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Treue, Leid und Trauer

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Man lernt nie aus. Vor ein paar Wochen erst habe ich erfahren, wie die erste Strophe von Jetzt fahr‘n wir über‘n See wirklich geht; nämlich so:

Jetzt fahr‘n wir über‘n See, über‘n See
Jetzt fahr‘n wir über‘n See.

Soweit, so gut. Bis hierher ist noch alles klar, es gibt keine Überraschungen. So kennen und lieben wir das Lied.
Mit einer hölzern Wurzel. Wurzel, Wurzel, Wurzel. Mit einer hölzern Wurzel - Hier müssen wir noch mal kurz innehalten. Man findet schon in diesem alten Lied Muster, die auch noch in modernen Popsongs erfolgreich sind: die dreimalige Wiederholung des Wortes, mit dem die vorangegangene Zeile endet. Vergleiche: Hölle, Hölle, Hölle. Zurecht erwartet man danach irgendeine Offenbarung. Und jetzt kommt sie: Ein Ruder war nicht dran. Was soll das denn? Was für ein Ruder überhaupt? Ist das Steuerruder gemeint oder die Riemen eines Ruderbootes? Ist denn ein Segel dran? Ganz offensichtlich handelt es sich bei dieser vollkommen unverständlichen Textzeile um einen klassischen Verhörer…

Es bleibt anders

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Einer meiner Lieblings-Gespielten-Witze geht so: Ich nehme zwei Stapel Spielkarten und haue sie dermaßen ungeschickt zusammen, dass sie nach allen Richtungen auseinander fliegen. Dann frage ich: „Welcher Filmtitel ist das?“ Antwort: „Mischen: Impossible.“ Genauer gesagt handelt es sich schon um M:I 2, weil ich ja mit zwei Kartenstapeln gearbeitet habe. Das konnte man bis vorige Woche mit bis zu fünf Kartenstapeln variieren. Seit dieser Woche gibt es sechs M:I Filme mit Tom Cruise. In der Zeitung steht eine Meldung über die Premiere, in der hervorgehoben wird, dass dessen Haar immer noch voll sei und auch seine Zähne blendend weiß strahlten. Und das trotz seiner 56 Jahre! Am Schluss heißt es: „Ein wahrer Filmheld wird eben niemals alt.“ Als ob man das Alt-Sein am vollen Haar oder an den weißen Zähnen ablesen könnte. Alt ist man dann, wenn man nichts Neues mehr erleben kann. Wenn es nichts Aufregendes mehr gibt, man keine Überraschungen mehr erlebt und wenn man nur noch lang vergangene…

Wenn der Wind weht

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Was der Wind tut

Was für ein verregneter Sommer! Das Kind aus dem Haus gegenüber guckt ein bisschen ratlos durch das Küchenfenster. Es sind Ferien und es regnet Bindfäden. Was soll man da machen? Ich kann leider auch durch angestrengtes Nachdenken nicht herausfinden, was ich in meinen verregneten Sommerferien gemacht habe. Natürlich waren wir im Ferienlager, das waren drei Wochen. Dann noch zwei Wochen mit den Eltern. Blieben noch drei Wochen, die ich mir irgendwie vertrieben haben muss. Das Fernsehprogramm war damals überschaubar. Samstag Mittag kam eine Programmvorschau für die ganze Woche. Das waren Bildschirmseiten, die durch den Fernseher scrollten (das Wort gab es noch gar nicht). Man musste sie abschreiben, was zu meinen Aufgaben gehörte. Natürlich auch in den Ferien. Dann gab es noch Ferienspiele. Dazu ging man in die Schule und wurde dort irgendwie beschäftigt. Es gab ein Heft mit Coupons für Bastelvormittage, Kinonachmittage und Wandertage. In den Ferien in die Schule zu gehen, war aber sch…

Hände falten

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Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein paar Regentropfen heilen keine Trockenheit, wie wir sie bis jetzt hatten. Aber immerhin. Der geschundene Boden sah ein bisschen erholter aus, nach der letzten Nacht. Manchmal kommt es mir auch so vor, als wenn das Schicksal der Welt doch ganz woanders entschieden wird. Vielleicht hängt es ja doch davon ab, ob ein paar Kinder aus einer Höhle gerettet werden können. Und wir sitzen hier und können einfach gar nichts machen. Jedenfalls nicht mehr, als die buddhistischen Nonnen, die in der Nähe der Höhle waren und beteten. Aber vielleicht kommt es ja gerade darauf an. Und jetzt ist es in der Tat gut ausgegangen und es fühlt sich ein bisschen so an, als ob die Welt wieder ein bisschen runder läuft. Ständig sind irgendwo Kinder in Not und selten findet ihre Not so viel Aufmerksamkeit. Wenn es aber nur ein paar Menschen gäbe, die ihre spirituelle Kraft für sie einsetzen würden, wäre die Welt schon ein bisschen besser, glaube ich.

