Wieder falsch

Das erste, was man sich als Reiter kaufen musste, war eine Reitkappe. Als Voltigierkind brauchte man keine. Komisch. Nun konnte man ja weder bei Amazon bestellen, noch in einen Reiter-Shop gehen. Ich hatte wahrscheinlich noch Glück, weil ich Berlin-nah wohnte. In der Hauptstadt gab es am Alexanderplatz die Suhler-Jagdhütte. Hier konnte man unter anderem Reitkappen kaufen. Das Wichtigste, was man dafür brauchte, war der Kopfumfang. Ich habe ihn damals gewusst. Jetzt musste ich eine neue Mütze kaufen, weil ich die alte im Bus vergessen hatte. Mützen gibt es neuerdings häufig in Einheitsgröße. Unisize. Beim Kauf freut mich das ungemein, weil ich mir eigene Körperdaten nicht merken kann. Wahrscheinlich eine Schutzfunktion. Es beginnt mit dem Blutdruck, setzt sich fort beim Gewicht und endet bei Maßen wie Größe, Taillenumfang oder eben Kopfumfang. Mit der Freude ist es dann aber schnell vorbei, wenn ich das Einheitsgrößenprodukt anziehen will. Im Fall der Mütze wurde es einfach dunkel. Offenbar habe ich keinen Einheitskopf. Da ich mich an optische Einschränkungen inzwischen gewöhnt habe, machte es mir nicht viel aus, dass ich unter der Mütze nun gar nichts mehr sehen konnte. 

Es gibt ja ohnehin kaum etwas Schönes zu sehen. Meinen Weg kenne ich auswendig und die Mütze wärmte die Augenpartie sehr wirksam. Dann wurde ich aber beinahe von einem Ast erschlagen, weil ich natürlich nicht gesehen hatte, dass ein Schild am Parkeingang vor Baumschnittarbeiten warnte. Das zeigte mir aber nur, das meine Glückssträhne weiterhin anhält. 

Plötzlich wurde es hell. Jemand riß mir jäh die Mütze vom Kopf. Es war die zweite der drei Arbeitskolleginnen, zu deren Aufgaben es gehört, mich zu betreuen. Sie denken immer noch, ich wüsste es nicht und geben sich viel Mühe mit ihrer Tarnung. Die Kollegin klärte mich auf, dass ich die Mütze schon wieder falsch aufgesetzt hätte. Die Nähte der Mütze müsste ich über den Ohren tragen. Das wusste ich tatsächlich nicht. Die Mütze hat schließlich ein kleines Metallschild. Ich habe mir während meiner aktiven Dienstzeit angewöhnt, das Emblem der Bärenvotze (es kann sein, dass das vorstehende Wort von Facebook gelöscht wurde, aber so hieß die NVA-Wintermütze nun mal) genau über der Nase zu tragen. Man kontrollierte das, indem man es mit dem Zeigefinger ertastete und diesen dann senkrecht und auf die Seite gelegt über das Gesicht legte. Wenn der Finger genau auf dem Nasenbein lag, saß die Mütze richtig. Offenbar muss ich nun umdenken. Das Schild muss links. 

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