Beutel

Ich bin gespannt, wie sich das mit den Ladegeräten weiterentwickelt. Ich habe gerade eins gesucht, dass ich verräumt hatte. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele von diesen Dingern in der Wohnung verteilt sind. Wenn ich dran denke, mache ich bei Inbetriebnahme eines neuen Gerätes ein Pflaster mit Beschriftung an das Kabel. Oft denke ich aber nicht daran. Manchmal denke ich auch, ich könnte es später noch machen. Das ist aber ein Irrtum. Später hat es sich in einem der Ladegerätenester verkrochen, die es zu Dutzenden in meiner Wohnung gibt und wo sie sich miteinander zu unentwirrbaren Knäuels verschlingen und höchstwahrscheinlich neue Ladegeräte zeugen. Ein ganz Bestimmtes zu finden ist dann ganz und gar unmöglich. Es gab mal diese Horrormeldungen in der Zeitung, wie Hunderte von Weberknechten ineinander verkrabbelt in einer dunklen Ecke der Wohnung auftauchen. Vor so was habe ich Angst. Erschrocken muss ich nun feststellen, dass sich statt der Weberknechte die Ladekabel bei mir angesiedelt haben. Ich werde einen Kammerjäger holen müssen. 

Wenn ich verreise habe ich inzwischen zusätzlich zum Waschbeutel einen Ladegerätebeutel. In der Priorität ist er etwa gleichrangig mit dem Medikamentenbeutel. Alle drei Beutel packe ich in den Campingbeutel, den ich dann auf dem Rücken trage. Der Vorteil der abnehmbaren Beutel beim Menschen gegenüber dem angewachsenen beim Känguru oder auch beim Koala liegt auf dem Band: Zum Beispiel bei Sicherheitskontrollen am Flughafen. Der Nachteil ist aber ebenso offensichtlich: Man kann seinen Beutel auch sehr leicht verlieren. In der S-Bahn stehen lassen, im Wartezimmer vergessen oder man wird von Beutelschneidern beraubt. Dann steht man da. Das Smartphone macht als erstes schlapp. Dann das Tablet, gefolgt vom Fitness-Tracker. Am längsten hält der EBook-Reader durch. Nach ein paar Tagen ist er auch am Limit. 

Ich glaube, dass das alles erst der Anfang ist. Nicht mehr lange, dann wird es elektronische Kleidung geben. Man wählt auf dem Smartphone die gewünschte Garderobe - fertig. Dafür trägt man irgend ein kleines Gerät auf der nackten Haut. Es muss jede Nacht aufgeladen werden. Wer darin schlampig ist oder einfach nicht das richtige Ladekabel findet, sitzt auf einmal nackig in der U-Bahn. Wenn das passiert, machen alle anderen Fahrgäste eine Laola-Welle. Peinlich wird es für Uniformträger, wie zum Beispiel Zugschaffner. Weil sie für die Dienstkleidung nur billige Geräte haben, kann man immer öfter umsonst mitfahren, weil die Schaffner Hals über Kopf in ihr Dienstabteil flüchten und ihre Uniform aufladen müssen. Irgendwann wächst uns dann hoffentlich wieder ein Fell. Und vielleicht ein Beutel. 

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