Gefahren

Die Übergangszeit ist sehr gefährlich. Viele Menschen werden jetzt krank, weil sie nicht die richtige Übergangskleidung haben. Für die Wintersachen ist es noch zu warm, für die Sommersachen ist es schon zu kalt. Zieht man trotzdem die warmen Sachen an, schwitzt man und zieht sie zu früh wieder aus. Zack! Erkältung. Oder Schlimmeres. Das ist eine Erklärung für die vielen Krankmeldungen in diesen Tagen. Ich vermeide es daher, in der Übergangszeit aus dem Haus zu gehen. Trotzdem lauern auch intramural Gefährdungen für die Gesundheit, die der Übergangszeit geschuldet sind. Ein Beispiel ist die Getränkeversorgung. Im Sommer ist das helle Hefeweizen das Standardgetränk. Im Winter ist es folgerichtig das dunkle Hefeweizen. In der Übergangszeit habe ich beide Sorten vorrätig. Die Entscheidung muss vor jedem Gang zum Kühlschrank neu getroffen werden. Wenn einem bewusst wird, dass die Entscheidung jetzt unmittelbar bevorsteht, kann man sich dabei so hochschaukeln, dass man gar nichts mehr entscheiden kann und obendrein ins Schwitzen kommt. Dann macht man den Kühlschrank auf und verfällt angesichts immer noch ausstehenden Entscheidung in einen Dämmerzustand, der bis zu einer halben Stunde andauern kann. Da man nun geschwitzt ist, sich natürlich nichts übergezogen hat aber sehr lange vor dem offenen Kühlschrank steht, bekommt man unweigerlich eine Erkältung. Im günstigsten Fall. Wenn man Pech hat, kann noch eine lebensbedrohliche Dehydration dazukommen, falls der Lähmungszustand zu lange anhält.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten der Prävention. Eine besteht darin, analog zur Umrüstung auf Winterbereifung bei Kraftfahrzeugen vorzugehen. Hier tauscht man ja auch gleich alle vier Räder an einem Termin aus. Eine Übergangszeit entfällt. Eine andere Option wäre die Lagerung der Getränke auf dem nun schon kühlen Balkon. An der Balkontür muss dazu von innen ein Schild mit der Aufschrift „Jacke anziehen“ angebracht werden. Drittens könnte man grundsätzlich in der Übergangszeit jeweils zwei Gläser einschenken und trinken. Eins mit dunklem und eins mit hellem Hefeweizen. Dann entfällt die Entscheidung.

Hinweise auf diese erheblichen Gesundheitsgefahren in der scheinbar sicheren Wohnung sucht man in der Literatur vergeblich, sie werden hier zum ersten Mal beschrieben. Offensichtlich sind hier seit Bestehen der Bundesrepublik Jahr für Jahr erhebliche Opfer in der Bevölkerung in Kauf genommen worden. Hinter dieser Vertuschungsstrategie steckt eine mächtige Allianz aus Kühlschrankherstellern, Brauereien, Vermietern und Jörg Kachelmann. Ich setze mich mit der Beschreibung dieses Sachverhaltes einer neuen und weitaus größeren Gefahr aus.
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Aus: Debakel im Standkorb, 2013

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