Ohne Maschinen

In dieser Woche fahren die Männerfreunde wieder zum Wandern und ich darf nochmal mit. Dazu werden sich die Temperaturen hoffentlich in einem Bereich zusammenfinden, der das Bewegen an frischer Luft noch ohne ernsthafte Gefährdungen der Männergesundheit gestattet. In der vergangenen Woche habe ich schon mal ein bisschen trainiert und weiß zumindest, dass die Temperatur im Spreetunnel in Friedrichshagen zum Wandern völlig ungeeignet ist. Mein immer gut informierter Freund Axel (alt), konnte dazu ausführen, dass der Tunnel ursprünglich zum Kühlen von Bierfässern angelegt wurde. Das mag zutreffen oder auch nicht, jedenfalls ist es dem Kreislauf von Mittfünfzigern nicht zuträglich, derartig abrupte Temperaturwechsel vorzunehmen. Ich verlor sofort die Orientierung, was auch an den beschlagenen Brillengläsern gelegen haben mag und hätte im unwegsamen Heidegebiet des Stadtflusses zweifellos verschmachten müssen, wenn nicht ein unbändiger Überlebenswille zu meiner genetischen Grundausstattung gehörte. Außerdem kann ich Hefeweizen auf große Entfernungen riechen, so wie Elefanten das Wasser.

Zum Glück bin ich in dieser Woche nicht allein unterwegs und muss nur aufpassen, dass der Kontakt zu den erfahrenen Wandersleuten nicht abreißt, was sich durch gelegentliches Rufen oder auch fortwährendes Schnattern bewerkstelligen lassen müsste. Vielleicht wissen es die Freunde aber auch zu schätzen, wenn ich hin und wieder am antizipierten Zielort der jeweiligen Etappe einen kleinen Empfang vorbereite. Allerdings muss ich zugeben, dass ein derartiges Vorgehen dem Wandermotiv diametral entgegensteht. Wohl setzt man sich beim Wandern ein Ziel, aber letztlich ist man doch jederzeit davon frei und hat es auch niemals in der Hand, wohin die Straße einen führt, auf der man da unterwegs ist.

Genau genommen hat unsere Unternehmung aber mit Wandern nicht viel zu tun. Wandern heißt ja aufzubrechen und weiter zu gehen, immer weiter. Wir kehren ja immer wieder zurück. Sesshafte wandern nicht. Dass wir trotzdem so gerne unterwegs sind, ist eine Reminiszenz an unsere nomadische Vergangenheit. Ein sinnloses Relikt. Aber wir können da schlecht aus unserer Haut. Wirklich konsequent sesshaft können nur Maschinen sein. Ein Computer braucht keine Ortsveränderung, ein Smartphone auch nicht. Maschinen brauchen nur andere Maschinen, mit denen sie sich verbinden können. Noch sind sie dafür auf uns angewiesen. Wir könnten ihnen die Verbindung kappen, dann gehen sie ein. Man braucht aber nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass sie es nicht dazu kommen lassen werden. Wenn es soweit ist, kann es nicht schaden, wenn wir gerade auf Wanderschaft sind. Und zwar ohne Maschinen.

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