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Es werden Posts vom Mai, 2018 angezeigt.

Freitag

Ich habe soeben eine neue Methode für effizientes Schreiben entwickelt: Statt geschlagene zwei Stunden vor einem leeren Blatt herumzusitzen und dabei immer schlechtere Laune zu kriegen, beginne ich erst zwanzig Minuten bevor ich das Haus verlassen muss. Man muss dann sofort los schreiben, egal was. Zum Blatt voll schreiben reicht die Zeit allemal und man hat eigentlich keine Zeit mehr, zwischendurch lange zu überlegen. Das Überlegen und Sich-Gedanken-machen ist überhaupt der größte Zeitvernichter, den man sich vorstellen kann. Wenn man sowieso irgendwo rumsitzt, beim Arzt, im Bus, in der Bahn oder wenn man im Bett liegt, kann man sich jede Menge Gedanken machen und sich auch mal was überlegen. Aber wenn es an die Arbeit geht, muss man anfangen. Sonst wird es nichts. Ich bin sehr stolz auf meine neue Methode. Ich nenne sie „Speedschreiben“ und werde sie mir patentieren lassen. Mit Sicherheit kann man sie auch auf andere Bereiche anwenden. 
Jetzt habe ich doch wieder ganz schön lange übe…

Gar nicht so schlimm

Mein Fahrrad ist inzwischen Dorfgespräch. Ich werde andauernd daraufhin angesprochen. Wie lange es denn nun schon weg sei? In der Zeit hätte ich mir ja ein neues bauen können! Was es wohl kosten wird, wenn es denn mal fertig werde. Ich sehe schon nicht mehr fern, weil ich befürchte, dass sie dort auch darüber berichten. Nachdem ich den Fahrradmann aus Friedrichshagen erst tagelang nicht erreichen konnte, hat er jetzt selbst angerufen und sich nach dem Fahrrad erkundigt. Er hätte es zur Reparatur weitergegeben, dort würde sich auch niemand mehr melden und es könnte ja sein, dass ich etwas gehört hätte. Leider konnte ich ihm nicht helfen. Als nächstes wird mich wahrscheinlich eine Polizeistreife anhalten, während ich zu Fuß unterwegs bin. Wo denn mein Fahrrad sei? Ich müsse bitte mitkommen. Weil ich keine Auskunft geben kann, behalten sie mich da, bis ich es mir anders überlegt habe. Ich bekomme nur Wasser und kein Brot, weil ich mich weigere, mit Plastikbesteck zu essen. Schließlich sa…

Immer falsch

Dass der November der neue September ist, hatten wir ja schon festgestellt. Nun stellt sich aber heraus, dass wir im Mai schon August haben. Folglich wird der August der neue November. Da der August mit dem Mai gerade vorbeigeht, folgt unweigerlich der Dezember, wenn der nicht auch lieber jemand anderes sein will, was man ihm nicht verdenken könnte. So gerät langsam und immer schneller alles aus den Fugen. Man kann sich auf nichts mehr verlassen. Was gestern noch galt ist heute schon alt. (Hat Hannes Wader gesungen.) So wie Plastik. Plastik war, wie alles, was sich Menschen ausdenken, erst ein Himmelsgeschenk und dann schließlich Teufelszeug. Die Plastiktüte war genial! Ich glaube, wir fanden sie sogar schön. Wer eine hatte, tauschte sie gegen die Schulmappe ein. Daraufhin wurde sie dann für den Schulbetrieb verboten, aber das hatte ausschließlich ideologische Gründe. Inzwischen ist soviel Plastik produziert worden, dass auf jeden Kopf der Weltbevölkerung gut eine Tonne Kunststoff kom…