Um die Kinder da…

Auslegen ab 30

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Ich habe mich in meinem kleinen Schreibhäuschen verbarrikadiert und warte. Meine Gemächer befinden sich im oberen Stockwerk. Ich habe Lebensmittel für einige Tage. Es kann also losgehen. An den Fenstern habe ich Beobachtungsposten eingerichtet. Ich will auf keinen Fall verpassen, wenn es gleich stundenlang regnet. Wenn es pladdert, dass die Dachrinnen überlaufen, wenn sich mein Balkon in ein flaches Bassin verwandelt, von dem Wasserfälle hinunterstürzen. Der letzte Regen, den ich miterlebt habe war, glaube ich, vor... vor... vor genau einem Jahr. Ich weiß noch, dass es so heftig und langanhaltend geregnet hat, dass mir die Fleißigen Lieschen auf dem Balkon ersoffen sind. In dieser Hinsicht kann auch nichts mehr schief gehen. 
Jetzt warte ich schon eine ganze Weile und es regnet nicht. Kein Tropfen. Es muss aber regnen, weil sonst alles vertrocknet. Der Gastwirt hat am Wochenende erzählt, dass er die Pfifferlinge aus Litauen geholt hat. So ein Quatsch! Dann soll es eben keine Pfifferl…

Nette Begleitung

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Im Biesenthaler Kulturbahnhof findet am kommenden Samstag ein Konzert statt, bei dem neun Liedermacherinnen und Liedermacher auftreten. Glücklicherweise habe ich am Samstag etwas Besseres vor. Ich schreibe „glücklicherweise“, weil mein Vorhaben für mich wirklich etwas viel Besseres ist, als ein Konzert zu besuchen, nicht, weil ich deswegen nicht zum Konzert gehen muss, was man ja sowieso auf gar keinen Fall muss. Ich hatte mal eine Brieffreundin, die schrieb immer, dass man überhaupt nichts muss. Sie war fast vollständig aus meinem Leben verschwunden und tauchte vor ein paar Tagen aus dem Nichts wieder auf. Ich fand das sehr schön, war mir aber kurz nicht ganz sicher, ob sie es wirklich war, die mir da schrieb. Vielleicht war es mein eigenes Unbewusstes oder ein Bot? Oder beides? Aber dann schrieb sie das mit dem ‚müssen‘ und ich war mir wieder sicher, dass sie es war. Obwohl es auch das Unbewusste gewesen sein könnte. Aber wie sollte ich das fertigbringen? Mir selbst unbewusst etwas…

200 Stunden

Ich musste mir auf einem S-Bahnhof eine Weile die Zeit vertreiben, weil ein Zug ausgefallen war. Das kommt in diesem Land schon mal vor, kein Grund zur Aufregung. Da ich das weiß, gehe ich mindestens einen Zug früher zum Bahnhof. Bei der Deutschen Reichsbahn hatte ich mal einen Kollegen, der sagte immer: „Wer reist, hat Zeit.“ Stimmt ja auch irgendwie. Leider ist Zeit zu haben nicht mit sozialer Anerkennung verbunden. Wer Zeit hat, hat sie wahrscheinlich irgendjemandem gestohlen. Tagediebe stehlen sogar ganze Tage. Besonders auf Arbeit wird man sehr scheel angeguckt, wenn man Zeit hat. Ich sage immer: Ich habe die Zeit abonniert! Obwohl das auch nicht mehr stimmt. Aber zurück zum S-Bahnhof. Es herrschte eine friedliche Sommernachmittagsstimmung, in der mir ein Mann auffiel der sehr lange telefonierte. Er sprach ein sehr breites Wienerisch. Da ich nun zwanzig Minuten warten musste, fiel mir auf, dass der Mann zwanzig Minuten telefonierte. Ich konnte mir gar nicht denken, was man solan…

Immer näher

Die Pyramiden sind ein großes Rätsel. Wer hat sie gebaut und wie? Und vor allem warum? Keiner weiß was, nirgendwo steht was. Nur die Pyramiden sind da. Wie sich jetzt herausgestellt hat, sind sie aber hohl. Jedenfalls hohler, als man gedacht hat. Was hat das alles nur zu bedeuten? Ich habe jetzt durch jahrelanges Nachdenken herausgefunden, was es mit den Pyramiden auf sich hat. Es ist gar nicht so spektakulär und es hat auch nicht richtig funktioniert. Es war nämlich so: Vor sehr langer Zeit waren die Menschen auch schon ganz schön schlau. Sie sind eigentlich in der Zeit, in der sie in Zivilisationen und Kulturen leben überhaupt nicht schlauer geworden. Das Gegenteil ist viel wahrscheinlicher. Wie dem auch sei, jedenfalls hatten die Menschen auch vor 10.000 Jahren schon eine Idee davon, dass sie auf einem kugeligen Planeten herumkriechen, der seine Energie von einem eher mittelgroßen Stern bekommt. Es ist nur die Frage, wie verbreitet diese Ideen waren. Man war vielleicht eher knause…

Plattmacher

Früher habe ich alles Mögliche unternommen, um die Fliegen aus meiner Wohnung auszusperren und fernzuhalten. Ich hatte Netze vor den Fenstern und Säcke vor den Türen. Die Fliegen kamen trotzdem rein. Ich war ständig auf der Jagd und vor allem konnten die Fliegen nicht mehr lebend hinaus. Nur als Fliegenleiche konnten sie die Wohnung wieder verlassen. Das macht etwas mit einem. Man findet so leicht keinen Frieden mehr. Heute lebe ich mit meinen Stubenfliegen in friedlicher Hausgemeinschaft. Auch Fliegen haben einen Rhythmus. Abends sind sie ziemlich zeitig verschwunden. Dafür sind sie morgens früh wach. Sie kommen an mein Bett, fliegen mir um den Kopf herum und tun so, als würden sie sich in meinem Haar verfangen. Es hilft dann nichts: ich muss aufstehen. Dann ist es auch wieder gut. Sie sind viel bessere Haustiere als Katzen. Ich muss sie nicht füttern, ich brauche sie nicht raus- oder reinlassen und sie machen keinen Dreck. Wenn ich ihnen tief in die Facettenaugen schaue, kann ich f…

