Frühjahrsputz

Wenn einem nichts anderes mehr einfällt, beschäftigt man sich ja gerne mit ganz und gar abwegigem Zeug. Der Mensch will eben etwas zu tun haben. Untätig herumsitzen liegt ihm nicht. Untätig herumliegen steht ihm dagegen gut! Ich habe in den vergangenen zwei Stunden sämtliche mir bekannte Online-Portale besucht, die Spam-Ordner in allen Mail-Accounts durchgesehen und meine Brillen geputzt. Das kann man alles im Liegen erledigen. Wie schlimm es diesmal wirklich war, merkte ich daran, dass ich mich nach dem Aufstehen dabei erwischte, wie ich den Herd in der Küche mit Scheuermilch einweichte. Aus der Nummer komme ich jetzt nicht mehr raus, da kann ich so aufgeregt auf die Tastatur einhämmern, wie ich will. Ich muss jedenfalls die Scheuermilch wieder vom Herd entfernen, wenn ich nachher etwas darauf erhitzen will. Selbst bei äußerster Vorsicht kann es dann passieren, dass die wertvolle Patina, die sich in den vergangenen achteinhalb Jahren dort gebildet hat Schaden nimmt. Ich weiß auch nicht, was mich da wieder geritten hat: Mehr als acht Jahre sorgfältig gepflegter Verwahrlosung durch eine einzige gedankenlose Sekunde zunichte gemacht!

Das Schlimme ist ja, dass sich der Herd in all den Jahren farblich perfekt in die Küchenzeile eingepasst hatte. Nachdem ich die Scheuermilch endlich herunter hatte, stach er unangenehm grell unter den anderen Küchenmöbeln hervor. Jetzt gab es kein Halten mehr. Ich rief bei der Arbeit an und meldete mich für den Rest der Woche krank. Da meine Kolleginnen auch schon fast alle krank waren, vertraute ich die Mitteilung dem Anrufbeantworter an, der offenbar noch nicht krank war. Jetzt beginne ich zu verstehen, warum es im Vorfrühling immer so viele Krankmeldungen gibt. Man hat ja schließlich einen Haushalt zu führen! So ein Anrufbeantworter ist da fein raus und lässt sich von vorne bis hinten bedienen. Da hat man freilich Zeit genug, um im Büro rumzustehen.

Leider ist die ganze Putzerei ein Faß ohne Boden. Eine Sisyphosaufgabe. Als ich mit der Küchenzeile fertig war, wirkte das Gelbbraun der Tür neben dem Weiß der Möbel irgendwie unansehnlich. Nach der Reinigung der Tür werde ich die ganze Wohnung malern und anschließend den Fußbodenbelag erneuern müssen. Dann sind die Fenster auszuwechseln und anschließend wird die Fassade gesandstrahlt. Das blitzblanke Haus passt dann nicht mehr in den Wohnpark und wenn der Wohnpark endlich fertig ist, ist der Bahnhof zu oll. Der Bahnhof wird dann mit dem gesamtdeutschen Schienennetz umgestaltet, die Hauptstadt von Grund auf neu gebaut und dann wird klar werden, dass der immer noch nicht fertiggestellte Flughafen viel zu klein ausfällt. Also: Füße stillhalten!

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