbackensessel und stellte eine Telefonverbindung mit meinem Vater her. Nach dem kurzen Austausch der s…

Besser paarweise

Ich dachte immer, ich gucke aus mir raus. Ich gucke aber in mich rein. Keine Ahnung, ob es "draußen" gibt. Eher unwahrscheinlich. Wenn einem das klar wird, bekommt man erst mal einen Schreck. Dann fühlt man sich einsam. Wenn man dann nicht verrückt wird, ist irgendwann alles wie vorher. Ich bin sogar etwas entspannter seit ich weiß, dass "Außenwelt" ein Konzept ist, das als kühn bezeichnet werden muss. Ich lächele dem Nachbarn zu, denn ich kann mich ganz gut leiden. Trotzdem finde ich es super, dass er seine eigene Wohnung hat. Es gibt auch überhaupt keinen Anlass mehr, sich über „andere“ Menschen wie den Dr. Rösler oder den Herrn Steinbrück oder gar die Frau Merkel aufzuregen. Das bin alles ich! Darum bin ich abends immer so zerschlagen. Und morgens auch, denn ich bin ja auch Obama, der ganze Kongress, NSA und FBI. Puhhh.
Letzten Endes führt das zu der Erkenntnis, dass man sich selbst am Wenigsten kennt. Das eigene Selbst ist so unerforscht wie die Tiefsee. Ein Le…

Lied mit „N“

Ännchen von Tharau ist, die mir gefällt,Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld. Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz  Auf mich gerichtet in Liebe und Schmerz Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,  Du meine Seele , mein Fleisch und mein Blut.
Käm‘ alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,  Wir sind gewillt, beieinander zu stah‘n.  Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein  Soll unser Liebe Verknotigung sein. Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,  Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut. 
So wie ein Palmbaum über sich steigt, Hat ihn erst Regen und Sturmwind gebeugt, So wird die Lieb‘ in uns mächtig und groß Nach manchem Leiden und traurigem Los. Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,  Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut. 
Würdest du gleich einmal von mir getrennt, Lebtest da, wo man die Sonne kaum kennt: Ich will dir folgen durch Wälder und Meer, Eisen und Kerker und feindliches Heer. Ännchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn‘, Mein Leben schließt sich um deines herum. 
Sim…

Die Welt versinkt im Chaos

Ich muss mich korrigieren, was die Umfragen zum Fall Maaßen betrifft. Ich bin jetzt doch gebeten worden, an einer solchen teilzunehmen. Eine namhafte Wochenzeitung fragt, ob ich mit der Entscheidung zufrieden bin, dass Maaßen Sonderberater wird. Das ist eine neue Vorgehensweise. Warum haben sie nicht gefragt, ob ich mit der Entscheidung zufrieden bin, dass Gauland Fraktionsvorsitzender wird? Oder dass Adler Staatssekretär im Innenministerium wird? Ich finde das nicht gut. Einerseits ist es nicht gut, wenn den Zeitungslesern vorgegaukelt wird, sie lebten in einer direkten Demokratie. Es beleidigt die Intelligenz. In einer direkten Demokratie werden alle öffentlichen Fragen öffentlich auf dem Marktplatz verhandelt und durch die Bürger mehrheitlich entschieden. So etwas gibt es aber gar nicht. Andererseits ist es nicht gut, dass durch solche Umfragen ein Meinungsbild entsteht, denn es ist weder repräsentativ noch richtig. Selbst bei strengster politischer Enthaltsamkeit und der strikten…