Schwerer Kopf

Jetzt weiß ich wieder warum ich so viel Fleisch essen muss. Ich habe mir noch mal eine Fernsehdokumentation angesehen, in der sie es erklärt haben: Als einer der frühen Hominiden nämlich das Wurstmesser erfunden hat, kriegten sie damit endlich das Fleisch von den Aas-Knochen ab. Der erhöhte Fleischkonsum führte dann in der Folge zu einem rasanten Wachstums des Gehirns, dessen Größe sich erst verdoppelte und dann noch mal einen Sprung machte. Tja, und seitdem hat es eben immer Hunger und mit Salat, Äpfeln und Knäckebrot kriegt man es nun mal nicht satt. Darum müssen wir jetzt Fleisch essen, jede Menge Fleisch, ob wir nun wollen oder nicht. Das wäre nun alles gar nicht so schlimm, denn Fleisch schmeckt ja auch viel besser als Gemüse, zumindest, seit man es am Feuer braten kann. Problematisch ist es ja nur, weil wir soviele Gehirne geworden sind, die alle Fleisch essen wollen. Wenn statt den Gehirnen die Ohrläppchen größer geworden wären hätten wir das Problem heute nicht, denn Ohrläppch…

Viele Welten

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Von Christian Schirm - Eigenes Werk, CC0, Link


Leider scheint die Datenschutzgrundverordnung nicht für meinen Hausbriefkasten zu gelten. Dort landen nach wie vor dicke Zeitungen und Werbeblätter, die ich nicht bestellt habe. Am schönsten Sonntag blinkt dadurch mein Postmelder und zwingt mich, die Papiertonne aufzusuchen. Immerhin kann ich so gleich den Müll mitnehmen und der Schrittzähler kommt auch mal wieder raus. Trotzdem. Ich kann eigentlich nicht verreisen, weil nach zwei Tagen mein Briefkasten hoffnungslos zugestopft wäre. An meinem klebt ein Schild „Keine Werbung!“, was aber nichts nutzt. Immerhin könnte ich mich jetzt beschweren. Ja sicher. Beim wem denn? Ich kann das Papiermüll produzieren und zum Wegwurf verteilen auch scharf geißeln. Und verurteilen kann ich es auch. Was ich hiermit tue. Jawohl. So, nun haben sie es. Ich weiß mich zu wehren. Trotzdem verstopfen sie den Briefkasten.

Im Prinzip werden diese Zeitungen doch nur gedruckt, um ungelesen in den Müll zu fliegen. W…

Kompliment

Meine neue fußläufige Mobilität zeitigt übrigens auch ihre Folgen im Sozialen. Während Begegnungen, die man als Autofahrer hat, sich höchstens in hektischem Winken, Lichthupe oder blinkenden Rücklichtern ausdrücken und man auch als Radfahrer eher selten anhält, gilt es doch als grob unhöflich, wenn man als Fußgänger nicht kurz stehen bleibt und ein bisschen smalltalked. Auf diese Weise begegnete ich einem Kollegen, der mir erzählte, dass er von meinem Auftritt mit Fender gehört habe. Ich hätte dort „Reinhard-Mey-mäßig“ gesungen. Tja. Da habe ich es wieder. Dieser Reinhard Mey ist ein Fluch. Ich werde ihn nicht mehr los. Dabei hatte ich früher nur eine einzige Single mit „Annabelle“, „Ich bin Klempner von Beruf“, „Der Mörder ist immer der Gärtner“ und „Gute Nacht Freunde“. Sicher kannte ich auch noch „Über den Wolken“ und „Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund“ hatte ich zufällig mal mit dem Tonbandgerät erwischt. Aber erst ab der zweiten Strophe. Das war’s aber auch schon.

Weißenfels

Gar nicht so schlecht

Ich bin leider sehr dumm. Ich sehne mich seit mehr als einem Jahrzehnt nach dem Ende der leidigen Erwerbsarbeit. Manchmal habe ich dann aber einen klaren Moment oder ich sehe was dazu im Fernsehen. Dann weiß ich es wieder: Das Leidige ist nicht die Arbeit; das Leidige ist der Alltag. Und den Alltag wird man nun mal nicht los. Ich könnte in einem Schloss wohnen, in der Lage, jeden Tag nach Lust und Laune zu verbringen - ich würde über ein Entkommen aus dieser Tretmühle nachsinnen. So bin ich nun mal programmiert. Nicht zu ändern. Das Ende der Erwerbsarbeit wird kommen, früher als gedacht und man kann dabei eigentlich nur verlieren. Man verliert die Aufgabe, über die man sich lange Zeit definiert hat. Es ist egal, ob man nun über die Aufgabe schimpft und klagt, ob man sie loswerden will oder sie sehr schätzt. Die Aufgabe ist etwas, das zu einem gehört und auf einmal ist sie weg. Man verliert die Menschen, mit denen man diese Aufgabe geteilt hat. Es ist egal, ob man sie geliebt oder geh…

