Gar nicht so schlimm

Mein Fahrrad ist inzwischen Dorfgespräch. Ich werde andauernd daraufhin angesprochen. Wie lange es denn nun schon weg sei? In der Zeit hätte ich mir ja ein neues bauen können! Was es wohl kosten wird, wenn es denn mal fertig werde. Ich sehe schon nicht mehr fern, weil ich befürchte, dass sie dort auch darüber berichten. