An uns glauben

Jetzt ist die Waschmaschine kaputt gegangen. Zum Glück nicht meine, aber irgend ein armer Kerl steht jetzt ohne funktionierende Waschmaschine da. Ich kann nur mit den Schultern zucken, denn ich bin ja kein Waschmaschinist. Mit fremden Waschmaschinen kann man sich ja auch überhaupt nicht mehr auskennen. Ich weiß nicht, auf welche Knöpfe man drücken muss und wohin man das Drehrad drehen soll, weiß ich schon gar nicht. Ich weiß auch nicht, wozu die verschiedenen Temperaturen dienen sollen. Ich will meine Wäsche schließlich nicht weich kochen - oder sollte ich das? Bei meiner Waschmaschine habe ich nach längerem Probieren herausgefunden, welche Drehradstellung am wenigsten zeitaufwändig ist. Jetzt ist die Wäsche nach 15 Minuten durch. Eigentlich ist sie sogar schon schrankfertig, weil ich sie trocken herausnehmen kann, wenn ich den Wasserhahn nicht aufdrehe. Aber das sind alles Tricks, die man erst nach mindestens einem halben Leben draufhat. Warum sollte ich sie hier für lau heraus posaunen?! Schließlich musste ich auch mein Lehrgeld zahlen. Ich habe alles durch; von Waschsalon über WM66 bis wieder-zu-Hause-waschen-lassen. Ich bin sozusagen mit allen Wassern gewaschen.

Die Waschmaschine ist aber auch ein Symptom unserer Gesellschaft. Ich treffe kaum noch Menschen, die zum Beispiel den Wasserhahn auf- und wieder zu drehen. Geschweige denn den Stecker ziehen. Wasser und Strom müssen immer im Standby bleiben, denn die Waschmaschine läuft täglich. „Ich kann doch nicht jedes Mal den Stecker rausziehen!“ ist ein geläufiger Satz. Natürlich kann man das nicht. Wie sollte das denn gehen, jedes mal den Stecker rauszuziehen? Und dann jedes Mal wieder reinstecken. Das kann ja gar nicht gehen. Nun, wahrscheinlich und offensichtlich ist das auch gar nicht notwendig. Ich finde es darüber hinaus interessant, dass es so viele Waschmaschinen gibt, die täglich in Betrieb sind. Ich möchte lieber nicht schreiben, wie oft meine Waschmaschine die Wäsche wäscht. Sie ist nicht besonders fleißig. An Faulheit wird sie nur noch von meinem Staubsauger übertroffen. Ich könnte nicht sagen, wann er zum letzten Mal mit dem Stromnetz verbunden war. Der Termin der letzten Entleerung seines Beutels verliert sich im Galopp der Ereignisse. Diese beiden Produkte sind offenbar am Markt gescheitert. Das ist kein Wunder, denn Waschmaschinen und Staubsauger kauft man nicht so oft. ich finde es traurig, dass wir alle „ständig sehen müssen, wo wir bleiben.“ Denn eigentlich müssen wir das nicht. Wir müssten nur darauf vertrauen können, dass wir das sind, das wir werden. Und ein bisschen an uns glauben.

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