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Links halten

Zurzeit kann ich die Wohnung leider nicht verlassen. Ich habe den Schlüssel draußen stecken gelassen und dann von innen die Tür zugeknallt. An dieser Stelle fällt mir ein Satz aus einer Schulzeugnis-Beurteilung ein: „Er muss es noch lernen, seine Späße im richtigen Moment wirken zu lassen.“ Ich habe nicht nur das noch immer nicht gelernt. Am zweiten Satz habe ich seit Tagen gefeilt und jetzt habe ich ihn einfach so als zweiten Satz rausgehauen. Es ist nicht mal ein Hauptsatz, wie der erste, sonst könnte man wenigstens sagen, es sei der zweite Hauptsatz (von was auch immer). Es kommen sicher Einwände, ich müsste doch nur auf die Türklinke drücken. Aber die Türklinke ist schon vor ein paar Jahren abgebrochen. Ich komme nur mit dem Schlüssel raus und der schließt nicht, wenn auf der anderen Seite ein anderer Schlüssel steckt. Von innen geht auch der Scheckkarten-Trick nicht. Ich hoffe, die Ausweglosigkeit meiner Situation ist hinreichend deutlich geworden. 
Vor ein paar Tagen war ich no…

Neue Blogposts wieder auf Telegram

liedersaenger.de funkt wieder auf Telegram:

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Schön und lieblich

Der Kuckuck und der Esel, die hatten einen Streit: Wer wohl am Besten sänge, zur schönen Maienzeit. Glücklicherweise müssen wir zur Zeit nicht solche Codes bemühen, um über die Vorgänge in der Regierung zu sprechen. Aber die schöne Maienzeit geht ja nun langsam zu Ende und da dürfen wir nun wirklich gespannt sein, was zum Schluss herauskommt. Klar ist das noch keineswegs, denn jeder beharrt auf seiner Position. Frau Merkel ruft in Berlin mit glockenheller Stimme nach wie vor KUCKUCK - KUCKUCK, während Herr Seehofer in München schon etwas genervt IAHHH - IAHHHH schreit. Es ist eigentlich nicht vorstellbar, dass hier auch mit den besten Mediatoren nur der Zipfel einer Einigung zu fassen wäre. Weder lässt sich denken, das Seehofer auf einmal KUCKUCK ruft, was ihm schon auf Grund seiner anatomischen Gegebenheiten nicht möglich sein dürfte, noch kann man sich ausmalen, dass Merkel auf einmal IAHHH schreit. Obwohl das natürlich eine schöne Überraschung wäre. Andererseits wäre es fatal, wenn…

Wo die schlechte Laune herkommt

Das Fahrrad ist also in den Brunnen gefallen und ich könnte jetzt glücklich und zufrieden sein. Ich bin es aber nicht, sondern beschäftige mich doch mehrmals täglich gedanklich mit dem Fahrrad. Wieso? Ich genieße die jeweils halbstündigen Spaziergänge zur Arbeit und wieder nach Hause. Neulich wurde mir ein Fahrrad zur Nutzung angeboten. Ich habe dankend abgelehnt. Ich brauche kein Fahrrad. Trotzdem muss ich den Fahrradmann anrufen. Aber warum? Wozu? Ich könnte doch froh sein, dass er das Fahrrad hat und nicht ich. Ich bin aber nicht froh, sondern ich gräme mich. Darum, weil mich der Fahrradmann hinters Licht führt. Weil er mich hintergeht und betrügt. Weil er mich heimlich auslacht. Wahrscheinlich tut er das gar nicht. Und wenn doch, was soll‘s? 
Ich habe für das Fahrrad vor fünf Jahren eine Menge Geld bezahlt. Jedenfalls war es für mich eine Menge Geld. Aber was ist Geld? Kann man Geld überhaupt besitzen? Und warum sollte man sich dagegen wehren, hinters Licht geführt zu werden? Wie g…

Neues* vom Fahrrad

Die Luft im Reifen hatte nicht lange durchgehalten. Als nun der Frühling gekommen war, dachte ich, ich könnte es mal wieder versuchen. Diesmal fand ich auch den Dorn, ein neuer Schlauch, alles ging schnell. Dann hatte ich Schwierigkeiten beim Einbau: Das Rad drehte sich nicht mehr. Wie festgeschraubt. Nach einer Stunde und mit furchtbaren Rückenschmerzen hatte ich einen Kompromiss ausgearbeitet: Das Rad drehte sich, dafür hing die Kette durch. Was soll’s. Man kann nicht alles haben. Ich fuhr in die Stadt. Eine Mädchengruppe betrachtete mit wachsender Bewunderung mein schickes Bike. KNALL flog die Kette ab. Mit rotem Kopf beschmierte ich mir die Finger mit schwarzer Kettenschmiere. Ich wollte nur noch fliehen. Auf dem Rückweg sprang die Kette noch drei mal ab, immer dann, wenn es gerade sehr wichtig wurde, cool auszusehen.