Zwei Gläser

Es könnte sein, dass ich heute erfahre, dass ich befördert werde. Mein Urlaub ist vorbei und ich habe in der letzten Zeit ja so einiges von mir gegeben, was vielleicht verkehrt gewesen sein könnte. Dann muss ich meinen Hut nehmen. So sind die Regeln. Vielleicht haben sie schon das ganze Wochenende zusammengesessen und überlegt, was sie mit mir machen. Mein Chef will mich natürlich behalten, weil ich so einen tollen Job mache. Die anderen finden mich aber inzwischen auf meinem Posten nicht mehr tragbar. Freilich könnte mich mein Chef einfach in den Ruhestand versetzen, aber das wäre teuer, weil ich dann sehr lange ruhig bin und jeden Monat ein Ruhegehalt bekomme. Wenn er mich befördert, bekomme ich zwar noch mehr Gehalt, muss aber dafür etwas unruhiger leben. Vielleicht muss ich jeden Tag in ein Büro gehen und dort einen Computer einschalten. Das kann einen schon einen Tag lang beschäftigen. Ich habe gerade eine ganze Stunde gebraucht, um meinen Computer zum Laufen zu bringen! Er woll…

Was man tut

Wozu die Causa Maaßen gut war, kann man noch nicht sagen. Es ist einfach noch zu früh. Vielleicht wird sie für ein Sprichwort herhalten. Etwa wie: „In Maaßen ist dagegen nichts einzuwenden“. Oder so ähnlich. Oder auch: „Sie ärgerten sich über alle Maaßen“. Auf jeden Fall bedient sich jetzt auch die Bundesregierung mit ‚try and error‘ einer bewährten Methode zur Wahrheitsfindung. Die Kritik daran läuft in etwa darauf hinaus, dass das planlos und unprofessionell sei. Das stimmt aber so nicht. Vielmehr beweist die Kanzlerin, dass sie ihre Herkunft aus dem Wissenschaftsbetrieb nicht vergessen hat. Dort arbeitet man schließlich nur so. Woher soll man denn wissen, was richtig ist? Man macht eine Vorhersage und überprüft, ob sie stimmt. Falls nicht, probiert man eben was anderes. Manchmal kommt auch etwas heraus, das mit der eigentlichen Fragestellung gar nichts zu tun hat. So hat Alexander Fleming im Jahr 1928 das Penicillin entdeckt, weil ihm während der Sommerferien seine vergessenen Sta…

Das ganze Bild

Die gute Nachricht zuerst: Kein Mensch ist allein auf der Welt. Für jeden Menschen im Universum gibt es einen anderen, der zu ihm gehört und mit dem er zusammen froh und glücklich sein könnte. Die schlechte Nachricht: Es ist extrem unwahrscheinlich, ja genau genommen ganz und gar unmöglich, dass diese beiden Menschen zueinander finden. Sie existieren irgendwo, irgendwann und sie wissen nichts voneinander. Aber manchmal kommt es zu einer seltsamen Gleichgewichtsschwankung zwischen den Kräften des Universums und dann kann es passieren, dass sie sich diese zwei Menschen doch begegnen. Das sind dann die Sternstunden des Universums, die Zeit hört auf zu fließen und es entsteht etwas ganz und gar Neues.

Vor ein paar Tagen bin ich gefragt worden, ob ich das Gefühl kennen würde, dass etwas so schön ist, dass man es kaum aushalten kann. Ich kannte es nicht, aber ich hatte so eine Ahnung, dass ich es bald kennenlernen würde. Ich wäre dafür bereit. Nun habe ich „Das Orangenmädchen“ von Jostein…

Realität

Bild
copyright: Kunst und Bild GmbH Berlin Artwork copyright: Frielinghaus Design

Weißenfels

Bild

Es lohnt sich

Manche sagen ja, es gibt sie gar nicht. Sie wären nur Fabelwesen aus einer Phantasiewelt. Das stimmt aber nicht. Einhörner sind sehr selten und sie verbergen sich vor den Menschen aus gutem Grund. Aber es gibt sie. Vielleicht gibt es auch nur noch ein einziges. Ein Einhorn ist ein vollkommen reines und überaus verletzliches Wesen. Im Kontakt mit dem Groben und Gewöhnlichen wird es krank und leidet. Wenn es sich dann nicht zurückzieht, stirbt es. Darum ist es ganz und gar unwahrscheinlich, dass unsereiner so ein Geschöpf zu Gesicht bekommt. Wir machen schon beim Atmen einen solchen Lärm, dass ein Einhorn, sollte zufällig doch einmal eines hier auftauchen, über alle Berge auf und davon wäre, ehe wir auch nur in seine Nähe kämen. Nur sehr empfindsame, stille und aufrichtige Geschöpfe können sich einem Einhorn nähern und es beobachten.