Vorzeichen des Untergangs

Manchmal sieht es aber auch wesentlich schlimmer aus, als es wirklich ist. Wenn man erstmal das ganze Blut abgewischt hat, ist doch nur eine kleine Schramme am Knie. Aber man hat schon ganz schön geschrien. „Das ist nur der Schreck“ haben sie dann gesagt. Und: „Bis zur Hochzeit ist alles wieder gut.“ Das stimmte auf jeden Fall. Die eigene Hochzeit war mir etwas dermaßen Unvorstellbares, dass ich mir keine Verletzung denken konnte, die nicht bis dahin wieder gut würde. Irgendwann während meiner ersten fünf Schuljahre traf ich mich mit einem Mädchen aus meiner Klasse, die im ersten der drei Hochhäuser eine Großmutter hatte. Wenn sie mich dorthin mitnahm, konnte ich Fahrstuhl fahren. Allein kam ich in das Haus gar nicht hinein. Ich dachte, sie sei meine Freundin. Aber wenn es ums Heiraten ging, wurde sie immer sehr abweisend. Sie wollte einfach nicht darüber sprechen. Danach traf ich lange Zeit kein Mädchen mehr, mit dem ich auch nur gedanklich in die Nähe dieses Themas gekommen wäre. A…

Entscheide dich

Jetzt sind also die Sonnenblumen doch noch vor Horst Seehofer eingeknickt, was eigentlich sehr schade ist. Einen Horst Seehofer kann man sich schließlich nicht so schön auf den Balkon stellen. Obwohl ich gern mal sehen möchte, was er bei dieser Dürre auf meinem Balkon für eine Figur machen würde. Ich hatte gestern meine Mütze vergessen und musste nur fünf Minuten in der Sonne auf den Bus warten. Trotzdem habe jetzt eine rote Birne. Aber nicht nur wegen der Sonne. Es ist ja auch schon alles ein bisschen peinlich. Es kann nicht mehr lange dauern, bis auch in Europa einer kommt und Zuspruch findet, der verspricht, eine Mauer zu bauen. Eine Mauer gegen das Leid, gegen die Not und gegen die Menschen, die davor auf er Flucht sind. Wir haben schließlich unseren Wohlstand und den wollen wir gefälligst behalten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zum europäischen Wohlstand so gut wie nichts beigetragen habe. Wirklich nicht. Trotzdem kann ich daran teilhaben, vielleicht, weil meine …

Vielleicht

Gestern musste ich mit einem Rezept in die Apotheke. Es war sehr voll, alle drei Kassen waren besetzt. Ich stellte mich an der Distanz-Wartelinie auf. Dann schwebte ein Wesen herein, offenbar war es die Apotheken-Prinzessin. Sie lächelte mich an -mich!- und obwohl eine andere Kundin vor mir stand, rief sie mich heran. Ich stolperte nach vorne und gab mein Rezept ab. Sie schwebte wieder fort, kam zurück und gab mir lächelnd meine Tabletten. Dann fragte sie: „Möchten Sie auch mal am Glücksrad drehen?“ Na und ob ich das wollte! Wahrscheinlich bekam ich glasige Augen. Gleich würde sie mir ihr Glücksrad entgegenstrecken. Aber sie zeigte nur hinter mich, wo tatsächlich ein stinknormales Glücksrad stand und sagte: „Wir haben heute Apothekengeburtstag.“ „Herzlichen Glückwunsch“ stieß ich hervor und verließ eilig und schwer atmend das Geschäft. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich verpasst habe. Was hätte man denn am Glücksrad gewinnen können? Ein Jahresabonnement der Apotheken-Rundschau? …

Ärgern ist schön

Herrje, bis alles so richtig passt, ist das Wochenende auch wieder vorbei. Ich versuche gerade zwei Sonnenschirme auf meinem Balkon so zu platzieren, dass sie einerseits ausreichend Sonnenschutz und andererseits perfekten Sichtschutz bieten. Wobei das Letztere Priorität hat. In der Sonne kann ich es auch ungeschützt eine Weile aushalten. Fremden Blicken kann ich keine fünf Minuten standhalten. In einer S-Bahn, in der alle auf ihre Handys starren, bin ich gut aufgehoben. In einem Bus, in dem mich alle beim Einsteigen freundlich anschauen (und vielleicht noch unter Nennung meines Namens grüßen), bekomme ich starre Pupillen und schmale Lippen. Aber zurück zum Balkon, über dem sich die Sonne inzwischen hinter dicke Wolken verzogen hat. Die Szene erinnert mich an ein Erlebnis aus dem Urlaub. Wir waren auf Kreta in Loutro und ich wollte auf der Terrasse sitzen und ein wenig lesen. Ich kämpfte lange mit dem Sonnenschirm und musste ihn schließlich wegen zu starken Windes einklappen. Die Sonn…

Die Gegenwart

Auf meinem täglichen Fußweg zur Arbeit komme ich an verschiedenen Grundstücken vorbei, die von Hunden bewacht werden. Einer von ihnen hat mir immer besondere Angst eingejagt. Er ist schwarz, ziemlich groß und klingt mächtig gefährlich. Wenn ich vorbeigehe kommt er an den Zaun gejagt und verbreitet dort Angst und Schrecken. Ich dachte immer: hoffentlich ist das Gartentor gut verschlossen. Vorgestern war das einmal nicht der Fall. Das Tor stand offen und irgendwelche Leute beluden ein Auto. Noch ehe ich auch nur daran denken konnte, kam der Hund heraus. Er sprang auf mich zu, machte einen Höllenlärm - aber er kam nicht an mich heran. Ich ging einfach weiter und mir passierte nichts. Der Satz „Hunde, die bellen, beißen nicht“ stimmt nur insofern, als dass sie eben nicht gleichzeitig bellen und zubeißen können. Ich glaube aber, ein Hund nimmt das ohne Weiteres in Kauf. Er knurrt dann eben.