Um zu verstehen, warum ich das Fahrrad nicht einfach auf den Schrott werfe, muss man wissen, dass ich es von IHR habe. SIE hat es mir gegeben und sie hat das gleich…

Passt scho‘

Zum Glück ist jetzt Wochenende und wir haben eine kleine Verschnaufpause von den aufregenden Ereignissen auf der politischen Bühne. Obwohl ich ja sagen muss, dass die Bilder diesmal gar nicht zum Text passten. Man hört immer, dass Frau Merkel und Herr Seehofer sehr bitter miteinander streiten. Dann zeigen sie aber Bilder, auf denen die beiden irgendwo herumlümmeln und sich ganz offenbar sehr langweilen. Vielleicht ist da auch etwas durcheinander geraten. Auf jeden Fall werden sie dann aber aus den Nachrichten erfahren haben, dass es eine Krise gibt und dass sie sich mal wieder spinnefeind sind. Während man ja nun bei den Elefanten herausgefunden hat, dass sie nachdenken, während sie scheinbar untätig herumstehen, weiß man beim Horst Seehofer nicht, was er eigentlich macht, wenn er scheinbar gelangweilt herumlümmelt. Es ist ein Rätsel. Man kann ja nun auch nicht einfach sein Gehirn sezieren, um es herauszufinden. Es bleibt nur, weiter herumzuraten. Vielleicht macht er sich auch so sein…

Das kleinere Übel

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In dieser Woche stand in der Zeitung, dass ein junger Mann im thüringischen Sondershausen beim Kirschkernweitspucken vom Balkon gestürzt ist. Er fiel aus dem dritten Stock hinunter und erlitt sehr schwere Verletzungen. Daran sieht man mal wieder, dass Kirschen essen eine sehr gefährliche Sportart ist. Wahrscheinlich kommt daher auch das Sprichwort, mit jemandem sei nicht gut Kirschen essen. Vielleicht, wenn sich der Balkon des Betreffenden in einem der Obergeschosse eines Hauses befindet. Gut Kirschen essen ist nur mit Mietern oder Eigentümern, die im Erdgeschoss wohnen und die eine Terrasse haben. Demnach ist mit mir auch nicht gut Kirschen essen. Offenbar gibt es nun eine Reihe von Menschen, die solcherlei Risiken nicht länger auf sich nehmen wollen und das Kirschkernweitspucken von den Balkonen in ungefährlichere Regionen verlagern. Jedenfalls sah sich ein von mir häufig aufgesuchter Lebensmittelmarkt veranlasst, vor seinen Obstauslagen ein Schild mit der Ermahnung aufzustellen, d…

Königsdisziplin

Es ist noch gar nicht ausgemacht, ob der Gebrauch der Sprache wirklich vorteilhaft ist. Keine nichtmenschliche Lebensform verfügt über sie. Vielleicht hat das ja seinen Grund. Möglicherweise gibt es im ganzen übrigen Universum keine Sprache, weil sie nichts Gewinnbringendes zum Leben beitragen kann. Auch wir fühlen uns immer noch am stärksten von Bildern und Gesten angesprochen. Was können Kim und Trump schon miteinander besprochen haben? Das Wesentliche zwischen den beiden muss nonverbal gelaufen sein. Aber wir haben die Sprache nun mal und darum müssen wir sie auch benutzen. Vielleicht wäre es besser, wir täten es nicht. Ich könnte den ersten Schritt machen und ein Schweigegelübde ablegen. Ab morgen spreche ich nicht mehr. Sage keinen Mucks. Nur noch Gesten. Vielleicht auch Laute. Aber keine Worte. Ob man es schaffen kann, die Sprache auch aus dem Denken zu löschen? Denken ohne Worte? 
Freilich könnte ich dann auch nichts mehr schreiben und ich dürfte eigentlich auch nichts mehr lese…

Das Netz

Elefanten haben die größten Gehirne aller Landlebewesen. So ein Elefantenhirn ist dreimal so groß, wie das eines Menschen. Das ist schon ganz schön riesig, auch, wenn man das Verhältnis zur Körpergröße berücksichtigt. Seit wir das wissen herrscht Sicherheit darüber, dass Elefanten auch denken. Sie denken sogar extrem viel. Wenn sie nicht gerade fressen oder sich fortpflanzen, denken sie. Elefanten stehen oft stundenlang herum und niemand wusste genau, was sie eigentlich dabei machen. Jetzt wissen wir es: Sie denken nach. Mich überrascht das nicht. Nach meiner Überzeugung ist der Geist in der Welt, so, wie zum Beispiel das Licht. Um damit etwas anfangen zu können, braucht man ein bestimmtes Organ. Es geht natürlich auch unterhalb des Organstatus, aber ein extra Organ kann schon mehr herausholen. Das bedeutet, dass Intelligenz eben nichts Individuelles ist, sondern allgemein vorhanden. Das Individuum kann entsprechend seiner Ausstattung und seiner Möglichkeiten daran teilhaben. 
Jetzt fr…

Könnte klappen

Jetzt kam es nochmal in den Nachrichten: die Astronauten, die am Freitag auf der ISS angekommen sind waren zwei Tage nicht auf der Toilette. Ich hatte ja so was geahnt. Sie waren sozusagen mit der S-Bahn unterwegs, da gibt es ja auch keine Toiletten. Sie hätten vielleicht doch lieber den Regio nehmen sollen. Andererseits ist es gut möglich, dass sie sich den Stress mit dem Klo putzen ersparen wollten. Auf Station kriegen sie das noch früh genug. An der Kabinentür hängt dann ein Zettel, jeder ist eine Woche zuständig. In ihrer Sojus-Kapsel sind sie vierunddreißig Mal um die Erde herumgeflogen. Es stimmt wirklich: sie haben nur gepennt und rausgeguckt. Und wenn sie mal mussten, haben sie einfach in ihren Anzug abgedrückt.

