To-go

Ach ja, der Mond. Der Mond ist rund und schön. Die Sonne strahlt ihn an, dann leuchtet er. Hätten wir keinen Mond, müssten wir einen erfinden. Was könnte man noch damit machen? Nun, wir könnten unsere ganzen Plastiktüten dorthin bringen. Wenn unser Meer ein Plastik-Meer geworden ist, machen wir aus dem Mond einen Plastik-Mond. Ein paar Sachen sind ja schon da. Insgesamt haben wir schon mehr als 190 Tonnen Krimskrams auf den Mond verbracht. Unter anderem ein paar Golfbälle, aber auch ein Kunstwerk. Es heißt Fallen Astronaut und ist eine Aluminiumfigur mit Metallplatte, die an die Menschen erinnern soll, die bei der Erkundung des Weltraums ihr Leben ließen. Aber 190 Tonnen sind nicht gerade wenig, schon ein ganz schöner Schrottplatz. Und es wird weitergehen. Wir sind nun mal Litterer. Wir sind die Vermüller der Kosmos. Darum wurden wir in die Quarantäne gesteckt. Vermutlich ist unsere Milchstraße so eine Art geschlossene Unterbringung des Universums. Das Alcatraz des Weltraums.

Vor kurzem saß ich in der Bahn und beobachtete zwei junge Menschen, die offenbar viel Wert auf ihr gepflegtes Äußeres legten. Sie setzten sich und dann packten sie aus. Offenbar kamen sie vom Shoppen. Ich dachte erst, sie gucken sich jetzt ihre Einkäufe an, aber nein: Sie packten Essen aus. Große Tüten mit Burgern, Pommes und Getränken. Alles mehrfach verpackt. Es entstand ein gigantischer Müllberg, den sie versuchten, in einem viel zu kleinen Behälter zu entsorgen. Immerhin. Andere lassen ihren Müll einfach fallen. Wieder Andere machen sich schon mehr Mühe, verpacken alles in blaue Säcke und fahren es in den Wald. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis ins Meer oder bis zum Mond.

Ich kann mich nicht erinnern, wann das mit der to-go-Kultur angefangen hat. Tchibo behauptet, 1996 den ersten Coffee-to-go in Deutschland angeboten zu haben. Ach, guck an. Ich dachte, die haben das Mobiltelefon erfunden. Ist ja auch to-go. Ich will hier überhaupt nichts gegen to-go sagen. To-go ist super, es bedeutet „ambulant“, im Vorübergehen, also ohne sich lange aufzuhalten. Ich habe schon so gegessen, da wusste Tchibo noch nichts von to-go. Auch Arbeiten kann man to-go. Man muss nicht jedesmal so viel Dreck dabei machen. Nur beim Einkaufen komme ich um den Plastikmüll nicht herum. Den stecke ich in den Gelben Sack. Der Gelbe Sack wird geschreddert und dann in der Antarktis im Eis versenkt. Der Mond ist nämlich zu weit weg. Sein Glück.

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