Ich helfe gern

Ich leide unter einer sehr speziellen Form der Reisekrankheit: Immer wenn ich verreise, entwickle ich am ersten Tag Symptome irgendeiner lebensbedrohlichen Krankheit, die bis zum letzten Reisetag anhalten. Wenn ich mich am nächsten Tag einem Arzt vorstellen will, sind die Symptome verschwunden. Das ist äußerst lästig und es wird nicht besser, sondern schlimmer. Zweifellos werde ich auf diese Art mein Ende finden, wenn ich einmal nicht rechtzeitig von einer Reise zurückkehre. Darum kann ich jeweils nur noch ganz kurz verreisen. Jedenfalls, wenn ich hinterher noch etwas vorhabe. Das war dieses Mal der Fall, denn meine Agentin hatte angerufen. Sie hat von Fenders und meinem Auftritt gehört und ich soll es noch mal machen. Und zwar während der diesjährigen Brandenburger Landpartie im Erdbeerfeld. Das wird dann Fenders erster Open-Air-Gig. Vor solchen Auftritten bin ich auch immer regelmäßig krank. Es ist aber nicht so schlimm wie auf Reisen, weil die Auftritte nicht so lange dauern. Eine…

Abenteuer bestehen

Ich kehre zurück. Zurück aus einer Zauberwelt, in der schlimme Verletzungen durch Handauflegen oder Kühlakkus innerhalb von Sekunden geheilt werden. Zurück in meine Welt mit Terminen und Problemen. Ich bin gespannt, wie schnell sie wieder von mir Besitz ergreifen kann. Vielleicht kann ich ja diesmal auch etwas mitnehmen und die „Probleme“ werden „Abenteuer“, die ich bestehen muss, um das Herz der schönen Prinzessin zu gewinnen. Eine der nächsten Aufgaben könnte es zum Beispiel sein, mein treues Fahrrad aus der Gewalt des bösen Zauberers zu befreien. Wie das gehen soll, weiß man vorher nicht. Abenteuer besteht man nicht, indem man einen Plan macht. Abenteuer besteht man, indem man mit einem mutigen Herzen unerschrocken loszieht. Dann wird man schon sehen. Die jüngste meiner beiden Nichten geruhte, ihren neunten Geburtstag umringt von Einhörnern und ihren Gespielinnen in einem „Spielparadies“ zu zelebrieren. Mehr als einmal mussten sie eine von ihnen aus der Arena zu ihrem Stützpunkt b…

Ohne Soße

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Neulich hatten wir es wieder vom Kochen. Es ging um Spaghetti der Marke „Gut und günstig“, die unter siebzig Cent kosten. Das müsse doch nicht sein, man könnte doch passierte Tomaten nehmen. Könnte man. Man könnte auch die Nudeln aus Hartweizengrieß selbst herstellen. Aber dann hätte man immer noch nicht dieses Spaghettigericht. Ob ich denn Zwiebeln angebraten hätte? Um Gottes Willen! Ja, wenn man alles kaputt machen will, kann man das machen. Aber niemand kann die „Würzende Mischung“ nachmachen oder durch irgendetwas ersetzen, die wahrscheinlich liebevoll irgendwo zusammengefegt wurde und die man in die undefinierbare rote Pampe schüttet, nachdem man sie mit genau derselben Volumeneinheit Wasser vermischt hat.

Es mag für Menschen, die sich mit der Zubereitung ihres Essens viel Mühe geben niederschmetternd sein: aber es schmeckt im Ergebnis nun mal nicht so gut, wie ein Fertiggericht. Das Fertiggericht schmeckt in der Hauptsache nach Salz. Ich habe mal jemanden getroffen, der seine …