Ich wurde während meiner aktiven Dienstzeit in der Volksarmee einmal Zeuge eines vergleichbaren Vorgangs. Wir wohnten ähnlich beengt wie in der Sojus-Kapsel, nur dass wir zu acht waren. Die Wochenenden verbrachten wir auf unseren Betten. Am Tisch konnten zwei Mann sitz…

Zu Fuß gehen

In Wirklichkeit habe ich gar kein Fahrrad. Ich habe auch nie eins gehabt. Meine Eltern waren damals dagegen ein Fahrrad anzuschaffen, weil so viele Unfälle passierten. Die Geschichte mit dem Fahrradmann aus Friedrichshagen habe ich mir ausgedacht. Es ist eine dieser Geschichten, die ich mir so lebendig ausmalen kann, dass sie schließlich wahr werden. Sie geht so weiter, dass der Fahrradmann natürlich auch einen Fahrradverleih betreibt. Mein Fahrrad hat er schon lange repariert, aber er hält mich hin, um es so lange wie möglich verleihen zu können. Das bringt ihm logischerweise viel mehr Geld ein, als so ein lausiger Reparaturauftrag. Das einzige, was ich zur Rettung meines geknechteten Fahrrades jetzt noch unternehmen könnte, wäre, mit gefälschtem Perso, angeklebtem Bart und verstellter Stimme im Fahrradverleih aufzutauchen und so lange Fahrräder auszuleihen, bis ich meins wiederbekomme. Dann nichts wie weg, auf nimmer Wiedersehen. 
Aber das werde ich natürlich nicht machen. Denn es gi…

Griff ins Klo

Mein Pinsel ist mir runter gefallen. Es ist der Pinsel, mit dem ich den Scherkopf des Rasierapparates sauber mache. Jetzt ist dieser blöde Pinsel aber nicht einfach auf die Erde gefallen, sondern genau in die Ritze zwischen Klodeckel und Kloschüssel. Und weg war er. Ich konnte ihn zwar noch sehen, aber war tief gefallen. Mir blieb nichts übrig, als der Griff ins Klo, wenn ich das Teil wiederhaben wollte. Das ist nicht schön. Es ist irgendwie entwürdigend und es fühlt sich auch nicht gut an. Ich versuchte dem Missgefühl durch anschließendes minutenlanges Scheuern mit der Klobürste beizukommen. Also das Klo scheuern, meine ich. Aber man bekommt ja so ein Klobecken irgendwann nicht mehr richtig sauber. Da hilft dann auch keine Chemie mehr. 
Heute (Mittwoch) fliegt Alexander Gerst wieder in den Weltraum. Nach zwei Tagen kommen sie auf der Internationalen Raumstation an. Ich finde das bemerkenswert. Die Station umkreist uns in circa vierhundert Kilometern Höhe. Das ist ungefähr die Entfernu…

Naja

Ich war übrigens auch mal „regular crowd“ in einer Bar. Also nicht Stammgast, aber ich bin ziemlich regelmäßig hingefahren. Die Bar war in Berlin am Alexanderplatz, gleich am S-Bahnhof. Ich war zwar erst so ungefähr 14, aber es gefiel mir dort gut. Vor allem fragte mich keiner, wie alt ich wäre. Ich trank Whisky und lernte Menschen kennen. Ich glaube heute, dass es eine Schwulenbar war, aber für so etwas hatte ich damals überhaupt keine Antennen. Ich ging mal mit einem Mann mit in sein Hotelzimmer, weil er mir etwas zeigen wollte, ich weiß nicht mehr, was. Es ist nichts passiert, er hat mir wirklich nur was gezeigt. Aber als ich (viel später) meiner Mutter mal davon erzählt habe, ist sie nachträglich vor Angst fast wahnsinnig geworden. Aber erstens gehen nicht nur Schwule in Schwulenbars und zweitens sind Schwule normalerweise eben keine Verbrecher. Ach, naja. 
Die Bar war ziemlich klein und natürlich gab es dort keinen Barpianisten. Dieser Zufall war wahrscheinlich ein entscheidende…

Piano Man

Was für ein Wochenende! Ich bin völlig erschöpft. Ich habe das Programm für das Erdbeerfeld gemacht, das war eigentlich anstrengend genug, weil ich so viel lesen musste. Aber dann habe ich am Samstagabend „Piano Man“ von Billy Joel gehört und der Sonntag war gelaufen. Erst musste ich Klavier spielen lernen, um mich zu dem Lied auf dem Piano begleiten zu können, denn man kann „Piano Man“ ja schlecht auf der Gitarre spielen. Als ich gegen Nachmittag merkte, dass aus mir kein Barpianist mehr wird, habe ich angefangen, einen eigenen Text dazu zu machen. Nun ist er eben noch vor Einbruch der Dunkelheit fertig geworden. Er heißt jetzt eben „Liedersänger“ und ich kann ihn zur Not auch auf der Gitarre spielen. Vielleicht finde ich mal eine Klavierspielerin, die dazu für mich Klavier spielt. Dann machen wir auch so ein Video wie Billy Joel von „Piano Man“. Es ist wirklich großartig. 
„Liedersänger“ handelt nun nicht vom Alltag eines Barpianisten, sondern von dem eines armen Musiktherapeuten. …

Diese Klimaanlagen

Ich will mir was zu essen machen, müsste aber vorher Geschirr spülen. In der Spüle kühlt aber im Wasserbad der Tee runter, das dauert noch eine Weile. Also kann ich kein Geschirr spülen. Folglich habe ich auch keinen Platz, um eine Mahlzeit zuzubereiten. Der Tee ist zum Trinken noch viel zu warm. Das einzige kühle Getränk im Haus ist - Hefeweizen. Unter dem Einfluss von Hefeweizen geht mir übrigens das Meiste flott von der Hand. Ich weiß nicht genau, ob es an der Hefe oder am Weizen oder der ausgewogenen Mischung zwischen beidem liegt. Wahrscheinlich an Letzterem. Störtebecker lässt bei seinem Bernsteinweizen neuerdings die Hefe weg. Vielleicht haben sie dafür Bernstein reingemischt, aber es ist nicht mehr dasselbe. Schadeschadeschade. Das letzte Wort habe ich von Ruth Herzberg kopiert. Ich glaube nicht, dass sie dafür die Urheberschaft beanspruchen kann. Darüber hinaus schreibt sie aber über Liebeskummer ganz genau das, was ich heute eigentlich über Liebeskummer geschrieben hätte, we…