Ich bin nun weder empfindsam noch still. Aufrichtig will ich schon sein, aber bin ich es? Kann ich es? Es gibt schon ein paar Tiere, die manchmal meine N…

Frühling

Ich bin verliebt. Es hat mich richtig erwischt. Dabei kennen wir uns schon eine ganze Weile. Natürlich habe ich sie gleich nach dem ersten Treffen mit nach Hause genommen. Wir haben die erste Nacht zusammen verbracht, weitere folgten. Dann traten Beschwerden auf. Mir tat morgens die Schulter weh. Ich musste eine Entscheidung treffen. Ich habe sie in die Ecke gestellt und eine Andere genommen.

Ich habe sie schnell vergessen, aber mit der Anderen war auch nicht alles schön. Zwar waren jetzt die Schmerzen weg, aber sie war irgendwie zu klein. Sicher, es gab auch Größere, aber die waren eben wieder zu groß. Es ist nicht leicht, in meinem Alter was Passendes zu finden. Nun war sie aber einmal da, ich wollte nicht schon wieder wechseln, also haben wir uns arrangiert. Ich wollte nicht wahrhaben, dass das Problem tiefer sitzt. Man hält sich dann an Äußerlichkeiten fest. Irgendwann habe ich alles auf das alte Schrankbett geschoben. Es ist bemerkenswert, was man für Energie entwickeln kann, we…

Gallseife

In einem Ausschank am Spreeufer verkaufen sie Würste, die offenbar hauptsächlich für die Verteidigung im Nahkampf bestimmt sind: Man beißt hinein und sofort schießt zu beiden Seiten der Bissstelle heißes Fett heraus. Mit einiger Übung kann man so Angreifer von zwei verschiedenen Seiten gleichzeitig kampfunfähig machen, indem man ihnen das heiße Fett in die Augen spritzt. Ohne Übung versaut man sich einfach nur die eigene Kleidung und muss sich nach dem Verzehr dieser Wurst komplett umziehen oder sich von einem Erziehungsberechtigten abholen lassen. Keine Klassenlehrerin der Welt lässt einen weiter am Wandertag teilnehmen, nachdem man sich derartig besudelt hat. Eher würde es noch toleriert werden, sich von Kopf bis Fuß mit Hefeweizen zu übergießen. Nach dem Trocknen bleiben hier kaum Spuren zurück und Hefeweizen riecht auch nicht so schlimm, wie gewöhnliches Bier. Zu meinem Glück war ich nun nicht im Klassenverband unterwegs und meine nette Begleiterin sah über meinen Fauxpas einfach…

Fortsetzung folgt

Ich weiß gar nicht mehr, was ich zuerst machen soll! Schreiben, Musik machen, verabreden. Es ist schön und ich will überhaupt nichts anderes mehr machen, aber letztlich bleibt für alles zu wenig Zeit. Die Chorproben haben im September wieder angefangen, aber ich war noch nicht da. Ich kaufe nur noch das Nötigste ein, damit ich mich schnell wieder meiner eigentlichen Beschäftigung widmen kann und habe dann nichts zu essen im Haus. Meine Besucherin musste sich vor dem Verlassen meiner Wohnung die Füße waschen, weil sie sich unvorsichtigerweise die Schuhe ausgezogen hatte. Das darf man in meiner Wohnung eigentlich nicht machen. Meine Wohnung ist schließlich keine Moschee, sondern eher wie eine Wiese oder wie ein Wald. Oder wie eine Wiese im Wald. Man merkt es nicht gleich am Geruch, aber an den Füßen merkt man es sofort.

