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Wie die Zeit vergeht

Eine der häufigsten Feststellungen im vergangenen Jahr war die, dass das Jahr diesmal ganz besonders schnell vergangen sei. Wenn man sich überlegt, wie es wohl dazu gekommen ist, kann es passieren, dass schon wieder ein ganzer Tag vergangen ist, ehe man eine Antwort gefunden hat. Mit dem Jahr ist es eben wie mit allem Anderen auch: Es besteht aus kleineren Teilen seiner selbst, die sich wiederum in immer kleinere Teile ihrer selbst zerlegen lassen. Wenn man das alles so vor sich liegen sieht, denkt man, es sei ganz schön viel. Das ist es aber nicht, es ist eben nur ein Jahr. Wenn einem das dann auf den letzten Metern desselben bewusst wird, behauptet man eben, es sei so schnell vergangen. Dabei hat man einfach nur am Anfang herumgetrödelt. Ein ganz alter Hut. Eigentlich wissen es alle, aber es passiert immer wieder. Wenn man sich aber statt des über einen hereinbrechenden Endes vorstellt, dass das Jahr einfach immer weitergeht, ist man schon aus dem Schneider. Aber so sind wir eben nicht. Wir drehen uns ganz gern im Kreis.

Wahrscheinlich würden wir wahnsinnig werden, wenn es nicht so wäre, denn der Kreis gibt einem ja Sicherheit. Man kommt immer wieder an denselben Stellen vorbei, wird immer sicherer und kann sich dadurch weiterentwickeln. Käme immer etwas Neues, dann erlebte man ständig Premieren und das wäre viel zu aufregend. An dieser Stelle erzähle ich immer gern von der Premiere des Stückes „Die gestohlene Sonne“, in der ich einen Ziegenbock gespielt habe. Wäre ich bei jeder Aufführung so aufgeregt gewesen, hätte ich wahrscheinlich meine vielversprechende Karriere am Theater frühzeitig abgebrochen. So habe ich sie gar nicht erst angefangen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Nun haben wir also Januar, genau wie voriges Jahr und wir wissen auch ziemlich genau, wie es weitergehen wird. Wir werden wieder sagen, dass es doch schlimm ist, dass es nicht mehr schneit. Es gibt ja gar keinen richtigen Winter mehr! Und dann wird das Schneechaos kommen und ich werde mich wieder über die Schneemassen auf meinem Balkon wundern. Nur in die Badewanne trage ich ihn nicht mehr. So etwas macht man nur einmal im Leben. Schließlich wird der schöne Frühling wiederkommen und ich werde wochenlang darüber schreiben, dass ich nun meinen Balkon bepflanzen müsste. Und dann dauert es gar nicht mehr lange und wir trinken wieder Schwarzbier und schütteln die Köpfe: Kinder, wie die Zeit vergeht!

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