Ich dachte: Was wenn mir der Höllenhund die linke Hand abgebissen hätte? Es hat nicht viel dazu ge…

Sommerpause

Ich esse seit ein paar Wochen nur noch Salatherzen und Schafskäse. Manchmal auch nur Schafskäse. Öfter eigentlich. Dann aber mit Zwiebeln. Ich wollte damit mein Gewissen rein waschen, denn die Schweineesserei hat mir schon sehr zugesetzt. (Die Doppeldeutigkeit des letzten Satzteiles hat durchaus seine Berechtigung.) Nun muss ich mich aber fragen lassen, ob ich schon mal gesehen habe, wie dem Salat bei lebendigen Leibe das Herz herausgeschnitten wird? Oder ob ich weiß, wie viele Schafe man eigentlich braucht, um aus ihnen einen einzigen Schafskäse herzustellen? Natürlich habe ich mir darum wieder einmal überhaupt keine Gedanken gemacht. Egal. Mit dem guten Gewissen ist es jedenfalls wieder Essig. Eigentlich schließt die Nahrungsaufnahme das gute Gewissen sogar aus. Man kann sich nun mal nicht mit gutem Gewissen etwas einverleiben, was auch immer es sei. Bestenfalls hat man gar kein Gewissen und „gut“ ist alles, was einem selbst nützt. 
Aber ich will nicht ablenken. Wenn nämlich irgend…

Als ob man lächelt

Das Leben ist kein Fußballspiel. Hollahi, hollaho. Wer viel spielt, verliert auch viel. Hollahihaho. Und wenn du mal verloren hast, hollahi, hollaho, hat es eben nicht gepasst. Hollahihaho. So geht bekanntermaßen die elfte Strophe eines deutschen Volksliedes. Wenn Fußi zu irgendwas gut sein kann, dann doch wohl dazu, den Umgang mit Niederlagen schon früh einzuüben. Wenn man hinfällt, steht man eben wieder auf. Dieser Gedanke scheint aber noch nicht im ganzen Land verbreitet zu sein. Dass die deutsche Mannschaft jetzt nach Hause fahren muss, ist doch auch seltsam. Sie könnten schließlich auch da bleiben und jetzt mal ganz entspannt im Stadion Fußball gucken. Das scheint aber im Prozedere nicht vorgesehen zu sein. Seit meinem elften Lebensjahr bin ich an den Wochenenden der Saison zu Reitturnieren gefahren. Erst als Voltigierkind, dann als Spring- und Dressurreiter. Voltigieren war ein Mannschaftssport, da gab es immer Schleifen und Medaillen. Sobald ich aber allein antrat, war ich mei…

Es war Liebe

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Kinder, waren wir mal jung! Gerade ist mir ein Bild von meinem ersten Italien-Urlaub in die Hände gefallen. Laut Datumstempel war das im September 1994. Da war ich 27 Jahre alt und bin noch mit meinen Eltern in den Urlaub gefahren. Ich hatte zwar gerade das Studium abgeschlossen, aber der erste Job ging erst im Oktober los und ich hatte keine Kohle. Meine Eltern hatten sich irgend so ein Ferienwohnungsanrecht gekauft und bereisten Europa. Nach Italien nahmen sie mich mit. Als Gegenleistung kaufte ich einen Sprachführer mit Kassette und wollte mich als Dolmetscher nützlich machen. Ich hatte auch schon ein paar Jahre einen Führerschein und bot zusätzlich Fahrdienste an. Mein Vater hatte sich einen neuen Clio gekauft und wollte nach dem ersten Fahrerwechsel dann doch lieber selbst fahren. Ich machte irgendetwas falsch. Die italienischen Sätze, die ich auswendig gelernt hatte, kamen während unseres gesamten Aufenthaltes nicht vor. Dafür sehr viele andere Sätze, die wir aber alle nicht ve…

Wahnsinn

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass sie auf der Internationalen Raumstation keine Küche haben. Wenn ich also nicht völlig daneben liege, müsste es möglich sein, ohne eine Küche längere Zeit zu überleben. Das Hauptproblem mit der Küche ist Unordnung und Verunreinigung. Durch jede Benutzung wird irgendetwas vom Inventar der Küche dermaßen verunreinigt, dass man es erst wieder benutzen kann, nachdem man es gereinigt hat. Wenn man diese Erlebnisspirale einmal durchläuft hat man eigentlich genug von der Küche. Ich brauche das jedenfalls nicht. Selbst das Allereinfachste gerät in der Küche zum Albtraum. Nehmen wir nur ein simples Fertiggericht: Spaghetti mit Tomatensoße. Man benötigt zwei Töpfe unterschiedlicher Größe und einen Durchschlag, um die Nudeln ordentlich abzugießen. Alles muss hinterher aufwändig gereinigt werden. Ich finde das grotesk. 
Oder zumindest übertrieben. Ich besitze ein Topfset, mit dem ich eine sechsköpfige Abendgesellschaft glücklich machen könnte. Zum G…

Zufälle gibt es nicht

„Es zogen auf sonnigen Wegen drei lachende Mädchen vorbei“. Es war mein alter Freund Axel, der vor zwei Jahren die Wandersaison mit dieser Textzeile eröffnete. Er behauptete, sie sei von Eichendorf, aber das lässt sich nicht belegen. Jedenfalls muss ich sagen, dass mir auf meinen durchaus sonnigen Wegen immer wieder lachende Mädchen begegnet sind. Drei waren es auf jeden Fall und Singen hat auch immer eine Rolle gespielt. Leider habe ich selbst immer viel zu laut gesungen, so dass ich sie nie richtig hören konnte. Allerdings habe ich keine von ihnen jemals geküsst und keine von ihnen hat auch nur den Hauch einer Andeutung erkennen lassen, dass ich ihr Alleiniger sein sollte. Ganz im Gegenteil waren sie schon mit einem Sechstel sehr zufrieden und wollten gar kein Drittel, geschweige denn, den ganzen Knaben. Aber vielleicht lag das ja daran, dass ich mich nie für eine entscheiden konnte. 
Und es auch nie wollte. Die exklusive monogame Beziehung ist einfach nichts für mich. Sie mag sehr…

