Das Leben

Wladimir Putin muss sich überlegen, wie er nach Ablauf der Wahlperiode 2018-2024 weiter machen will. Nach der Verfassung darf er nicht dreimal hintereinander gewählt werden. Man sagt, auf die anstrengende Arbeit als Ministerpräsident hätte er dann keine Lust mehr. Da Donald Trump ab 2024 ein ähnliches Problem hat, kursieren Gerüchte, dass Putin nach Washington wechselt und Trump dann nach Moskau geht. Die Verfassungsexperten beider Nationen tüfteln schon, wie das gehen könnte. Es ist überall schwierig geworden, die Führungspositionen zu besetzen. In meiner Firma haben sie vor kurzem einen ehemaligen Chef aus dem Ruhestand zurückgeholt. Die, die es könnten, wollen nicht mehr und die, die wollen, können es nicht. Übrig bleiben dann die, die müssen, weil ihre Rente vielleicht sonst nicht reicht. So ist das. Überall Schwierigkeiten, nichts als Schwierigkeiten.

Ein zeitlang habe ich gedacht, man müsse den Schwierigkeiten einfach aus dem Weg gehen. Wenn auf meinem Weg ein Baum liegt, fahre ich eben woanders lang. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Nehmen wir zum Beispiel das Problem mit der Erwerbsarbeit. Sie ist wirklich extrem lästig, aber angenommen, ab 1. April käme das Grundeinkommen von 1500 Euro monatlich. Ich wäre versucht, einfach nicht mehr hinzugehen. Aber was wäre dann? Ich würde wahrscheinlich einfach zerfließen, wie ein Schneemann in der Frühlingssonne. Die Kälte, alles, was mich hart gemacht hat, wäre fort. Das fühlt sich erst mal wunderbar an, aber am Ende würde ich wohl verschwinden. Denn was uns vorwärts bringt und was uns Kontur verschafft, das sind die Schwierigkeiten. An ihnen wachsen wir und durch die Reibung mit ihnen werden wir warm, wenn es auch noch so kalt da draußen ist. Unser ganzer Planet konnte sich nur entwickeln, weil es Schwierigkeiten gab, von Anfang an bis heute.

Fast alle Schwierigkeiten rühren daher, dass wir aus unerfindlichen Gründen danach streben, schwierigkeitslos zu leben, obwohl wir dafür nicht gemacht sind. Wir treffen uns nur noch mit Menschen, die ähnliche Ansichten haben wie wir. Andersdenkende sollen in ihrer Blase verschwinden, wir wollen uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Dabei kann nur aus einer solchen Auseinandersetzung etwas Neues entstehen. Frau Merkel will die AfD kleiner machen und wenn möglich ganz verschwinden lassen. Horst Seehofer will den Islam nicht in Deutschland haben, weil Deutschland nun mal christlich ist. Wenn wir aber alle wieder miteinander sprechen würden, würde sich vieles verändern. Die AfD würde sich verändern und der Islam würde sich auch verändern. Und: Deutschland würde sich verändern. Das ist alles anstrengend und schwierig. Aber es wäre: Das Leben.

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