Freitag

Ich habe soeben eine neue Methode für effizientes Schreiben entwickelt: Statt geschlagene zwei Stunden vor einem leeren Blatt herumzusitzen und dabei immer schlechtere Laune zu kriegen, beginne ich erst zwanzig Minuten bevor ich das Haus verlassen muss. Man muss dann sofort los schreiben, egal was. Zum Blatt voll schreiben reicht die Zeit allemal und man hat eigentlich keine Zeit mehr, zwischendurch lange zu überlegen. Das Überlegen und Sich-Gedanken-machen ist überhaupt der größte Zeitvernichter, den man sich vorstellen kann. Wenn man sowieso irgendwo rumsitzt, beim Arzt, im Bus, in der Bahn oder wenn man im Bett liegt, kann man sich jede Menge Gedanken machen und sich auch mal was überlegen. Aber wenn es an die Arbeit geht, muss man anfangen. Sonst wird es nichts. Ich bin sehr stolz auf meine neue Methode. Ich nenne sie „Speedschreiben“ und werde sie mir patentieren lassen. Mit Sicherheit kann man sie auch auf andere Bereiche anwenden. 
Jetzt habe ich doch wieder ganz schön lange übe…

Gar nicht so schlimm

Mein Fahrrad ist inzwischen Dorfgespräch. Ich werde andauernd daraufhin angesprochen. Wie lange es denn nun schon weg sei? In der Zeit hätte ich mir ja ein neues bauen können! Was es wohl kosten wird, wenn es denn mal fertig werde. Ich sehe schon nicht mehr fern, weil ich befürchte, dass sie dort auch darüber berichten. Nachdem ich den Fahrradmann aus Friedrichshagen erst tagelang nicht erreichen konnte, hat er jetzt selbst angerufen und sich nach dem Fahrrad erkundigt. Er hätte es zur Reparatur weitergegeben, dort würde sich auch niemand mehr melden und es könnte ja sein, dass ich etwas gehört hätte. Leider konnte ich ihm nicht helfen. Als nächstes wird mich wahrscheinlich eine Polizeistreife anhalten, während ich zu Fuß unterwegs bin. Wo denn mein Fahrrad sei? Ich müsse bitte mitkommen. Weil ich keine Auskunft geben kann, behalten sie mich da, bis ich es mir anders überlegt habe. Ich bekomme nur Wasser und kein Brot, weil ich mich weigere, mit Plastikbesteck zu essen. Schließlich sa…

Immer falsch

Dass der November der neue September ist, hatten wir ja schon festgestellt. Nun stellt sich aber heraus, dass wir im Mai schon August haben. Folglich wird der August der neue November. Da der August mit dem Mai gerade vorbeigeht, folgt unweigerlich der Dezember, wenn der nicht auch lieber jemand anderes sein will, was man ihm nicht verdenken könnte. So gerät langsam und immer schneller alles aus den Fugen. Man kann sich auf nichts mehr verlassen. Was gestern noch galt ist heute schon alt. (Hat Hannes Wader gesungen.) So wie Plastik. Plastik war, wie alles, was sich Menschen ausdenken, erst ein Himmelsgeschenk und dann schließlich Teufelszeug. Die Plastiktüte war genial! Ich glaube, wir fanden sie sogar schön. Wer eine hatte, tauschte sie gegen die Schulmappe ein. Daraufhin wurde sie dann für den Schulbetrieb verboten, aber das hatte ausschließlich ideologische Gründe. Inzwischen ist soviel Plastik produziert worden, dass auf jeden Kopf der Weltbevölkerung gut eine Tonne Kunststoff kom…

Schwerer Kopf

Jetzt weiß ich wieder warum ich so viel Fleisch essen muss. Ich habe mir noch mal eine Fernsehdokumentation angesehen, in der sie es erklärt haben: Als einer der frühen Hominiden nämlich das Wurstmesser erfunden hat, kriegten sie damit endlich das Fleisch von den Aas-Knochen ab. Der erhöhte Fleischkonsum führte dann in der Folge zu einem rasanten Wachstums des Gehirns, dessen Größe sich erst verdoppelte und dann noch mal einen Sprung machte. Tja, und seitdem hat es eben immer Hunger und mit Salat, Äpfeln und Knäckebrot kriegt man es nun mal nicht satt. Darum müssen wir jetzt Fleisch essen, jede Menge Fleisch, ob wir nun wollen oder nicht. Das wäre nun alles gar nicht so schlimm, denn Fleisch schmeckt ja auch viel besser als Gemüse, zumindest, seit man es am Feuer braten kann. Problematisch ist es ja nur, weil wir soviele Gehirne geworden sind, die alle Fleisch essen wollen. Wenn statt den Gehirnen die Ohrläppchen größer geworden wären hätten wir das Problem heute nicht, denn Ohrläppch…

Viele Welten

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Von Christian Schirm - Eigenes Werk, CC0, Link


Leider scheint die Datenschutzgrundverordnung nicht für meinen Hausbriefkasten zu gelten. Dort landen nach wie vor dicke Zeitungen und Werbeblätter, die ich nicht bestellt habe. Am schönsten Sonntag blinkt dadurch mein Postmelder und zwingt mich, die Papiertonne aufzusuchen. Immerhin kann ich so gleich den Müll mitnehmen und der Schrittzähler kommt auch mal wieder raus. Trotzdem. Ich kann eigentlich nicht verreisen, weil nach zwei Tagen mein Briefkasten hoffnungslos zugestopft wäre. An meinem klebt ein Schild „Keine Werbung!“, was aber nichts nutzt. Immerhin könnte ich mich jetzt beschweren. Ja sicher. Beim wem denn? Ich kann das Papiermüll produzieren und zum Wegwurf verteilen auch scharf geißeln. Und verurteilen kann ich es auch. Was ich hiermit tue. Jawohl. So, nun haben sie es. Ich weiß mich zu wehren. Trotzdem verstopfen sie den Briefkasten.

