Nichts. Niemand. Gar nichts.

Es gibt noch ein anderes kleines Männchen, das leider nicht im Internet wohnt. Es steht an der Tür, wenn man grade zum Einkaufen los will, lächelt einen an und sagt, man brauche doch eigentlich gar nicht einkaufen und wenn doch, könne man es morgen immer noch erledigen. Gut, denkt man, es gibt ja genug Anderes zu tun. Setzt man sich dann an seinen Schreibtisch, um die Steuererklärung auszufüllen, ist das Männchen plötzlich wieder da, winkt ab, gähnt und rekelt sich und erklärt, die Steuererklärung laufe einem schon nicht weg, morgen sei auch noch ein Tag. In der Küche steht es vor dem Abwaschberg: man dürfe doch gar nicht mit Wasser hantieren, der Verband darf nicht nass werden. Erst wieder nach dem Fäden ziehen! So geht die Woche dahin und ab Montag muss ich wieder meine Zeit zu Markte tragen. Fragt mich einer, was ich eigentlich gemacht habe, fällt mir nichts ein. Aber genau das sollte ich ja auch machen: Nichts. Das Männchen hatte also recht und ich tue ihm Unrecht. 

Nichtstun ist sehr schwer. Man kann es auch nirgendwo lernen. Das liegt daran, dass man dann ja schon wieder etwas tut. Dabei ist Nichtstun uns allen in die Wiege gelegt. Da es aber ab der ersten Minute so unglaublich viel zu tun gibt, ist es das erste, das wir wieder verlernen. Danach verlernen wir das Schwimmen. Würden wir das Nichtstun freilich nicht verlernen, blieben wir dumm, unselbständig und unmündig. Alles hat eben seinen Preis. 

Also wende ich mich wieder der Steuererklärung zu. Oder doch erst einkaufen? Für den Abwasch kann man einen Handschuh benutzen. Das Männchen scheint wie vom Erdboden verschluckt. Es gibt so viel zu tun. Ich glaube, in einer WG funktioniert das mit dem Nichtstun am Besten. Man kann sich einfach darauf verlassen, dass es die Anderen schon machen werden. Notfalls macht man noch einen Zettel an den Kühlschrank und dann die Tür zu. Mein WG-Erfahrungen liegen lange zurück und am Anfang war es eine Mädchen-WG. Danach zog ich zu einem alten Freund, aber das war dasselbe. Eigentlich musste ich nie etwas machen. Und jetzt alles auf einmal! Ich bin nun mal für das Nichtstun geschaffen. Ich bin Tonio Kröger. Im Vergleich mit Mäuschen bin ich aber ein Niemand. Jetzt ist es schon heller Vormittag und ich habe sie noch gar nicht bemerkt, weil sie so schön nichts tut. Das kann sie. Selbst wenn sie Klavier spielt sieht man davon nichts. Gar nichts. 

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