Morgengesichter

Mein alter Freund Axel erzählte mir vor kurzem die Geschichte, wie es bei ihm mit den Handys angefangen hatte: Seine Freundin gab ihm ihr altes Telefon, damit die Kinder ihn erreichen könnten. Das wurde früher oft gesagt, wir brauchen das Handy ja, damit man uns erreichen kann. Frauen brauchten es, damit sie Hilfe rufen konnten, falls sie mit dem Auto im dunklen Wald liegen blieben. Ich hatte weder Auto noch Kinder. Niemand versuchte, mich zu erreichen. Ich kaufte mir trotzdem ein Handy. Außerdem einen Vertrag von Viag Interkom. Die mit dem Haus. „Ist das Haus im Display, telefonierst du festnetzgünstig.“ Ich telefonierte gar nicht. Das war noch günstiger. Das Haus war selten im Display, weil das Netz nie da war, wo ich mich aufhielt. Als es mit Smartphones losging, war ich natürlich dabei. Erst Blackberry, dann iPhone. Es ging aber niemals darum, erreichbar zu sein.

Es ging immer darum, dass möglichst alles funktionierte. Das muss man eigentlich ohne Unterlass testen und wenn etwas…

Die liedersaenger Live-CD

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Benutzt, missbraucht, entführt

Die Schafe sind weitergezogen. Offenbar sind Schafe Zugtiere. Darum sagt man ja wohl auch „Schaf-Zucht“. Genau genommen sind sie eine Plage, denn sie lassen sich wie die Heuschrecken in Schwärmen auf begrünten Flächen nieder, fressen dort alles kahl und dann ziehen sie weiter, um auch an ihrem neuen Standort alles kahl zu fressen. Anders als Heuschrecken kann man Schafen aber ganz gut Grenzen setzen, weil sie nicht fliegen können. Ein kleiner Zaun genügt und schon kommen sie nicht weiter. Sie würden verhungern nachdem sie ein ihnen zugeteiltes Stück kahl gefressen haben, wenn der Mensch nicht wäre. Darum müssen sie dem Menschen für immer dankbar sein und ihm ihre Wolle, ihre Milch und ihr Fleisch schenken. Der Mensch benutzt sie darüber hinaus einfach als Rasenmäher. Diese Angewohnheit weitet sich auch auf den Umgang mit anderen Tierarten aus, zum Beispiel Tauben. Vor kurzem wurde ich Zeuge, wie eine Taube zur S-Bahn-Reinigung eingesetzt wurde. Sie lief im Zug umher und pickte Unrat …

Zwei Hände voll

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Wir haben es einfach gemacht. Es knallhart durchgezogen: Mein neuer Kumpel Fender und ich sind zusammen aufgetreten. Als ich Fender kennenlernte, hielt ich ihn zuerst für eine Waschmaschine. Nicht wegen seiner optischen Erscheinung, da kam er eher daher wie das Kofferradio des Riesen Glombatsch. Wenn man ihn aber von A nach B bewegen wollte, brauchte man wenigstens eine Sackkarre. Es musste sich also um eine Waschmaschine handeln. Dann fand ich aber recht schnell heraus, was Fender eigentlich so drauf hat. Wäsche waschen kann er nämlich nicht. Wenn man jedoch hinter ihm irgendwelche Geräusche macht, kommt vorne offenbar etwas Anständiges heraus. Ich saß eine Stunde lang hinter ihm und machte „bla bla“ und „Böhhhh“ und so weiter und zupfte dazu wild auf meiner Gitarre herum. Vor Fender saß unser Publikum, Menschen, die ich kannte, die freundlich guckten und die ganze Zeit sitzen blieben und applaudierten. Es grenzte an Zauberei.

„Mittwoch oder Samstag heute, wenn nur eine Handvoll Le…

Mähhhhhhh! Böhhhhhhhh!!

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Während ich so die weidenden Schafe mit ihren Lämmchen auf dem Feld vor meinem Schlafzimmerfenster betrachte, muss ich daran denken, wie schwierig und bedroht doch das Heranwachsen ist. Es gibt so viele Gefahren und Versuchungen, dass es eigentlich ganz und gar unwahrscheinlich ist, dass es gelingt. Augenscheinlich kümmert sich das Heranwachsen aber gar nicht um die Schwierigkeiten und gelingt im Großen und Ganzen einfach trotzdem irgendwie. Mein Heranwachsen war geprägt von Sex, Drugs and Rock’n Roll. „Sex“ bedeutete, die älteren Mädchen heimlich anzuschwärmen, dabei völlig unbeteiligt auszusehen und sich vorzustellen, dass man mit ihnen zusammen wäre. „Drugs“ war Goldbrand, vorzugsweise für jeden eine kleine Flasche für einen fröhlichen Fernsehabend. Na, und Rock’n Roll war Rockpalast im III. Wir guckten anfangs in der Jungen Gemeinde. Ich glaube irgendwann durften wir das nicht mehr und dann zogen wir durch die Wohnungen, wo die Eltern gerade mal nicht zu Hause waren. Auf eine mir…