Im Prinzip werden diese Zeitungen doch nur gedruckt, um ungelesen in den Müll zu fliegen. W…

Kompliment

Meine neue fußläufige Mobilität zeitigt übrigens auch ihre Folgen im Sozialen. Während Begegnungen, die man als Autofahrer hat, sich höchstens in hektischem Winken, Lichthupe oder blinkenden Rücklichtern ausdrücken und man auch als Radfahrer eher selten anhält, gilt es doch als grob unhöflich, wenn man als Fußgänger nicht kurz stehen bleibt und ein bisschen smalltalked. Auf diese Weise begegnete ich einem Kollegen, der mir erzählte, dass er von meinem Auftritt mit Fender gehört habe. Ich hätte dort „Reinhard-Mey-mäßig“ gesungen. Tja. Da habe ich es wieder. Dieser Reinhard Mey ist ein Fluch. Ich werde ihn nicht mehr los. Dabei hatte ich früher nur eine einzige Single mit „Annabelle“, „Ich bin Klempner von Beruf“, „Der Mörder ist immer der Gärtner“ und „Gute Nacht Freunde“. Sicher kannte ich auch noch „Über den Wolken“ und „Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund“ hatte ich zufällig mal mit dem Tonbandgerät erwischt. Aber erst ab der zweiten Strophe. Das war’s aber auch schon.

Weißenfels

Gar nicht so schlecht

Ich bin leider sehr dumm. Ich sehne mich seit mehr als einem Jahrzehnt nach dem Ende der leidigen Erwerbsarbeit. Manchmal habe ich dann aber einen klaren Moment oder ich sehe was dazu im Fernsehen. Dann weiß ich es wieder: Das Leidige ist nicht die Arbeit; das Leidige ist der Alltag. Und den Alltag wird man nun mal nicht los. Ich könnte in einem Schloss wohnen, in der Lage, jeden Tag nach Lust und Laune zu verbringen - ich würde über ein Entkommen aus dieser Tretmühle nachsinnen. So bin ich nun mal programmiert. Nicht zu ändern. Das Ende der Erwerbsarbeit wird kommen, früher als gedacht und man kann dabei eigentlich nur verlieren. Man verliert die Aufgabe, über die man sich lange Zeit definiert hat. Es ist egal, ob man nun über die Aufgabe schimpft und klagt, ob man sie loswerden will oder sie sehr schätzt. Die Aufgabe ist etwas, das zu einem gehört und auf einmal ist sie weg. Man verliert die Menschen, mit denen man diese Aufgabe geteilt hat. Es ist egal, ob man sie geliebt oder geh…

Ich helfe gern

Ich leide unter einer sehr speziellen Form der Reisekrankheit: Immer wenn ich verreise, entwickle ich am ersten Tag Symptome irgendeiner lebensbedrohlichen Krankheit, die bis zum letzten Reisetag anhalten. Wenn ich mich am nächsten Tag einem Arzt vorstellen will, sind die Symptome verschwunden. Das ist äußerst lästig und es wird nicht besser, sondern schlimmer. Zweifellos werde ich auf diese Art mein Ende finden, wenn ich einmal nicht rechtzeitig von einer Reise zurückkehre. Darum kann ich jeweils nur noch ganz kurz verreisen. Jedenfalls, wenn ich hinterher noch etwas vorhabe. Das war dieses Mal der Fall, denn meine Agentin hatte angerufen. Sie hat von Fenders und meinem Auftritt gehört und ich soll es noch mal machen. Und zwar während der diesjährigen Brandenburger Landpartie im Erdbeerfeld. Das wird dann Fenders erster Open-Air-Gig. Vor solchen Auftritten bin ich auch immer regelmäßig krank. Es ist aber nicht so schlimm wie auf Reisen, weil die Auftritte nicht so lange dauern. Eine…

Abenteuer bestehen

Ich kehre zurück. Zurück aus einer Zauberwelt, in der schlimme Verletzungen durch Handauflegen oder Kühlakkus innerhalb von Sekunden geheilt werden. Zurück in meine Welt mit Terminen und Problemen. Ich bin gespannt, wie schnell sie wieder von mir Besitz ergreifen kann. Vielleicht kann ich ja diesmal auch etwas mitnehmen und die „Probleme“ werden „Abenteuer“, die ich bestehen muss, um das Herz der schönen Prinzessin zu gewinnen. Eine der nächsten Aufgaben könnte es zum Beispiel sein, mein treues Fahrrad aus der Gewalt des bösen Zauberers zu befreien. Wie das gehen soll, weiß man vorher nicht. Abenteuer besteht man nicht, indem man einen Plan macht. Abenteuer besteht man, indem man mit einem mutigen Herzen unerschrocken loszieht. Dann wird man schon sehen. Die jüngste meiner beiden Nichten geruhte, ihren neunten Geburtstag umringt von Einhörnern und ihren Gespielinnen in einem „Spielparadies“ zu zelebrieren. Mehr als einmal mussten sie eine von ihnen aus der Arena zu ihrem Stützpunkt b…

Ohne Soße

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Neulich hatten wir es wieder vom Kochen. Es ging um Spaghetti der Marke „Gut und günstig“, die unter siebzig Cent kosten. Das müsse doch nicht sein, man könnte doch passierte Tomaten nehmen. Könnte man. Man könnte auch die Nudeln aus Hartweizengrieß selbst herstellen. Aber dann hätte man immer noch nicht dieses Spaghettigericht. Ob ich denn Zwiebeln angebraten hätte? Um Gottes Willen! Ja, wenn man alles kaputt machen will, kann man das machen. Aber niemand kann die „Würzende Mischung“ nachmachen oder durch irgendetwas ersetzen, die wahrscheinlich liebevoll irgendwo zusammengefegt wurde und die man in die undefinierbare rote Pampe schüttet, nachdem man sie mit genau derselben Volumeneinheit Wasser vermischt hat.

