Schon am morgen

Ich stehe ja auf Gadgets; auf nutzlosen Krimskrams. Nur funktionieren muss es. Mein Spy-Headset war in dieser Hinsicht eine Enttäuschung. Resignation ergriff mich und ich habe mir lange nichts mehr gekauft, von ein paar Uhren abgesehen, die am Morgen wussten, ob ich nachts gut geschlafen hatte. Jetzt habe ich seit ein paar Tagen einen Postmelder. Er besteht aus einem linealartigen Funksender und einem schönen runden Empfänger mit einem Leuchtknopf in Gestalt eines Briefkuverts. Den Empfänger klebt man von innen an die Briefkastenklappe. Wird die Klappe geöffnet und wieder geschlossen geht ein Signal an den Empfänger und er blinkt aufgeregt. Wenn ich nun nach Hause komme, schaue ich in den Briefkasten. Meistens ist er leer. Danach komme ich in die Wohnung und sehe, dass der Postmelder nicht blinkt. Dann weiß ich, dass ich keine Post habe und kann in aller Ruhe an der Bar Platz nehmen. Jetzt suche ich noch nach einer Lösung für meine gelegentlichen Abwesenheiten von zu Hause. Ich denke da an eine IP-Kamera, die auf den Empfänger gerichtet ist und durch das Leuchten Briefkuverts aktiviert wird. Dann bekomme ich eine Email auf mein Handy und weiß, dass ich Post habe. Gegebenenfalls kann ich dann alle Unternehmungen abbrechen und nach Hause eilen, um die wichtige Post zu empfangen. 

Ich hatte irgendwann einen Wohnungsschlüssel für die elterliche Wohnung. Einen Briefkastenschlüssel hatte ich nicht. Der Briefkasten hatte auf der Seite im Hausflur mehrere Löcher. Mit einer Rute aus den Büschen vorm Haus und etwas Geschick bekam man die Post auch ohne Schlüssel heraus. Wenn „Familie“ oder „Fam.“ daraufstand, durfte ich den Brief öffnen und lesen. Manchmal waren Briefe auch an mich persönlich adressiert. Oder Postkarten. Zum Beispiel von der Stadtbibliothek, weil ich ein Buch nicht zurückgebracht hatte. Ich wüsste heute gern, welche Bücher ich mir damals wohl in der Stadtbibliothek ausgeliehen habe. Ich kann mich an kein einziges erinnern. Ich glaube, ich besaß auch nur ein einziges Buch, als Simone als die erste „Außerirdische“ in meine Umlaufbahn einschwenkte. Es war eine Märchensammlung von Alexander Puschkin unter dem Titel „Der goldene Gockel“. Simone las ganz andere Bücher. Ich weiß nicht mehr welche, aber es waren immer mehrere auf einmal und ihre Titel klangen bedeutend. 

Manchmal liegt Post im Briefkasten und der Postmelder blinkt nicht. Ein anderes Mal wiederum habe ich keine Post und der Postmelder blinkt. Manchmal glänzt etwas und es ist doch kein Gold. Und manchmal bin ich schon am morgen müd‘. 

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