Game over

Ich bin frei! Die Sache zwischen dem Fahrradmann und mir war schneller geklärt, als einer von uns beiden „Mau Mau“ sagen konnte. Er hat mein kaputtes Fahrrad behalten und ich habe dafür kein Geld von ihm bekommen. Obendrauf habe ich ihm noch das Ladegerät für den Akku gepackt, damit er es sich nicht noch anders überlegt. Immerhin hatte ich den Abholschein zu Hause liegen lassen. Er hat es sich nicht nehmen lassen, noch mit einem schier unwiderstehlichen Angebot rüberzukommen: Falls ich doch wieder ein Fahrrad kaufen wollte, solle ich es bei ihm kaufen, dann würde er mir etwas entgegenkommen. Vielleicht bis zum Ostkreuz? Aber egal, die Sache ist ausgestanden. Ich habe kein kaputtes Fahrrad mehr. Glücklicherweise verkehren in diesem Teil der Welt Busse und Bahnen. Allerdings hatten genau zur gleichen Zeit sehr viele Menschen auch auf einmal kein Fahrrad mehr und versuchten, mit dem offenbar einzigen Regio mitzufahren, der an diesem Tag unterwegs war. Das war schon eine Herausforderung, …

Das Ende des Sommers

Es ist ein leider erschreckend weit verbreiteter Irrtum, dass der „Sommer“ etwas mit der „Sonne“ zu tun hätte. Wäre dies der Fall, würde er ja „Sonner“ heißen oder man würde davon sprechen, dass die „Somme“ scheint. Davon kann aber keine Rede sein. Nein der „Sommer“ ist einzig und allein nach dem deutschen Psychotherapeuten und Autor Martin Goldstein benannt, der seit 1969 unter dem Pseudonym „Dr. Sommer“ in der Bravo die Fragen jugendlicher Leser zur Sexualität beantwortete. Sein Geburtstag jährte sich jeweils im Juni, weshalb man dann im Juni eben auch vom „Sommeranfang“ sprach. Der Sommeranfang hat also eher etwas mit dem Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu tun, denn Dr. Sommer stellte zu Beginn der Siebziger fest, dass man vom Masturbieren weder krank, noch schwul, noch unfruchtbar wird. Mit der Ansammlung von Wasser in der Stratosphäre oder der Temperatur der Außenluft hatte das alles wenig zu tun. 
Leider bekamen wir auf der beschützten Seite des…

Links halten

Zurzeit kann ich die Wohnung leider nicht verlassen. Ich habe den Schlüssel draußen stecken gelassen und dann von innen die Tür zugeknallt. An dieser Stelle fällt mir ein Satz aus einer Schulzeugnis-Beurteilung ein: „Er muss es noch lernen, seine Späße im richtigen Moment wirken zu lassen.“ Ich habe nicht nur das noch immer nicht gelernt. Am zweiten Satz habe ich seit Tagen gefeilt und jetzt habe ich ihn einfach so als zweiten Satz rausgehauen. Es ist nicht mal ein Hauptsatz, wie der erste, sonst könnte man wenigstens sagen, es sei der zweite Hauptsatz (von was auch immer). Es kommen sicher Einwände, ich müsste doch nur auf die Türklinke drücken. Aber die Türklinke ist schon vor ein paar Jahren abgebrochen. Ich komme nur mit dem Schlüssel raus und der schließt nicht, wenn auf der anderen Seite ein anderer Schlüssel steckt. Von innen geht auch der Scheckkarten-Trick nicht. Ich hoffe, die Ausweglosigkeit meiner Situation ist hinreichend deutlich geworden. 
Vor ein paar Tagen war ich no…

Neue Blogposts wieder auf Telegram

liedersaenger.de funkt wieder auf Telegram:

https://t.me/gutenachrichten

Schön und lieblich

Der Kuckuck und der Esel, die hatten einen Streit: Wer wohl am Besten sänge, zur schönen Maienzeit. Glücklicherweise müssen wir zur Zeit nicht solche Codes bemühen, um über die Vorgänge in der Regierung zu sprechen. Aber die schöne Maienzeit geht ja nun langsam zu Ende und da dürfen wir nun wirklich gespannt sein, was zum Schluss herauskommt. Klar ist das noch keineswegs, denn jeder beharrt auf seiner Position. Frau Merkel ruft in Berlin mit glockenheller Stimme nach wie vor KUCKUCK - KUCKUCK, während Herr Seehofer in München schon etwas genervt IAHHH - IAHHHH schreit. Es ist eigentlich nicht vorstellbar, dass hier auch mit den besten Mediatoren nur der Zipfel einer Einigung zu fassen wäre. Weder lässt sich denken, das Seehofer auf einmal KUCKUCK ruft, was ihm schon auf Grund seiner anatomischen Gegebenheiten nicht möglich sein dürfte, noch kann man sich ausmalen, dass Merkel auf einmal IAHHH schreit. Obwohl das natürlich eine schöne Überraschung wäre. Andererseits wäre es fatal, wenn…