Es mag für Menschen, die sich mit der Zubereitung ihres Essens viel Mühe geben niederschmetternd sein: aber es schmeckt im Ergebnis nun mal nicht so gut, wie ein Fertiggericht. Das Fertiggericht schmeckt in der Hauptsache nach Salz. Ich habe mal jemanden getroffen, der seine …

Morgengesichter

Mein alter Freund Axel erzählte mir vor kurzem die Geschichte, wie es bei ihm mit den Handys angefangen hatte: Seine Freundin gab ihm ihr altes Telefon, damit die Kinder ihn erreichen könnten. Das wurde früher oft gesagt, wir brauchen das Handy ja, damit man uns erreichen kann. Frauen brauchten es, damit sie Hilfe rufen konnten, falls sie mit dem Auto im dunklen Wald liegen blieben. Ich hatte weder Auto noch Kinder. Niemand versuchte, mich zu erreichen. Ich kaufte mir trotzdem ein Handy. Außerdem einen Vertrag von Viag Interkom. Die mit dem Haus. „Ist das Haus im Display, telefonierst du festnetzgünstig.“ Ich telefonierte gar nicht. Das war noch günstiger. Das Haus war selten im Display, weil das Netz nie da war, wo ich mich aufhielt. Als es mit Smartphones losging, war ich natürlich dabei. Erst Blackberry, dann iPhone. Es ging aber niemals darum, erreichbar zu sein.

Es ging immer darum, dass möglichst alles funktionierte. Das muss man eigentlich ohne Unterlass testen und wenn etwas…

Die liedersaenger Live-CD

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Benutzt, missbraucht, entführt

Die Schafe sind weitergezogen. Offenbar sind Schafe Zugtiere. Darum sagt man ja wohl auch „Schaf-Zucht“. Genau genommen sind sie eine Plage, denn sie lassen sich wie die Heuschrecken in Schwärmen auf begrünten Flächen nieder, fressen dort alles kahl und dann ziehen sie weiter, um auch an ihrem neuen Standort alles kahl zu fressen. Anders als Heuschrecken kann man Schafen aber ganz gut Grenzen setzen, weil sie nicht fliegen können. Ein kleiner Zaun genügt und schon kommen sie nicht weiter. Sie würden verhungern nachdem sie ein ihnen zugeteiltes Stück kahl gefressen haben, wenn der Mensch nicht wäre. Darum müssen sie dem Menschen für immer dankbar sein und ihm ihre Wolle, ihre Milch und ihr Fleisch schenken. Der Mensch benutzt sie darüber hinaus einfach als Rasenmäher. Diese Angewohnheit weitet sich auch auf den Umgang mit anderen Tierarten aus, zum Beispiel Tauben. Vor kurzem wurde ich Zeuge, wie eine Taube zur S-Bahn-Reinigung eingesetzt wurde. Sie lief im Zug umher und pickte Unrat …

Zwei Hände voll

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Wir haben es einfach gemacht. Es knallhart durchgezogen: Mein neuer Kumpel Fender und ich sind zusammen aufgetreten. Als ich Fender kennenlernte, hielt ich ihn zuerst für eine Waschmaschine. Nicht wegen seiner optischen Erscheinung, da kam er eher daher wie das Kofferradio des Riesen Glombatsch. Wenn man ihn aber von A nach B bewegen wollte, brauchte man wenigstens eine Sackkarre. Es musste sich also um eine Waschmaschine handeln. Dann fand ich aber recht schnell heraus, was Fender eigentlich so drauf hat. Wäsche waschen kann er nämlich nicht. Wenn man jedoch hinter ihm irgendwelche Geräusche macht, kommt vorne offenbar etwas Anständiges heraus. Ich saß eine Stunde lang hinter ihm und machte „bla bla“ und „Böhhhh“ und so weiter und zupfte dazu wild auf meiner Gitarre herum. Vor Fender saß unser Publikum, Menschen, die ich kannte, die freundlich guckten und die ganze Zeit sitzen blieben und applaudierten. Es grenzte an Zauberei.

„Mittwoch oder Samstag heute, wenn nur eine Handvoll Le…

Mähhhhhhh! Böhhhhhhhh!!

