Gute Idee

Kultur hat irgendetwas mit „bauen“ zu tun. Leider ist das so. Gebaut wird einfach immer und überall. Wenn man in einer Kultur leben will, muss man sich damit abfinden. Die Bahn baut in Berlin und Brandenburg an einhundert Stellen gleichzeitig. Dass überhaupt noch etwas fährt, grenzt an ein Wunder. In Berlin werden demnächst alle Parkplätze zu Radwegen umgebaut. Das ist schlau, denn bald wird man nur noch mit dem Fahrrad durchkommen. Man darf die Bautätigkeit nicht ziel- oder ergebnisorientiert betrachten! Dann ist man nur frustriert. Bauen ist ein niemals endender Prozess. Durch das Bauen entfaltet sich die kulturelle Vielfalt einer Gesellschaft. Die Beschäftigten im Baugewerbe sind unsere wahren Kulturschaffenden. Es entstehen zum Beispiel neue Fähigkeiten und Fertigkeiten bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Wer wie früher nur eine Verbindung kennt, erst diesen Bus, dann jene Bahn, der wird scheitern. Man muss ungefähr die Richtungen kennen, bereit sein, jederzeit umzusteigen und neue, ungewohnte Wege beschreiten. 

Eine ältere Dame im Bus versuchte sich die Strecke einzuprägen, sie müsse das „optisch aufnehmen“. Eine andere Dame erklärte ihr, dass das sinnlos sei, da der Bus hinzu anders führe, als zurück. Es liege an den Baustellen. Die ältere Dame schrieb sich eifrig alles auf. Ich bezweifle aber, dass ihr das helfen wird. Man darf sich aber auch nicht an anderen Reisenden orientieren. Ich habe kürzlich einen Bus wegfahren lassen, weil vor mir zwei Leute wieder kehrt machten und ausstiegen. Ich dachte, dann ist es wohl der falsche Bus. War es auch, aber nicht für mich. Was für den einen falsch ist, kann für den anderen durchaus richtig sein. 

Martin Schulz hat Sigmar Gabriel unlängst als „Emotionsbrötchen“ bezeichnet. Weil er selbst auch eins sei. Ich kenne ja „eingeschnappte Leberwurst“ oder „doof wie Stulle“. „Emotionsbrötchen“ habe ich aber noch nie gehört. Mir ist auch noch nicht zu Ohren gekommen, wie Gabriel darauf reagiert hat. Ich wollte aber auf etwas anderes hinaus, nämlich auf die Idee des kostenlosen Nahverkehrs. Das ist natürlich eine gute Idee. Sie wird aber nicht die Autos von der Straße holen. Ich glaube nicht, dass jemand aus Kostengründen mit dem Auto fährt. Der Nahverkehr müsste einfach besser funktionieren, so dass man schneller am Ziel ist und das Fahren bequemer ist. Solange die Fahrt mit den Öffentlichen einer Stadtrallye  gleicht, ist es eher etwas für Sportler, die den Kick suchen und denen Joggen zu langweilig ist. Nichts für Emotionsbrötchen. 

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