Ballast

Was wurde nun eigentlich aus dem Fahrrad? Tja, was soll ich sagen? Es kommt eben so, wie ich es mir ausdenke. Seltsamerweise ist mir das in dem Augenblick, in dem sich die Dinge ereignen aber nicht bewusst. Ich überreichte voller Vorfreude auf einen großartigen Fahrrad-Sommertag meinen Abholschein. Freitag wurde auf einmal sehr aufgeregt. Es gäbe Probleme! Große Probleme!! Ich sollte mitkommen. Mich erinnerte das alles an eine Szene aus den Mosaik-Heften mit der Abrafaxe. Da hatte der Wirt die Muskete von Abrax als Hebel auf eine verbogene Wagenachse gesteckt und kriegte sie nicht mehr runter. Die Muskete war danach hinüber. So ungefähr zeigte mir Freitag am Freitag mein Fahrrad und es sah auch ungefähr so aus, wie die Muskete von Abrax. Da es sich um ein Motorfahrrad handelte, hatte es ein sensorisches Tretlager und das konnte Freitag nicht so ohne Weiteres beschaffen. Erstens gäbe es lange Lieferzeiten und zweitens wäre es nicht ganz billig. Er schätze mich so ein, dass ich so einer sei, der mit dem Computer nach so etwas suchen könnte. Er könne das nicht. Dann schrieb er mir noch auf, unter welcher Bezeichnung ich das Teil suchen sollte.

Ich musste wieder mit dem Bus nach Hause fahren, was ich aber sehr angenehm fand, weil unsere Busse so schön klimatisiert sind. Zu Hause fand ich noch die alte Fahrrad-Rechnung und rief beim Händler an. Der konnte sich tatsächlich noch an das Fahrrad erinnern, vielleicht lachen sie heute noch über die Geschichte. Ich müsste ihm das Fahrrad aber schon bringen, vom Telefon aus könnte er nichts machen und mit Elektronik kenne er sich auch nicht aus, er sei schließlich Fahrradmechaniker.

Ich bin nicht mal das und wie es aussieht, habe ich jetzt noch eine Sorge weniger. Seltsamerweise lassen sich ja Fahrräder immer seltener noch reparieren und man kauft statt dessen einfach neue. Man weiß nicht mehr wohin mit der Altlast. Mein vorletztes Fahrrad, vor dem elektrischen, habe ich einfach an der Straße stehen lassen. Ich hatte sehr lange ein schlechtes Gewissen. Das bleibt mir nun erspart, denn ich lasse das Fahrrad einfach bei Berger stehen. Vielleicht war das ja sein Plan. Sei’s drum. Ich werfe Ballast ab. Ha! Und auch das habe ich schon geschrieben, in Tamagotchi: Frau Horn und zwei Männer tragen das Fahrrad weg, nachdem Krause keine Miete mehr zahlen kann und die Tür nicht aufmacht. Der letzte Ballast ist die Wohnung. Sie liegt schon auf dem Brunnenrand.

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