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Während ich so die weidenden Schafe mit ihren Lämmchen auf dem Feld vor meinem Schlafzimmerfenster betrachte, muss ich daran denken, wie schwierig und bedroht doch das Heranwachsen ist. Es gibt so viele Gefahren und Versuchungen, dass es eigentlich ganz und gar unwahrscheinlich ist, dass es gelingt. Augenscheinlich kümmert sich das Heranwachsen aber gar nicht um die Schwierigkeiten und gelingt im Großen und Ganzen einfach trotzdem irgendwie. Mein Heranwachsen war geprägt von Sex, Drugs and Rock’n Roll. „Sex“ bedeutete, die älteren Mädchen heimlich anzuschwärmen, dabei völlig unbeteiligt auszusehen und sich vorzustellen, dass man mit ihnen zusammen wäre. „Drugs“ war Goldbrand, vorzugsweise für jeden eine kleine Flasche für einen fröhlichen Fernsehabend. Na, und Rock’n Roll war Rockpalast im III. Wir guckten anfangs in der Jungen Gemeinde. Ich glaube irgendwann durften wir das nicht mehr und dann zogen wir durch die Wohnungen, wo die Eltern gerade mal nicht zu Hause waren. Auf eine mir…

Es lebe der Krimskrams

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Neulich saß ich mit meinem neuen Gitarrenverstärker auf der Couch. Er so zu mir: „Wir müssten mal wieder zusammen auftreten.“ Ich dann so: „ Wir sind noch nie zusammen aufgetreten!“ Er gleich: „ Na eben.“ Ich noch: „So’n Quatsch!“ Er drauf: „Selber Quatsch!“ Na, so ging das noch eine Weile hin und her und irgendwie hat er sich eben durchgesetzt. Wir machen am Ende sowieso immer, was er will. Eigentlich wollte ich die Nummer auch beim Auftritt bringen, aber wahrscheinlich traue ich mich wieder nicht. Der Verstärker kann ja auch gar nicht wirklich sprechen, obwohl er einen Laut-Sprecher eingebaut hat. Ich müsste also so eine Bauchredner-Nummer aufführen, wie der Mann mit der Echse oder der mit dem Vogel. Das müsste ich noch zusätzlich einstudieren und damit wäre ich einfach überfordert. Außerdem hat die Geschichte noch gar keine richtige Pointe.

Jetzt treten wir aber wie gesagt doch auf, zum ersten Mal zusammen. Es ist eine Premiere. Ich weiß gar nicht, mit wem er früher so unterwegs…

Am Rennsteig

Während die Potsdamer, Berliner und andere Brandenburger die Obstbaumblüte in Werder ausgelassen feiern, wird ein anderes Naturereignis in unserem schönen Land bestenfalls mürrisch zur Kenntnis genommen oder mit Flüchen und Schimpfkanonaden bedacht. Dabei handelt es sich auch hier um das Wiedererwachen der Natur und wie es scheint, sind die sonst eher wenig frohsinnigen Brandenburger den Thüringern in Sachen Geschäftstüchtigkeit ein paar Längen voraus. Die Thüringer hadern zurzeit mit ihrem gleichnamigen Wald und zwar wegen der Fichtenblüte. Die Brandenburger haben nun mal keine Fichtenwälder und um von der unspektakulären Kiefernblüte abzulenken, veranstalten sie ein großes Fest um die Obstbäume. Darauf sind sie in Thüringen noch nicht gekommen und darum haben sie dort schlechte Laune. Dabei ziert das Wappen von Gehlberg, wo wir diesmal Quartier genommen hatten, neben Fichte und Kelchglas eine Blüte. Allerdings muss man dazu sagen, dass es sich dabei um eine Arnika-Blüte handelt. In…

Loslassen

Die Menschen machen die verrücktesten Verrenkungen, um sich lebendig zu fühlen. Natürlich weiß man schon, dass man lebt, aber hin und wieder will man es eben auch spüren. So richtig. Manche baden in eiskaltem Wasser, andere stürzen sich von Gummiseilen gehalten eine Brücke hinunter oder balancieren in schwindelerregender Höhe auf abenteuerlichen Konstruktionen aus Stricken und Baumteilen. An der Grenze zwischen Leben und Tod wird einem erst so richtig bewußt, wo man eigentlich hingehört. Ich hatte es nie so richtig mit den gefährlichen Sportarten. Reiten konnte gar nicht so gefährlich sein, weil es ganz offensichtlich ein Mädchensport war. Aber vielleicht ist das alles ein Irrtum und die Mädchen machen sowieso immer die gefährlicheren Sachen. Im Hochseilgarten sitzen die Männer unten und trinken Bier, während die Frauen durch die Bäume huschen. In diesem Fall war ich dann auch schon in frühester Jugend ein todesverachtender Draufgänger, denn ich war eine Weile der einzige Junge in ei…

To-go

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Ach ja, der Mond. Der Mond ist rund und schön. Die Sonne strahlt ihn an, dann leuchtet er. Hätten wir keinen Mond, müssten wir einen erfinden. Was könnte man noch damit machen? Nun, wir könnten unsere ganzen Plastiktüten dorthin bringen. Wenn unser Meer ein Plastik-Meer geworden ist, machen wir aus dem Mond einen Plastik-Mond. Ein paar Sachen sind ja schon da. Insgesamt haben wir schon mehr als 190 Tonnen Krimskrams auf den Mond verbracht. Unter anderem ein paar Golfbälle, aber auch ein Kunstwerk. Es heißt Fallen Astronaut und ist eine Aluminiumfigur mit Metallplatte, die an die Menschen erinnern soll, die bei der Erkundung des Weltraums ihr Leben ließen. Aber 190 Tonnen sind nicht gerade wenig, schon ein ganz schöner Schrottplatz. Und es wird weitergehen. Wir sind nun mal Litterer. Wir sind die Vermüller der Kosmos. Darum wurden wir in die Quarantäne gesteckt. Vermutlich ist unsere Milchstraße so eine Art geschlossene Unterbringung des Universums. Das Alcatraz des Weltraums.