Wo die schlechte Laune herkommt

Das Fahrrad ist also in den Brunnen gefallen und ich könnte jetzt glücklich und zufrieden sein. Ich bin es aber nicht, sondern beschäftige mich doch mehrmals täglich gedanklich mit dem Fahrrad. Wieso? Ich genieße die jeweils halbstündigen Spaziergänge zur Arbeit und wieder nach Hause. Neulich wurde mir ein Fahrrad zur Nutzung angeboten. Ich habe dankend abgelehnt. Ich brauche kein Fahrrad. Trotzdem muss ich den Fahrradmann anrufen. Aber warum? Wozu? Ich könnte doch froh sein, dass er das Fahrrad hat und nicht ich. Ich bin aber nicht froh, sondern ich gräme mich. Darum, weil mich der Fahrradmann hinters Licht führt. Weil er mich hintergeht und betrügt. Weil er mich heimlich auslacht. Wahrscheinlich tut er das gar nicht. Und wenn doch, was soll‘s? 
Ich habe für das Fahrrad vor fünf Jahren eine Menge Geld bezahlt. Jedenfalls war es für mich eine Menge Geld. Aber was ist Geld? Kann man Geld überhaupt besitzen? Und warum sollte man sich dagegen wehren, hinters Licht geführt zu werden? Wie g…

Neues* vom Fahrrad

Die Luft im Reifen hatte nicht lange durchgehalten. Als nun der Frühling gekommen war, dachte ich, ich könnte es mal wieder versuchen. Diesmal fand ich auch den Dorn, ein neuer Schlauch, alles ging schnell. Dann hatte ich Schwierigkeiten beim Einbau: Das Rad drehte sich nicht mehr. Wie festgeschraubt. Nach einer Stunde und mit furchtbaren Rückenschmerzen hatte ich einen Kompromiss ausgearbeitet: Das Rad drehte sich, dafür hing die Kette durch. Was soll’s. Man kann nicht alles haben. Ich fuhr in die Stadt. Eine Mädchengruppe betrachtete mit wachsender Bewunderung mein schickes Bike. KNALL flog die Kette ab. Mit rotem Kopf beschmierte ich mir die Finger mit schwarzer Kettenschmiere. Ich wollte nur noch fliehen. Auf dem Rückweg sprang die Kette noch drei mal ab, immer dann, wenn es gerade sehr wichtig wurde, cool auszusehen.

Um zu verstehen, warum ich das Fahrrad nicht einfach auf den Schrott werfe, muss man wissen, dass ich es von IHR habe. SIE hat es mir gegeben und sie hat das gleich…

Passt scho‘

Zum Glück ist jetzt Wochenende und wir haben eine kleine Verschnaufpause von den aufregenden Ereignissen auf der politischen Bühne. Obwohl ich ja sagen muss, dass die Bilder diesmal gar nicht zum Text passten. Man hört immer, dass Frau Merkel und Herr Seehofer sehr bitter miteinander streiten. Dann zeigen sie aber Bilder, auf denen die beiden irgendwo herumlümmeln und sich ganz offenbar sehr langweilen. Vielleicht ist da auch etwas durcheinander geraten. Auf jeden Fall werden sie dann aber aus den Nachrichten erfahren haben, dass es eine Krise gibt und dass sie sich mal wieder spinnefeind sind. Während man ja nun bei den Elefanten herausgefunden hat, dass sie nachdenken, während sie scheinbar untätig herumstehen, weiß man beim Horst Seehofer nicht, was er eigentlich macht, wenn er scheinbar gelangweilt herumlümmelt. Es ist ein Rätsel. Man kann ja nun auch nicht einfach sein Gehirn sezieren, um es herauszufinden. Es bleibt nur, weiter herumzuraten. Vielleicht macht er sich auch so sein…

Das kleinere Übel

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In dieser Woche stand in der Zeitung, dass ein junger Mann im thüringischen Sondershausen beim Kirschkernweitspucken vom Balkon gestürzt ist. Er fiel aus dem dritten Stock hinunter und erlitt sehr schwere Verletzungen. Daran sieht man mal wieder, dass Kirschen essen eine sehr gefährliche Sportart ist. Wahrscheinlich kommt daher auch das Sprichwort, mit jemandem sei nicht gut Kirschen essen. Vielleicht, wenn sich der Balkon des Betreffenden in einem der Obergeschosse eines Hauses befindet. Gut Kirschen essen ist nur mit Mietern oder Eigentümern, die im Erdgeschoss wohnen und die eine Terrasse haben. Demnach ist mit mir auch nicht gut Kirschen essen. Offenbar gibt es nun eine Reihe von Menschen, die solcherlei Risiken nicht länger auf sich nehmen wollen und das Kirschkernweitspucken von den Balkonen in ungefährlichere Regionen verlagern. Jedenfalls sah sich ein von mir häufig aufgesuchter Lebensmittelmarkt veranlasst, vor seinen Obstauslagen ein Schild mit der Ermahnung aufzustellen, d…

Königsdisziplin

Es ist noch gar nicht ausgemacht, ob der Gebrauch der Sprache wirklich vorteilhaft ist. Keine nichtmenschliche Lebensform verfügt über sie. Vielleicht hat das ja seinen Grund. Möglicherweise gibt es im ganzen übrigen Universum keine Sprache, weil sie nichts Gewinnbringendes zum Leben beitragen kann. Auch wir fühlen uns immer noch am stärksten von Bildern und Gesten angesprochen. Was können Kim und Trump schon miteinander besprochen haben? Das Wesentliche zwischen den beiden muss nonverbal gelaufen sein. Aber wir haben die Sprache nun mal und darum müssen wir sie auch benutzen. Vielleicht wäre es besser, wir täten es nicht. Ich könnte den ersten Schritt machen und ein Schweigegelübde ablegen. Ab morgen spreche ich nicht mehr. Sage keinen Mucks. Nur noch Gesten. Vielleicht auch Laute. Aber keine Worte. Ob man es schaffen kann, die Sprache auch aus dem Denken zu löschen? Denken ohne Worte? 
Freilich könnte ich dann auch nichts mehr schreiben und ich dürfte eigentlich auch nichts mehr lese…

