Ohne Groll und Bitterkeit

Es gibt alles im Abo. Manche Sachen gibt es nur noch im Abo. Die Zeitung sowieso. Radio und Fernsehen auch. Computersoftware genauso. Das Sockenabo wird 2019 20 Jahre alt. Mit dem Bierabo kriegt man jeden Monat neue spannende (!) Biere. Das Problem beim Abo ist allerdings, den Überblick zu behalten. Ich habe inzwischen so viele Probeabos am Laufen, dass ich die Kündigungsfristen garantiert verpassen werde. Dann werden die Abos nach und nach mein Konto leersaugen und das war’s dann. Für manche Abos muss ich monatlich zahlen, für andere jährlich. Ich sehe nicht mehr durch. Gerade habe ich ein Klamottenabo abgeschlossen, bei dem mir monatlich was zum Anziehen geschickt wird. Ich muss es nicht mehr aussuchen. Endlich. Wieder eine Sorge weniger. Leider werde ich mir nun aber auch einen Kleiderschrank kaufen müssen. Melissa, meine Stylistin hat mir schon geschrieben. Zuerst brauchte sie ein Foto von mir. Demnächst benötigt sie vielleicht ein Foto von meinem Kleiderschrank. Dann sehe ich alt aus.

Ganz bestimmt gibt es aber ein Möbel-Abo. Ein Architekt bekommt den Grundriss meiner Wohnung und monatlich bekomme ich dann neue Möbel zugeschickt, die meine armen Nachbarn dann die Treppe hochtragen müssen. Insgesamt ist das doch aber alles sehr schön. Ich glaube inzwischen, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis man sich das ganz Leben auf diese Weise schön-abonnieren kann. Leben im Abo. Man bekommt ja jetzt bereits nur noch die Nachrichten, die man auch hören oder lesen will. Den öffentlichen Nahverkehr kann man schon lange abonnieren. Nur bei der Fahrgastauswahl herrschen noch Willkür und Zufall. Das muss aber nicht so bleiben. Bodycams machen bald automatisch Fotos von allen Mitfahrenden und abends kann man sie dann auf dem Handy nach links oder nach rechts wischen. Nach links gewischte Fahrgäste sieht man nie wieder.

Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft kann man dann Politiker abonnieren. Jeder bekommt dann die Regierung, die er oder sie abonniert hat. Die sind dann im abonnierten Fernsehsender zu sehen oder in der abonnierten Zeitung. Niemand ist mehr unzufrieden, denn wenn etwas nicht passt, kann man das Abo jederzeit kündigen und ein neues abschließen. Die Politiker, die gar keiner mehr abonnieren will, müssen nach Brüssel oder zur Nato. Bevor ihnen das passiert, können sie sich aber auch einfach selbst abonnieren. Wenn sie dann abends nach Hause kommen, können sie sich weiter selbst im Fernsehen sehen. Und so sind am Ende alle zufrieden. Ohne Groll und Bitterkeit.

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