Klara Johanna Hallig

Diesmal wollte ich den Jahreswechsel ganz abgeschieden verbringen: auf meiner sturmumtosten Hallig oben im Norden. Allein sein wollte ich nicht, aber ich hatte auch keine Lust auf Party. Also nur wir drei, Klara, Johanna und ich. Ich würde für uns kochen, nichts Besonderes, irgendwas, was halt so da ist. Wie wär’s mit Fisch? Dann warten wir auf Mitternacht. In der Zivilisation hat es überhaupt keinen Zweck, vor Mitternacht schlafen zu gehen, weil man ja sowieso wieder wachgemacht wird. Auf der Hallig ist das ganz anders. Hier bleibt alles ruhig und nur die Sturmflut könnte einem gefährlich werden. So kann man viel ruhiger auf Mitternacht warten, ganz ohne Angst. Schlag zwölf nimmt Klara ihre Gitarre und dann singen wir, ganz laut und schön. „Emmylou“ und die ganzen Sachen. Zwischendrin loben wir uns. Weil wir so schön singen. Dann singen wir weiter und dann wird wieder ausgiebig gelobt. So geht es die ganze Nacht, bis endlich die Sonne aufgeht.

Ich werde wach und bin nicht auf meiner Hallig sondern in meinem Dorf mit Regionalbahnanschluss. Ich habe gar keine Hallig. Ich habe eine Garage im Nachbardorf. Klara und Johanna waren natürlich auch nicht da. Wir kennen uns selbstverständlich gar nicht. Sie wohnen in meinem neuen Radio, da machen sie Musik, kommen niemals heraus und sie loben mich auch nicht. Nicht mal ein bisschen. Auch gut. Immerhin brauche ich dann auch nicht zu kochen. Es gibt ein Lied von Reinhard Mey, in dem er singt, dass er für Christine Ente mit Apfelsine kochen will. Obwohl er gar nicht kochen kann. Daraus wird dann aber nichts, weil er auf die Polizeiwache mitgenommen wird. Er hatte nämlich keine Papiere, die er aber vorzeigen sollte, weil sein Dackel einen Polizisten gebissen hatte.

Der Januar 2018 ist ein besonderer Monat, weil es innerhalb ein und desselben gleich zwei Vollmonde gibt. Das ist so nicht gedacht und passiert auch nicht so oft. Der erste Vollmond ist auch noch ein Supermond, das heißt, er hat seinen erdnächsten Punkt erreicht. Man sollte das am 1. und 2. Januar nach Mondaufgang beobachten können, wenn keine Wolken im Weg sind. Aber auch, wenn am Vormittag mal die Sonne scheint, ist das noch kein Grund, zu frohlocken. Am Abend kann es schon wieder anders sein und was für die Sonne gilt, muss für den Mond noch lange nicht gelten. Außerdem soll man den Tag nicht vor dem Abend loben. Dann aber richtig!

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