Vor ku…

Neustart

Zur Zeit sitze ich wieder oft und gern an den Abenden bei mir zu Hause und singe mir selbst etwas auf meinem neuen Gitarrenverstärker vor. Das macht mich sehr glücklich. Es ist genau die Art von Musik, die mir gefällt und die Texte könnten von mir sein. Sind sie ja auch. Hin und wieder ist es mir ein bisschen unheimlich, dass ich mir selbst so gut gefalle, aber das geht ziemlich schnell vorbei. Also das Erste, dass es mir unheimlich ist. Ich sage mir dann, ich muss schließlich ein Leben lang mit mir zusammenbleiben, da habe ich gar keine andere Wahl, als mich selbst ein bisschen zu mögen. Ich könnte ja nirgendwo hin, wo ich nicht auch wäre. Also vertragt euch! Außerdem freue ich mich, dass ich schon jetzt, ein paar Jahre vor meinem 60. Geburtstag, ein schönes Abendprogramm mit mir selbst gestalten kann. Das war ja nicht immer so. Aber alles, was ich vorher gemacht habe, hat letztlich dazu geführt, dass einmal dieses Ehepaar hereinkam und mich fragte, ob ich der Künstler(!) sei, der m…

Trinken mit Verstand

Der Trick mit der Bombe ist jetzt doch nicht aufgegangen. Eigentlich sollte die Höllenmaschine ein Loch in die Hauptstadt sprengen, groß, wie das Nördlinger Ries, in dem alle Probleme verschwinden und ein für allemal begraben werden können. Die Bombe war aber zu alt und man ist stattdessen einfach wieder zur Tagesordnung übergegangen. Das bedeutet, dass die Bundesregierung weiter regieren muss, der Hauptbahnhof Bahnhofsballett spielen und der Flughafen sich weiter tot stellen muss. Außerdem werden immer weiter einfach noch mehr Menschen in die wenigen Biergärten der Stadt strömen. Weil es wegen der Menschenmassen am Ausschank gar nicht mehr möglich ist, sich noch ein zweites oder gar ein drittes Glas Bier zu kaufen, wird gleich beim ersten Mal der vierfache Preis aufgerufen. Das ist alles nicht schön, aber es ist nun mal meine Welt und ich muss mich darin einrichten. Es hilft einem ja nicht weiter, deswegen ständig schlechte Laune zu haben. Aber man versteht doch ein bisschen, warum …

Ohne Maschinen

In dieser Woche fahren die Männerfreunde wieder zum Wandern und ich darf nochmal mit. Dazu werden sich die Temperaturen hoffentlich in einem Bereich zusammenfinden, der das Bewegen an frischer Luft noch ohne ernsthafte Gefährdungen der Männergesundheit gestattet. In der vergangenen Woche habe ich schon mal ein bisschen trainiert und weiß zumindest, dass die Temperatur im Spreetunnel in Friedrichshagen zum Wandern völlig ungeeignet ist. Mein immer gut informierter Freund Axel (alt), konnte dazu ausführen, dass der Tunnel ursprünglich zum Kühlen von Bierfässern angelegt wurde. Das mag zutreffen oder auch nicht, jedenfalls ist es dem Kreislauf von Mittfünfzigern nicht zuträglich, derartig abrupte Temperaturwechsel vorzunehmen. Ich verlor sofort die Orientierung, was auch an den beschlagenen Brillengläsern gelegen haben mag und hätte im unwegsamen Heidegebiet des Stadtflusses zweifellos verschmachten müssen, wenn nicht ein unbändiger Überlebenswille zu meiner genetischen Grundausstattung…

Ballast

Was wurde nun eigentlich aus dem Fahrrad? Tja, was soll ich sagen? Es kommt eben so, wie ich es mir ausdenke. Seltsamerweise ist mir das in dem Augenblick, in dem sich die Dinge ereignen aber nicht bewusst. Ich überreichte voller Vorfreude auf einen großartigen Fahrrad-Sommertag meinen Abholschein. Freitag wurde auf einmal sehr aufgeregt. Es gäbe Probleme! Große Probleme!! Ich sollte mitkommen. Mich erinnerte das alles an eine Szene aus den Mosaik-Heften mit der Abrafaxe. Da hatte der Wirt die Muskete von Abrax als Hebel auf eine verbogene Wagenachse gesteckt und kriegte sie nicht mehr runter. Die Muskete war danach hinüber. So ungefähr zeigte mir Freitag am Freitag mein Fahrrad und es sah auch ungefähr so aus, wie die Muskete von Abrax. Da es sich um ein Motorfahrrad handelte, hatte es ein sensorisches Tretlager und das konnte Freitag nicht so ohne Weiteres beschaffen. Erstens gäbe es lange Lieferzeiten und zweitens wäre es nicht ganz billig. Er schätze mich so ein, dass ich so eine…
Bild

Keine Wahl

Man muss sich das Leben vielleicht wie ein Bild vorstellen, nur dass wir das fertige Bild eben nicht zu Gesicht bekommen, denn das fertige Bild sind wir selbst. Manchmal „erinnern“ wir uns daran, wie es weitergeht. Das ergibt dann diese deja-vu-Momente, die einem deshalb so bekannt vorkommen, weil das Bild ja schon fertig ist. Zu meinem Bild gehören alle Lieder und Geschichten und ein Roman-Fragment. Ich habe deutlich genug gesehen, dass es ein Fragment bleibt. Wenn man großes Glück hat, sieht man sein Bild in seinem allerletzten Augenblick und dann versteht man es, wenn man noch klar genug im Kopf ist, um zu verstehen. Das ist aber für die Schönheit des Bildes nicht notwendig. Das Bild muss sich ja nicht selbst schön finden und verstehen muss es sich selbst gleich gar nicht. So ein Bild ist ja auch nicht für alle Menschen gleich schön und manche können gar nichts damit anfangen. Aber irgendjemanden gibt es, der es in sein Herz schließt. Das Leben ist nun aber nicht für die Menschen …