Es lebe der Krimskrams

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Neulich saß ich mit meinem neuen Gitarrenverstärker auf der Couch. Er so zu mir: „Wir müssten mal wieder zusammen auftreten.“ Ich dann so: „ Wir sind noch nie zusammen aufgetreten!“ Er gleich: „ Na eben.“ Ich noch: „So’n Quatsch!“ Er drauf: „Selber Quatsch!“ Na, so ging das noch eine Weile hin und her und irgendwie hat er sich eben durchgesetzt. Wir machen am Ende sowieso immer, was er will. Eigentlich wollte ich die Nummer auch beim Auftritt bringen, aber wahrscheinlich traue ich mich wieder nicht. Der Verstärker kann ja auch gar nicht wirklich sprechen, obwohl er einen Laut-Sprecher eingebaut hat. Ich müsste also so eine Bauchredner-Nummer aufführen, wie der Mann mit der Echse oder der mit dem Vogel. Das müsste ich noch zusätzlich einstudieren und damit wäre ich einfach überfordert. Außerdem hat die Geschichte noch gar keine richtige Pointe.

Jetzt treten wir aber wie gesagt doch auf, zum ersten Mal zusammen. Es ist eine Premiere. Ich weiß gar nicht, mit wem er früher so unterwegs…

Am Rennsteig

Während die Potsdamer, Berliner und andere Brandenburger die Obstbaumblüte in Werder ausgelassen feiern, wird ein anderes Naturereignis in unserem schönen Land bestenfalls mürrisch zur Kenntnis genommen oder mit Flüchen und Schimpfkanonaden bedacht. Dabei handelt es sich auch hier um das Wiedererwachen der Natur und wie es scheint, sind die sonst eher wenig frohsinnigen Brandenburger den Thüringern in Sachen Geschäftstüchtigkeit ein paar Längen voraus. Die Thüringer hadern zurzeit mit ihrem gleichnamigen Wald und zwar wegen der Fichtenblüte. Die Brandenburger haben nun mal keine Fichtenwälder und um von der unspektakulären Kiefernblüte abzulenken, veranstalten sie ein großes Fest um die Obstbäume. Darauf sind sie in Thüringen noch nicht gekommen und darum haben sie dort schlechte Laune. Dabei ziert das Wappen von Gehlberg, wo wir diesmal Quartier genommen hatten, neben Fichte und Kelchglas eine Blüte. Allerdings muss man dazu sagen, dass es sich dabei um eine Arnika-Blüte handelt. In…

Loslassen

Die Menschen machen die verrücktesten Verrenkungen, um sich lebendig zu fühlen. Natürlich weiß man schon, dass man lebt, aber hin und wieder will man es eben auch spüren. So richtig. Manche baden in eiskaltem Wasser, andere stürzen sich von Gummiseilen gehalten eine Brücke hinunter oder balancieren in schwindelerregender Höhe auf abenteuerlichen Konstruktionen aus Stricken und Baumteilen. An der Grenze zwischen Leben und Tod wird einem erst so richtig bewußt, wo man eigentlich hingehört. Ich hatte es nie so richtig mit den gefährlichen Sportarten. Reiten konnte gar nicht so gefährlich sein, weil es ganz offensichtlich ein Mädchensport war. Aber vielleicht ist das alles ein Irrtum und die Mädchen machen sowieso immer die gefährlicheren Sachen. Im Hochseilgarten sitzen die Männer unten und trinken Bier, während die Frauen durch die Bäume huschen. In diesem Fall war ich dann auch schon in frühester Jugend ein todesverachtender Draufgänger, denn ich war eine Weile der einzige Junge in ei…