Jetzt muss ich auch gleich wieder los, denn man soll seine Verabredungen nicht warten lassen. Ich hatte eine Weile so gut wie überhaupt keine Verabredungen, darum hat …

Seele verkaufen

Da sieht man es mal wieder: Geld macht eben auch nicht glücklich. Geld ist nun mal zum Ausgeben da, das ist das Traurige am Geld. Man kann davon sammeln soviel man will, wenn man es nicht ausgibt, hat man nichts davon. Es ist eigentlich nur eine Zahl. Wenn man es aber ausgibt, macht es einen unglücklich, weil man es ja lieber behalten möchte. Es ist kaum möglich, dass man etwas dafür bekommt, was sein Geld wert ist. Denn Geld haben bedeutet ja, Möglichkeiten zu haben. Viele, viele und noch mehr Möglichkeiten. Alle diese Möglichkeiten schnurren bei der Geldausgabe auf eine einzige zusammen. Ein schlechter Tausch. Dann sitzt man mit dem Gegenwert seines Geldes da und ärgert sich darüber, dass man nun alles andere nicht mehr kaufen kann, was man sich hätte kaufen können. In dieser Hinsicht war das Leben in der DDR eben leichter. Das Sammeln von Geld dauerte zwar viel länger, weil man ja immer nur wenig davon bekam, aber dann konnte man es getrost für immer behalten, denn es gab ja nun ma…

Verabreden

Meine letzte Verabredung mit einer schönen Frau liegt schon eine Weile zurück. Also ein Rendezvous, nur die schöne Frau und ich. Wir gehen ins Kino, was essen oder in die Oper! Es ist immer unglaublich aufregend. Die schöne Frau ist einen ganzen Abend lang nur für mich da und ich stelle mir natürlich vor, wie es wäre, wenn sie für immer da wäre. Eine Zeitlang dachte ich, ich müsste das der schönen Frau sofort sagen. Das denke ich heute nicht mehr. Die schönen Frauen denken nämlich über ihre Männerbekanntschaften wahrscheinlich ganz anders, als ich mir das vorstelle. Ich denke: ‚Sind wir jetzt zusammen, oder was?!‘ Die schöne Frau denkt: ‚So ein schöner Abend!‘ Also vielleicht denkt sie das oder etwas vergleichbares. Ich weiß es bis heute nicht. Ich weiß nur, dass die Wahrscheinlichkeit von Folgeverabredungen rapide sinkt, wenn ich offen und rückhaltlos mein Herz ausschütte.  Während des Studiums bekam ich so eine Verabredung mit einer schönen Frau. Wir saßen in einer angesagten Kneipe …

Abschied

„Der Abschied ist gekommen, Ich glaub‘, ich füg‘ mich niemals drein, Dabei hab ich ihm lang schon entgegengeseh‘n.“ Eigentlich hatte ich ja gedacht, so etwas passiert mir nicht mehr. Nie mehr wollte ich mich noch einmal so von einem Menschen berühren lassen, dass es irgendwann anfängt, wehzutun. Ich wollte dies schon schaffen, indem ich unter den Menschen lebte, sie nicht etwa floh oder hasste, sondern indem ich sie liebte. Aber so, dass ich jeden einzelnen von ihnen auch jederzeit wieder loslassen könnte, ohne zu trauern. „Nur so, wie man sich etwa in einen irdenen Krug oder in ein Kelchglas oder in ein Ding von dieser Art verliebt, damit du, wenn es zerbricht, dich seiner Beschaffenheit leicht entsinnst und ruhigen Gemüts bleibst.“ (Epiktet) Aber nun ist es doch anders gekommen.  „Ich hab‘ nie Abschied genommen, Ohne zerrissen zu sein, Und einmal mehr wünschte ich jetzt, die Zeit bliebe steh‘n!“ Es war am Rande einer Tagung in Hogwarts. Wir saßen abends noch im Drei Besen auf ein Butterbie…

