So weit sind wir noch nicht

Ich esse ja mal wieder zu viel. Morgens, mittags, abends, nachts, zwischendurch - ständig bin ich am Essen. Manchmal kaufe ich dann am Anfang der Woche Gemüse; Tomaten, Paprika und sowas. Am Ende der darauffolgenden Woche muss ich es dann wegschmeißen. Gemüse wird ja so schnell ungenießbar. Ein Spaghetti-mit-Tomatensoße-Fertiggericht kann man dagegen fast unbegrenzt aufbewahren. Meistens esse ich aber Bratwurst. Das kann ich hier aber gar nicht schreiben. Ein Bekannter hat mir nach der zurückliegenden Wahl erzählt, dass er die Tierschutzpartei gewählt habe. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, habe ich ihm erzählt, ich würde nur noch Gemüse essen. Am vergangenen Wochenende habe ich dessen ungeachtet sogar ein geräuchertes Hähnchen gegessen. Das wäre früher undenkbar gewesen. Da hätte ich mir höchstens vorstellen können, geräucherten Fisch zu verzehren.

Gestern ist mir dieser schöne alte Brauch wieder eingefallen. Fisch passt ja auch viel besser zur Fastenzeit als Hähnchen, wobei geräuchertes Hähnchen haargenau so schmeckt, wie geräucherter Fisch. Die Optik kann einen in diesem Fall allerdings durcheinanderbringen. Man sieht zwar ein Hähnchen, schmeckt aber Fisch. Das kann zu Verwirrung bis hin zur Übelkeit führen. Ich habe mal erlebt, dass die Mahlzeit eingestellt wurde, weil Sehen und Schmecken nicht mit einander vereinbar waren. Aber was rede ich denn da, ich weiß ja gar nichts über Geschmack. Die gustatorische Wahrnehmung (wenn man das in meinem Fall überhaupt so nennen kann) beginnt bei mir ja erst unterhalb des Zäpfchens. Vorher merke ich noch nicht einmal, dass ich etwas im Mund habe. Na, jedenfalls wollte ich mir geräucherten Fisch kaufen, um meinen Speisezettel etwas abwechslungsreicher zu gestalten, wie man so schön sagt. Da mein räumliches Sehvermögen im Augenblick auch etwas eingeschränkt ist, habe ich ein Schild falsch zugeordnet und kaufte einen Bückling, rund. Ich bekam einen ganzen geräucherten Hering, der nicht ausgenommen war.

Ich habe den Fisch gegessen. Viel mehr möchte ich darüber jetzt gar nicht schreiben. Zum Ausgleich für das übermäßige Essen bewege ich mich weniger. Mein neuer Fitness-Tracker lässt sich sehr leicht zufrieden stellen. Manchmal sitze ich stundenlang im Sessel und bekomme dann mit großem Hallo eine Benachrichtigung, dass ich gerade mein Steh-Ziel erreicht hätte. Vor lauter Freude steigt mein Puls und schon nach wenigen Minuten habe ich auch mein Trainingsziel erreicht. So habe ich mir das immer vorgestellt. Wenn die Daten jetzt an meine Krankenkasse übermittelt werden, müsste ich eigentlich einen ordentlichen Bonus bekommen. Aber so weit sind wir noch nicht.

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