Falscher Clown

Falscher Clown
Ich habe früher immer „Kloon“ gesagt, da gab es die Doppeldeutigkeit mit dem Klon noch nicht. Clown, sprich „Klaun“ war ja amerikanisch, das war nicht politisch korrekt. Und er hieß Ferdinand. Kloon Ferdinand. Ich hatte eine Platte, auf der er es mit dem Störteufel aufgenommen hat. Ganz schön gruselig. Der Clown war ein eigentlich trauriger Mann, der sich im Kontrast zu seiner Traurigkeit kleidete und schminkte. Gern heftete er sich eine Sonnenblume ans Revers. Große Clown-Vorbilder sind der Harlekin (Arlechino), Pierrot und Pulcinella - im Ursprung übrigens alles Italiener. Leider haben die beiden Herren, sowie auch der deutsche Pierrot, der sie als Clowns betitelt hat, mit denen nichts gemein. Es ist auch eine traurige Tradition, sich als harmloser Clown zu tarnen, um seine wahre Schurkennatur zu verbergen. Wie zum Beispiel der Joker bei Batman. Sollte aber ein Land mal von echten Clowns regiert werden, solchen wie Ferdinand oder Harlekin und Pulcinella - das wäre nicht schlecht. Dass das für Technokraten, Bürokraten und Autokraten eine entsetzliche Vorstellung ist, liegt auf der Hand. Clowns ins Kanzleramt! „Kinder an die Macht“ fanden alle toll. Aber es geht ja nicht, wegen des Grundgesetzes können Kinder gar keine Macht haben, die hätten im Zweifelsfall nämlich die Eltern. Also kann man es gefahrlos toll finden. Aber wenn jetzt die Clowns kommen, tollpatschig, über zu große Schuhe stolpernd, ohne Konzepte aber mit Sonnenblumen im Herzen! Armer Pierrot! Leider wird das nicht passieren, denn auch das gehört zu Clown-Sein: Keine Macht zu wollen. Wir könnten einen echten Clown nicht wählen, weil er nicht kandidieren würde. Daran kann man sie erkennen. Und es ist nicht Schlechtes an ihnen.

Geschafft
Es wird wieder hell. Dunkelheit und Kälte sind einmal mehr durchgestanden. Der Planet dreht sich wieder in die Sonne. Zum Glück. Vielleicht wird es nachts noch mal kalt, aber im Großen und Ganzen ist es vorbei. Man schlittert ja so rein in diese schlimme Zeit. Ich weiß gar nicht genau, wann es los geht. Im September ist eigentlich noch alles gut, im Oktober auch. Im November war ich noch an der Ostsee. Es muss im Dezember gewesen sein, aber zum Ende hin wurden die Tage ja schon wieder länger. Es ist wie mit allen Ereignissen: Wenn sie begonnen haben, sind sie eigentlich schon vorbei. Darum gibt es den Frühling, wegen der Vorfreude auf den Sommer. Der Herbst ist für die Nachfreude. Den Winter gibt es eigentlich gar nicht. Wenn wir nicht so viele geworden wären, könnten wir ja einfach in den Süden ziehen, im Herbst. Immer auf der Sonnenseite. Das geht hauptsächlich deswegen nicht mehr, weil dann das Gewicht auf der Sonnenseite so groß würde, dass sich die Erdachse wieder gerade stellt. Das wäre ziemlich blöd, denn dann kriegen wir den Planeten nicht mehr richtig durchgewärmt. An den Polen wäre es dann immer dunkel. Die armen Pinguine. Die können sich jetzt auch langsam warm anziehen, zu denen kommt jetzt bald der Winter. Ha, ha. Wir haben es hinter uns. Aber das ist ja kein Vergleich. Die Kaiserpinguine sind wirklich die Allerhärtesten. Warum machen die das? Wieso hauen die nicht ab? Weshalb bewahren sie das Ei? Es ist ein Rätsel. Sie könnten beschließen, dass es vorüber ist, ein für alle mal. Aber sie warten. Sie harren aus ohne Essen und Trinken, ohne Frauen, in unvorstellbarer Kälte und ohne Licht. Und tatsächlich: Es wird wieder hell.

Aus Entropie und Wollmaus, 2013

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