Nach fest kommt lose

Die von Alfred Wegener entdeckte Kontinentaldrift ist ein sehr schönes Bild für die Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung von menschlichen Beziehungen. Menschen sind nun mal keine Pinguine. Obwohl es sie mit aller Macht zueinander zieht, streben sie doch auseinander. Aber gerade dieses Auseinanderstreben bringt sie schließlich und endlich wieder zusammen. Der Superkontinent Pangäa existierte einhundertundfünfzig Millionen Jahre lang. Das ist eine lange Zeit. Aber schon eine ganze Weile brodelte es unter der Oberfläche und schließlich brach das ganze Riesending wieder auseinander. Von dieser Zeit an strebten die einzelnen Teile auseinander. Aber irgendwo stießen sie wieder zusammen und es gab ganz neue Verbindungen. Zum Beispiel krachte die adriatische Platte gegen das südliche Europa und bildete die Alpen. Der Aufprall ist immer noch im Gange und darum sind die Alpen noch lange nicht ausgewachsen. Mit dem Himalaya ist es genauso. Irgendwann werden sich auch Afrika und Südamerika wieder…

Für immer

Einmal saß ich während einer Weiterbildung neben einer attraktiven Kollegin. Ich konnte gar nicht zuhören, weil ich damit beschäftigt war, mir vorzustellen wie ich mich herauswinde, wenn sie mich hinterher fragt, ob wir noch was trinken gehen. Sie hat selbstverständlich nicht gefragt. Ein anderes Mal erwischte ich mich dabei, wie ich sehr lange darüber nachdachte, wie ich verhindern könnte, dass eine junge Frau, die ich gerade kennengelernt hatte, bei mir einzieht. Sie kam nicht ein einziges Mal auch nur in die Nähe meiner Wohnung. Heute passiert mir so etwas nicht mehr. Vielleicht, weil ich gelernt habe, dass attraktive Frauen niemals über Männer herfallen und sie an den Haaren irgendwohin zerren. Trotzdem wüsste ich gern, wo diese Angst vor der Nähe herkam, die völlig unrealistisch war und die mich soviel Energie gekostet hat. Ich glaube, die zweite Angst hat etwas mit dem Zustand meiner Behausung zu tun. Er entspricht einfach nicht den geltenden Standards. Ich kriege das auch nicht …

Mein leises Lied

Ich bin nicht sicher, ob es in Ordnung geht, dass die Vereinigten Staaten von Amerika von einem Hirn regiert werden. Und wenn es auch das Hirn von Trump ist. Es ist trotzdem ein Hirn. Wurden die Wähler hinters Licht geführt? Oder wussten sie, dass sie eigentlich ein Hirn gewählt haben? Wie wäre das eigentlich in Deutschland? Zum Glück wählen wir ja hier unseren Regierungschef nicht selbst. Da müssen sich also die Abgeordneten mit herumschlagen. Aber wenn die herausbekämen, dass sie derartig hinters Licht geführt wurden-na dann Prost Malzeit! Aber das wurden sie ja nicht. Merkel ist immer noch Merkel, wobei ich schon denke, dass sie ganz schön schlau ist. Leider hilft uns das in Augenblick auch nicht weiter, denn die Dummheit ist ausgebrochen. Sie fängt an, das Land auszufüllen. Sie beginnt freilich in den Köpfen, aber dort bleibt sie nicht. Sie breitet sich erst langsam aus und dann immer schneller. Alles Bunte und Farbige wird grau. Und jeden Tag wird das Land ein bisschen grauer und…

