Freitag

Ich habe soeben eine neue Methode für effizientes Schreiben entwickelt: Statt geschlagene zwei Stunden vor einem leeren Blatt herumzusitzen und dabei immer schlechtere Laune zu kriegen, beginne ich erst zwanzig Minuten bevor ich das Haus verlassen muss. Man muss dann sofort los schreiben, egal was. Zum Blatt voll schreiben reicht die Zeit allemal und man hat eigentlich keine Zeit mehr, zwischendurch lange zu überlegen. Das Überlegen und Sich-Gedanken-machen ist überhaupt der größte Zeitvernichter, den man sich vorstellen kann. Wenn man sowieso irgendwo rumsitzt, beim Arzt, im Bus, in der Bahn oder wenn man im Bett liegt, kann man sich jede Menge Gedanken machen und sich auch mal was überlegen. Aber wenn es an die Arbeit geht, muss man anfangen. Sonst wird es nichts. Ich bin sehr stolz auf meine neue Methode. Ich nenne sie „Speedschreiben“ und werde sie mir patentieren lassen. Mit Sicherheit kann man sie auch auf andere Bereiche anwenden. 

Jetzt habe ich doch wieder ganz schön lange überlegt, welche Bereiche das sein könnten. Dabei ist mir aufgefallen, das das Schreiben wahrscheinlich wirklich der letzte Bereich ist, auf den man die Methode anwenden könnte. Klavierspieler, Busfahrer, Nachrichtensprecher - alle machen es eigentlich schon und überlegen nicht erst lange. Außer Politiker. In der Politik machen sie sich fast nur Gedanken und überlegen und geschafft wird nichts. Wenn sie dann doch mal was machen, ist es meistens Murks. Also wäre meine Methode offenbar in der Politik anwendbar und vielleicht geradezu unverzichtbar. 

Natürlich habe ich es in den zwanzig Minuten nicht geschafft und musste das Schreiben für die Tagesroutine unterbrechen. Jetzt finde ich den Faden nicht wieder. Das ist aber eigentlich egal, denn die Methode funktioniert ja gar nicht. Ich bin schon ein bisschen enttäuscht. Wahrscheinlich ist „Speedschreiben“ ein bisschen wie „Schreiben nach Gehör“ und würde schließlich verboten werden. Vielleicht muss ich aber nur von zwanzig Minuten auf dreißig erhöhen? Es ist noch zu früh, um die Flinte jetzt schon ins Korn zu werfen. Wie man es diesem Text vielleicht anmerkt, konnte ich heute gar nicht überlegen. Ich sollte eigentlich einen Mann in eine Arztpraxis begleiten, aber in der Arztpraxis war jetzt eine neue Ärztin und die hatte gar keine Sprechstunde. Dafür war da ein Mann mit einem Staubsauger. Mein Mann bestand auf seinem Termin, aber der Staubsauger-Mann lachte nur. So trollten wir uns schließlich. Darum konnte ich nicht nachdenken. Und außerdem ist Freitag. Schönes Wochenende!

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