Von null bis zehn

Ich hoffe sehr, dass ich nächtens tatsächlich in meinem Bett liege, denn zuletzt hatte ich sehr seltsame und verstörende Traumerlebnisse. Sollte ich doch noch in einer oder mehreren Parallelwelten unterwegs sein, bin ich geliefert. Mir kommt das vor allem deshalb komisch vor, weil es gestern beim ersten nächtlichen Blick auf die Uhr fast fünf war und beim zweiten halb zwei. Vielleicht läuft nachts meine Zeit rückwärts. Aber dann müsste ja jeden Morgen derselbe Tag sein. Wenn man allerdings jeden Morgen in einer anderen Parallelwelt erwacht, könnte man diese Tatsache vernachlässigen. Es ist aber extrem unwahrscheinlich, dass es sich so verhält, da meine Umgebung immer exakt die gleiche ist, wie am Abend zuvor. Geht man jedoch davon aus, dass es unendlich viele Parallelwelten gibt, kann es auch unendlich viele mit den exakt gleichen Umgebungen geben. Dass ich immer in ihnen aufwache, liegt vielleicht daran, dass ich alle diese Universen gewissermaßen in mir trage. Wenn ich in den Weltraum hinaus schaue, schaue ich in Wahrheit in mich hinein. Ich bin das Universum mit allen Paralleluniversen. Mag sein, dass es noch andere Universen gibt - für mich haben sie keine Bedeutung. Es gibt nur mich und alles Lebendige in diesen Universen bin ich selbst. 

Leider habe ich es noch nicht gelernt, mein Universum richtig zu handhaben, sonst käme es nicht andauernd zu unerwünschten Ergebnissen. Viel Unheil scheint dadurch zu entstehen, dass ich schlafen muss. Ein anderer Teil geht wahrscheinlich auf das Konto psychotroper Substanzen. Ein dritter, nicht zu unterschätzender Faktor ist meine Ignoranz. Wenn ich mich nur ein bisschen für Flughafenbau oder Regierungsbildung interessieren würde, wären wir wahrscheinlich schon viel weiter. 

Aber alles zu seiner Zeit. Ich hätte da noch ein paar andere Baustellen. Zunächst hoffe ich, dass ich mir nie wieder ein Möbelstück kaufen muss. Ich habe nämlich herausgefunden, dass meine Nachbarn, die die umfangreiche Hochtisch-Lieferung entgegengenommen haben, die sechs sperrigen Pakete die Treppe hochgetragen haben, weil der DPD-Mann das nicht machen wollte. Die Schamesröte steht mir immer noch im Gesicht. Manchmal ist man aber auch wie vernagelt. Hätte ich den Nachbarn meinen Schlüssel da gelassen, hätten sie den Tisch wahrscheinlich auch noch in meiner Wohnung aufgebaut. Dafür bekomme ich jetzt jeden Tag eine Email von Home24 in der sie fragen, wie wahrscheinlich es ist, dass ich sie meinen Freunden und Verwandten weiterempfehle. Von null bis zehn. 
Na? 
Ratet mal!

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