Das Schlimmste, was passieren kann

Ich habe einen Timer installiert, mit dem ich meine Arbeitszeit überwachen kann. Ich hätte nicht gedacht, dass das mal notwendig werden könnte. Es ist auch nicht notwendig geworden, aber es macht Spaß. Ich vergesse nämlich immer, den Timer einzuschalten. Dann sieht es am Ende des Tages so aus, als ob ich überhaupt nicht gearbeitet hätte. Ein freier Tag also. Darüber freue ich mich dann sehr. Wenn alle Menschen solche Timer hätten, gäbe es wahrscheinlich viel mehr Freude an der Arbeit. Bisher bin ich noch nicht auf die Idee gekommen zu messen, wie lange ich am Tag mit Schreiben beschäftigt bin. Das ist auch schwierig. Wann ich nur messe, wie lange ich tatsächlich schreibe, werden nur ein paar Minuten zusammenkommen. Die meiste Zeit schreibe ich ja nicht, sondern gucke in die Luft, aus dem Fenster oder schlafe. Es ist ein wunderbare Beschäftigung, die ich nur für die Notdurft und zur Zubereitung von Malzeiten unterbreche. Meine Lieblingsposition ist die Rückenlage auf dem Bett. Mein Vor…

Singen kann jeder

Die natürliche Körperform des Mannes gleicht eher einem b. Die gesellschaftliche Idealisierung will uns stattdessen ein i vormachen. Ich erkenne den Fehler, wenn ich an einem Spiegel vorbeigehe und mein Profil aus den Augenwinkel wahrnehme. Es ist ein b. Man erkennt es auch, wenn man sich Darstellungen von Australopithecinen anschaut. Ich kann mir gar nicht erklären, wie es zum i gekommen ist. Vielleicht von „idealisieren" . Nun zeichnen sich Idealisierungen vor allem dadurch aus, dass es sie gar nicht gibt. Im Grunde genommen sind es Vereinfachungen, Weglassungen. Leider wird bei Idealisierung oft auch Wesentliches weggelassen. Es ist ein dummer Reflex, einem Ideal entsprechen zu wollen, denn es ist nicht möglich und es verursacht Kosten. Im konkreten Fall kostet es Energie, die kleidsame Ausstülpung am unteren Körperende nach innen zu ziehen und dann so zu verharren. Eine schier übermenschliche Anstrengung, die auch nicht gesundheitsfördernd sein kann.  Darüber hinaus ist es auc…

Aschenputtel

Bild
Ich fragte: "Was kommt eigentlich nach dem Sommer?" und fand mich ziemlich schlau. Die Antwort lautete: "Rotkäppchen.“ Ich lächelte nachsichtig und fragte jemand anderen: „Nein. Was kommt nach dem Sommer?" Antwort: „Aschenputtel!“ Nun kann man freilich immer weiter widersprechen: „Nein,nein, nein, nein, nein." Mit immer mehr Nachdruck. So etwas kann einem immer wieder passieren, wenn man sich dumm stellt. Wenn man etwas weiß, dann soll man es eben einfach sagen und nicht scheinheilig danach fragen! Natürlich wollte ich „Herbst" hören, um dann von den bunten Wäldern singen zu können. Aber soweit ist es ja noch lange nicht. Es ist ja noch Sommer. Ich bin mal gefragt worden, warum einen der Sommer eigentlich immer so traurig macht. Es liegt daran, dass wir im Sommer immer weiter in die Dunkelheit hinein fliegen. Erst Ende Dezember fliegen wir wieder in das Licht. Vorher wird es einfach nur dunkler und dunkler. Dass das so ist, verdanken wir der Neigung der Er…

The Brain

Bild

Musik!

Ich und Musik! Das wir beide mal zusammenkommen, war nicht abzusehen. Ich hatte zwar nie Schwierigkeiten mit dem Singen, aber das war es dann auch schon. Alles andere betreffend war ich vollständig „unmusikalisch“. Falls es so etwas überhaupt gibt. Ich hörte mir keine Musik an und Discoveranstaltungen waren, solange es noch keinen Alkohol gab, eine Quälerei. Die Hitparade im ZDF und disco sah ich mir allerdings an. Schallplatten mit Musik hatte ich nicht und natürlich auch keine Kassetten. Auf Klassenfahrten hatten andere Jungs schon längst immer ein Köfferchen mit Kassetten dabei. Ich staunte. Oder ich staunte nicht. Ich weiß es nicht mehr. Simone brachte die ersten Schallplatten mit. Konstantin Wecker mit dem „Willi“ und Hermann van Veen mit dem „Kinderrad“. Und Gerhard Schöne. Der sang auf irgendeiner Platte vom Messias und vom „Großen Halleluja“. Irgendwann hatte ich dann auch so eine Platte. Bei Witti bekam ich dann gratis richtigen Unterricht. Der hatte ein Zimmer, das mit Schal…