Das Netz

Elefanten haben die größten Gehirne aller Landlebewesen. So ein Elefantenhirn ist dreimal so groß, wie das eines Menschen. Das ist schon ganz schön riesig, auch, wenn man das Verhältnis zur Körpergröße berücksichtigt. Seit wir das wissen herrscht Sicherheit darüber, dass Elefanten auch denken. Sie denken sogar extrem viel. Wenn sie nicht gerade fressen oder sich fortpflanzen, denken sie. Elefanten stehen oft stundenlang herum und niemand wusste genau, was sie eigentlich dabei machen. Jetzt wissen wir es: Sie denken nach. Mich überrascht das nicht. Nach meiner Überzeugung ist der Geist in der Welt, so, wie zum Beispiel das Licht. Um damit etwas anfangen zu können, braucht man ein bestimmtes Organ. Es geht natürlich auch unterhalb des Organstatus, aber ein extra Organ kann schon mehr herausholen. Das bedeutet, dass Intelligenz eben nichts Individuelles ist, sondern allgemein vorhanden. Das Individuum kann entsprechend seiner Ausstattung und seiner Möglichkeiten daran teilhaben. 
Jetzt fr…

Könnte klappen

Jetzt kam es nochmal in den Nachrichten: die Astronauten, die am Freitag auf der ISS angekommen sind waren zwei Tage nicht auf der Toilette. Ich hatte ja so was geahnt. Sie waren sozusagen mit der S-Bahn unterwegs, da gibt es ja auch keine Toiletten. Sie hätten vielleicht doch lieber den Regio nehmen sollen. Andererseits ist es gut möglich, dass sie sich den Stress mit dem Klo putzen ersparen wollten. Auf Station kriegen sie das noch früh genug. An der Kabinentür hängt dann ein Zettel, jeder ist eine Woche zuständig. In ihrer Sojus-Kapsel sind sie vierunddreißig Mal um die Erde herumgeflogen. Es stimmt wirklich: sie haben nur gepennt und rausgeguckt. Und wenn sie mal mussten, haben sie einfach in ihren Anzug abgedrückt.

Ich wurde während meiner aktiven Dienstzeit in der Volksarmee einmal Zeuge eines vergleichbaren Vorgangs. Wir wohnten ähnlich beengt wie in der Sojus-Kapsel, nur dass wir zu acht waren. Die Wochenenden verbrachten wir auf unseren Betten. Am Tisch konnten zwei Mann sitz…

Zu Fuß gehen

In Wirklichkeit habe ich gar kein Fahrrad. Ich habe auch nie eins gehabt. Meine Eltern waren damals dagegen ein Fahrrad anzuschaffen, weil so viele Unfälle passierten. Die Geschichte mit dem Fahrradmann aus Friedrichshagen habe ich mir ausgedacht. Es ist eine dieser Geschichten, die ich mir so lebendig ausmalen kann, dass sie schließlich wahr werden. Sie geht so weiter, dass der Fahrradmann natürlich auch einen Fahrradverleih betreibt. Mein Fahrrad hat er schon lange repariert, aber er hält mich hin, um es so lange wie möglich verleihen zu können. Das bringt ihm logischerweise viel mehr Geld ein, als so ein lausiger Reparaturauftrag. Das einzige, was ich zur Rettung meines geknechteten Fahrrades jetzt noch unternehmen könnte, wäre, mit gefälschtem Perso, angeklebtem Bart und verstellter Stimme im Fahrradverleih aufzutauchen und so lange Fahrräder auszuleihen, bis ich meins wiederbekomme. Dann nichts wie weg, auf nimmer Wiedersehen. 
Aber das werde ich natürlich nicht machen. Denn es gi…

Griff ins Klo

Mein Pinsel ist mir runter gefallen. Es ist der Pinsel, mit dem ich den Scherkopf des Rasierapparates sauber mache. Jetzt ist dieser blöde Pinsel aber nicht einfach auf die Erde gefallen, sondern genau in die Ritze zwischen Klodeckel und Kloschüssel. Und weg war er. Ich konnte ihn zwar noch sehen, aber war tief gefallen. Mir blieb nichts übrig, als der Griff ins Klo, wenn ich das Teil wiederhaben wollte. Das ist nicht schön. Es ist irgendwie entwürdigend und es fühlt sich auch nicht gut an. Ich versuchte dem Missgefühl durch anschließendes minutenlanges Scheuern mit der Klobürste beizukommen. Also das Klo scheuern, meine ich. Aber man bekommt ja so ein Klobecken irgendwann nicht mehr richtig sauber. Da hilft dann auch keine Chemie mehr. 
Heute (Mittwoch) fliegt Alexander Gerst wieder in den Weltraum. Nach zwei Tagen kommen sie auf der Internationalen Raumstation an. Ich finde das bemerkenswert. Die Station umkreist uns in circa vierhundert Kilometern Höhe. Das ist ungefähr die Entfernu…

