Gefährlicher Job

Ich wollte das Lexikon-Spiel spielen: Man schlägt ein Lexikon auf und zeigt mit geschlossenen Augen auf eine Stelle. Das Artikelstichwort muss dann erklärt werden. Mein Wort war „Polizei“. Das ist ja nun ein doofes Wort. Jeder weiß ja wohl, was „Polizei“ ist. Die Polizei ist dein Freund und Helfer. Trotzdem erstreckte sich der Artikel über mehrere Seiten. Ich habe selbst nicht viele Erfahrungen mit der Polizei. In unserem Aufgang wohnte unten ein Polizist, unser Abschnittsbevollmächtigter. Er hieß Heinz und mein Vater nannte ihn manchmal Pistolen-Heinz. Heinz hatte nämlich eine Pistole bei sich zu Hause, die er sich umschnallte, wenn er im Dienst war. Soweit ich mich erinnere, war Heinz immer im Dienst. Einmal fanden wir beim Spielen im Wald eine Gewehrpatrone oder sowas. Wir brachten sie schreiend zum Pistolen-Heinz. Gut, dass es ihn gab. Viel später habe ich ein  Jugendarbeits-Praktikum in Berlin gemacht und wir haben eine Disco in einem sozialen Brennpunkt-Viertel veranstaltet. Wir baten die Polizei darum, mal ein bisschen aufzupassen. Als die Disco in schönstem Gange war, kamen mehrere Mannschaftswagen, der Disco-Keller wurde gestürmt und die Disco beendet. 

Vielmehr fällt mir jetzt nicht ein. Einmal habe ich auf einem Parkplatz ein Auto gerammt. Als ich den Unfall später bei der Polizei anzeigen wollte, habe ich mich gewundert, dass da alles so verrammelt war. Nirgendwo konnte man einfach reingehen und wenn man jemanden zu Gesicht bekam, saß der hinter dickem Glas. In Filmen sieht das immer anders aus. Unsere Polizei hier muss schon ganz schöne Angst haben. Es wird sicher Gründe dafür geben. 

Ach ja, nach meinem Verkehrsunfall waren auch noch zwei Polizisten bei mir im Krankenhaus. Das war mein erster Besuch und ich habe mich sehr gefreut. Sie waren auch sehr freundlich und haben ihre Telefonnummer dagelassen. Irgendwo muss ich sie noch haben. Dabei fällt mir ein, dass es früher noch Verkehrspolizisten gegeben hat, die auf Kreuzungen den Verkehr geregelt haben. „Siehst du Brust und Rücken, musst du auf die Bremse drücken.“ Ich hatte mal ein Verkehrspolizei-Set für den Fasching. Es enthielt unter anderem einen Stab und einen Stempel für den Führerschein. Statt Punkten gab es wohl Stempel. Einmal war ich damit unterwegs in den Verkehrsgarten. Auf die Fahrradlenkstange hatte ich ein Lenkrad vom Autoschrottplatz geschraubt. Ich bin sofort auf die Fresse geflogen und habe mir den Stab sonstwohin gebohrt. Die Polizeiarbeit ist eben ein gefährlicher Job. 

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