Die Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr im ländlichen Sozialraum

Ich habe eine ausgesprochen unterhaltsame Weiterbildung besucht. Der Dozent war Professor und Entertainer. Wahrscheinlich hätte er auch singen und tanzen können, sah aber aus Zeitgründen davon ab. Er hat mein Leben verändert. Unter anderem konnte er sehr anschaulich darstellen, wie sich die Vernachlässigung der Zahnpflege auf das Leben eines Menschen auswirkt. Karies wäre gar nicht das Problem, das dauere mindestens sechs Monate. Viel gefährlicher wäre die Aphtenbildung. Aphten im Mund seien ausgesprochen schmerzhaft. Ich verstand „Aften“ und wusste sofort, dass ich so etwas nicht im Mund haben wollte. Dann machte der Professor klar, dass das Kauen auf einer Seite durch die Aphten sehr schmerzhaft werden könnte. Wenn man dann nur noch auf der anderen Seite kaue, würde sich die Struktur des Kiefermuskels verändern. Die Kau-Seite würde hypertroph, die andere hypotroph. Erst bekäme man zusätzlich Kopfschmerzen, dann würde der Kopf auf der Kau-Seite größer und schwerer, was schließlich zu…

Vor dem Alltag

Mein Klamottenabo hat sich wieder gemeldet. Ich dachte ja, ich hätte sie jetzt erfolgreich abgewehrt: Emails habe ich nicht beantwortet und am Telefon habe ich sie angeschrieen. Jetzt kam aber eine neue Email: In zwei Wochen schicken sie meine neue Box. Was drin ist, würde ich schon sehen. Aus der Nummer komme ich jedenfalls nicht mehr raus. Das ist auch der Grund, aus dem ich in diesem Jahr nicht mehr in den Urlaub fahren kann. Ich werde das Geld brauchen, um die Rechnung für die neuen Klamotten zu begleichen. Irgendwie bin ich aber auch froh. Von Kleidung hat man nun mal länger was, als vom Urlaub auf den Inseln am rechten Rand von Deutschland. Vielleicht kaufe ich mir sogar noch einen Kleiderschrank. Als ich neulich mal erwähnte, dass ich keinen habe, kam die Frage, wo ich denn meine Sachen lassen würde. Antwort: Na, die habe ich an!

Aber Schwamm beiseite. Ich fahre wirklich nicht in den Urlaub, weil ich ja schon im Urlaub bin. Es ist eine Frage der Einstellung. Wenn man sich vors…

Verteilt Ohrenschützer!

Wenn es nicht so schlimm wäre, wäre es zum totlachen: Die Bahn will die Trinker mit Musik verjagen. Das geschieht ihnen ganz recht. Warum trinken sie auch so viel? Müssten sie ja nicht. Jetzt geht es ihnen an den Kragen. Sie werden mit Musik beschallt. Als ob das noch nicht reichen würde, um diesen grottigen Trinkern den Garaus zu machen, soll es auch noch atonale Musik sein. Atonale Musik!! Die spielt wahrscheinlich im Ultraschallbereich. Trinker können Ultraschall wahrnehmen und leiden beim Abspielen wie Hunde bei einer Feuerwehrsirene. Sie müssen sich dann mit beiden Händen die Ohren zuhalten. Dann können sie natürlich nicht mehr trinken, denn dazu brauchen sie mindestens eine Hand. Nähmen sie die vom Ohr weg, hörten sie den schrecklichen Lärm und müssten sofort wieder zuhalten, wollten sie nicht unter schrecklichen Qualen elendiglich verenden. Soweit der Plan der Bahn. Wer denkt sich sowas aus?