Naja

Ich war übrigens auch mal „regular crowd“ in einer Bar. Also nicht Stammgast, aber ich bin ziemlich regelmäßig hingefahren. Die Bar war in Berlin am Alexanderplatz, gleich am S-Bahnhof. Ich war zwar erst so ungefähr 14, aber es gefiel mir dort gut. Vor allem fragte mich keiner, wie alt ich wäre. Ich trank Whisky und lernte Menschen kennen. Ich glaube heute, dass es eine Schwulenbar war, aber für so etwas hatte ich damals überhaupt keine Antennen. Ich ging mal mit einem Mann mit in sein Hotelzimmer, weil er mir etwas zeigen wollte, ich weiß nicht mehr, was. Es ist nichts passiert, er hat mir wirklich nur was gezeigt. Aber als ich (viel später) meiner Mutter mal davon erzählt habe, ist sie nachträglich vor Angst fast wahnsinnig geworden. Aber erstens gehen nicht nur Schwule in Schwulenbars und zweitens sind Schwule normalerweise eben keine Verbrecher. Ach, naja. 
Die Bar war ziemlich klein und natürlich gab es dort keinen Barpianisten. Dieser Zufall war wahrscheinlich ein entscheidende…

Piano Man

Was für ein Wochenende! Ich bin völlig erschöpft. Ich habe das Programm für das Erdbeerfeld gemacht, das war eigentlich anstrengend genug, weil ich so viel lesen musste. Aber dann habe ich am Samstagabend „Piano Man“ von Billy Joel gehört und der Sonntag war gelaufen. Erst musste ich Klavier spielen lernen, um mich zu dem Lied auf dem Piano begleiten zu können, denn man kann „Piano Man“ ja schlecht auf der Gitarre spielen. Als ich gegen Nachmittag merkte, dass aus mir kein Barpianist mehr wird, habe ich angefangen, einen eigenen Text dazu zu machen. Nun ist er eben noch vor Einbruch der Dunkelheit fertig geworden. Er heißt jetzt eben „Liedersänger“ und ich kann ihn zur Not auch auf der Gitarre spielen. Vielleicht finde ich mal eine Klavierspielerin, die dazu für mich Klavier spielt. Dann machen wir auch so ein Video wie Billy Joel von „Piano Man“. Es ist wirklich großartig. 
„Liedersänger“ handelt nun nicht vom Alltag eines Barpianisten, sondern von dem eines armen Musiktherapeuten. …

Diese Klimaanlagen

Ich will mir was zu essen machen, müsste aber vorher Geschirr spülen. In der Spüle kühlt aber im Wasserbad der Tee runter, das dauert noch eine Weile. Also kann ich kein Geschirr spülen. Folglich habe ich auch keinen Platz, um eine Mahlzeit zuzubereiten. Der Tee ist zum Trinken noch viel zu warm. Das einzige kühle Getränk im Haus ist - Hefeweizen. Unter dem Einfluss von Hefeweizen geht mir übrigens das Meiste flott von der Hand. Ich weiß nicht genau, ob es an der Hefe oder am Weizen oder der ausgewogenen Mischung zwischen beidem liegt. Wahrscheinlich an Letzterem. Störtebecker lässt bei seinem Bernsteinweizen neuerdings die Hefe weg. Vielleicht haben sie dafür Bernstein reingemischt, aber es ist nicht mehr dasselbe. Schadeschadeschade. Das letzte Wort habe ich von Ruth Herzberg kopiert. Ich glaube nicht, dass sie dafür die Urheberschaft beanspruchen kann. Darüber hinaus schreibt sie aber über Liebeskummer ganz genau das, was ich heute eigentlich über Liebeskummer geschrieben hätte, we…

Freitag

Ich habe soeben eine neue Methode für effizientes Schreiben entwickelt: Statt geschlagene zwei Stunden vor einem leeren Blatt herumzusitzen und dabei immer schlechtere Laune zu kriegen, beginne ich erst zwanzig Minuten bevor ich das Haus verlassen muss. Man muss dann sofort los schreiben, egal was. Zum Blatt voll schreiben reicht die Zeit allemal und man hat eigentlich keine Zeit mehr, zwischendurch lange zu überlegen. Das Überlegen und Sich-Gedanken-machen ist überhaupt der größte Zeitvernichter, den man sich vorstellen kann. Wenn man sowieso irgendwo rumsitzt, beim Arzt, im Bus, in der Bahn oder wenn man im Bett liegt, kann man sich jede Menge Gedanken machen und sich auch mal was überlegen. Aber wenn es an die Arbeit geht, muss man anfangen. Sonst wird es nichts. Ich bin sehr stolz auf meine neue Methode. Ich nenne sie „Speedschreiben“ und werde sie mir patentieren lassen. Mit Sicherheit kann man sie auch auf andere Bereiche anwenden. 
Jetzt habe ich doch wieder ganz schön lange übe…

Gar nicht so schlimm

Mein Fahrrad ist inzwischen Dorfgespräch. Ich werde andauernd daraufhin angesprochen. Wie lange es denn nun schon weg sei? In der Zeit hätte ich mir ja ein neues bauen können! Was es wohl kosten wird, wenn es denn mal fertig werde. Ich sehe schon nicht mehr fern, weil ich befürchte, dass sie dort auch darüber berichten. Nachdem ich den Fahrradmann aus Friedrichshagen erst tagelang nicht erreichen konnte, hat er jetzt selbst angerufen und sich nach dem Fahrrad erkundigt. Er hätte es zur Reparatur weitergegeben, dort würde sich auch niemand mehr melden und es könnte ja sein, dass ich etwas gehört hätte. Leider konnte ich ihm nicht helfen. Als nächstes wird mich wahrscheinlich eine Polizeistreife anhalten, während ich zu Fuß unterwegs bin. Wo denn mein Fahrrad sei? Ich müsse bitte mitkommen. Weil ich keine Auskunft geben kann, behalten sie mich da, bis ich es mir anders überlegt habe. Ich bekomme nur Wasser und kein Brot, weil ich mich weigere, mit Plastikbesteck zu essen. Schließlich sa…