Benutzt, missbraucht, entführt

Die Schafe sind weitergezogen. Offenbar sind Schafe Zugtiere. Darum sagt man ja wohl auch „Schaf-Zucht“. Genau genommen sind sie eine Plage, denn sie lassen sich wie die Heuschrecken in Schwärmen auf begrünten Flächen nieder, fressen dort alles kahl und dann ziehen sie weiter, um auch an ihrem neuen Standort alles kahl zu fressen. Anders als Heuschrecken kann man Schafen aber ganz gut Grenzen setzen, weil sie nicht fliegen können. Ein kleiner Zaun genügt und schon kommen sie nicht weiter. Sie würden verhungern nachdem sie ein ihnen zugeteiltes Stück kahl gefressen haben, wenn der Mensch nicht wäre. Darum müssen sie dem Menschen für immer dankbar sein und ihm ihre Wolle, ihre Milch und ihr Fleisch schenken. Der Mensch benutzt sie darüber hinaus einfach als Rasenmäher. Diese Angewohnheit weitet sich auch auf den Umgang mit anderen Tierarten aus, zum Beispiel Tauben. Vor kurzem wurde ich Zeuge, wie eine Taube zur S-Bahn-Reinigung eingesetzt wurde. Sie lief im Zug umher und pickte Unrat weg. Alles Schlechte ins Kröpfchen. Ich befürchtete erst, wenn der Zug anfährt, würde die Taube in Panik auffliegen und womöglich andere Reisende verletzen. Das geschah aber nicht. Die Taube war offensichtlich eine geübte Bahnfahrerin und ging mit den beim Anfahren und Abbremsen auftretenden Kräften sehr professionell um.

Das erinnerte mich an die Berg- und Tal-Bahn auf dem Hennigsdorfer Rummelplatz. Nachdem sich das Ding in Bewegung gesetzt hatte, kamen sie kassieren. Dreißig Pfennige oder zwanzig? Sie bewegten sich wie auf Schiffsplanken von Gondel zu Gondel, sprangen auf und sprangen ab und sahen dabei ziemlich cool aus. Ich habe es immerhin irgendwann dazu gebracht, auf dem breiten Hinterteil unseres galoppierenden Voltigierpferdes Felix freihändig zu stehen. Aber das war ein langer Weg voller Misserfolge, Demütigungen und blauer Flecken. Ich habe leider nicht mitbekommen, wo die Taube schließlich ausgestiegen ist. Ich vermute, dass sie von dort wieder zurückfuhr. Das wäre noch interessant, ob sie immer nur für einen Wagen oder für den ganzen Zug verantwortlich ist.

Mein Fahrrad hüllt sich mal wieder in Schweigen. Es wollte eigentlich anrufen, wenn es fertig repariert ist, aber nichts passiert. Wenn ich anrufe ist immer nur der Mechaniker dran, der dann keine Zeit hat. Mit dem Fahrrad lässt er mich nicht sprechen. Wahrscheinlich ist es gar nicht mehr da, sondern er hat es zusammen mit anderen Fahrrädern auf seinen Landsitz gebracht, wo es in glühender Hitze nun Kartoffeln vergraben muss. Lasst endlich die Tiere in Ruhe!

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