Allerdings weiß jedes Kind, das Harry Potter und die Kammer des Schreckens gelesen ha…

Nach dem Wochenende

Ich bin vor einiger Zeit gefragt worden, ob mir meine Arbeit Spaß mache. Das war mir ein Anlass, mich mit dieser Frage zu beschäftigen. Von selbst wäre ich nicht darauf gekommen. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Ich gehe doch nicht zum Spaß arbeiten! Beim Arbeiten geht es in erster Linie um Geld und beim Geld hören Spaß und Freundschaft auf. Vielleicht ist es ja erhellend, dass das sich das deutsche Wort Spaß vom italienischen spasso ableitet, das wiederum Zerstreuung, Zeitvertreib, Vergnügen bedeutet. Wenn das der eigentliche Zweck der Arbeit sein sollte, dann haben wir es mit dem Spaß übertrieben. Dann ist daraus jetzt etwas geworden, das seinerseits wieder nach Zerstreuung und Vergnügen verlangt. Etwas, das einen ganzen Tag dauert, die ganze Woche beansprucht und das Denken und Träumen bestimmt, kann kein Spaß mehr sein!
Aber das muss es auch nicht. Die Frage, ob denn die Arbeit Spaß mache, kann sich eigentlich nur ein Kind der Spaßgesellschaft ausdenken. Auf der verzwei…

Nonsens

Irgendwo muss ich noch das Nonstop-Nonsens-Buch haben. Ein kleines Buch mit Sketchen von Dieter Hallervorden. Seltsamerweise ist ausgerechnet dieses Buch irgendwie über die deutsch-deutsche Grenze gekommen, als sie noch aus Eisen und Beton war. Ich kann nicht mehr sagen, ob ich von diesem Buch irgendwelchen nennenswerten Gebrauch gemacht habe. Ich glaube, ich hatte Schwierigkeiten, die gelesenen Sketche lustig zu finden, aber das weiß ich nicht mehr. Es gab in meiner Umgebung wahrscheinlich auch niemanden, mit dem ich sie hätte aufführen können. Wie dem auch sei, das Buch ist jedenfalls noch da, aber ich werde die Sketche wohl trotzdem nicht aufführen, obwohl ich heute vielleicht schon Spielpartner finden würde. Ich glaube, meine Vorstellung von Humor hat sich inzwischen ein bisschen verändert.  Es ist aber immer noch Nonsens. Vor ein paar Tagen war ich Beikoch in einer Kochshow. Es gab „Überraschungsauflauf mit Sommergemüse“. Das Sommergemüse bestand unter anderem aus Brokoli und Blum…

Alles wieder gut

Meine Toleranz gegenüber Insekten im Allgemeinen und Fliegen im Besonderen hat in den letzten Wochen stark abgenommen. Allerdings muss ich feststellen, dass ich eher die Qualitäten eines Fluchttieres als die eines Jägers besitze. Insofern scheint es bei mir schon eine genetische Veränderung zu mehr Friedfertigkeit zu geben. Meine Aggressionsbereitschaft scheint eher kulturell bedingt zu sein. Darum lachen mich die Fliegen auch aus. Im klebrigen Fliegenfänger verfange ich mich nur selbst. Eine Fliege ist dort noch nicht gelandet. Daraufhin habe ich meine alte Fliegenklatsche wieder aktiviert. Sie ist inzwischen so alt, dass bei jedem Zuhauen ein Stück vom Griff absplittert. Dass die Fliegen trotzdem den Tod finden, liegt daran, dass sie vor lauter Lachen nicht aufpassen wohin sie fliegen und im Bierglas landen, worin sie dann ertrinken. (An diesem Beispiel kann man auch sehr schön den Unterschied zwischen „effektiv“ und „effizient“ verdeutlichen: Effektiv ist meine Methode schon, weil …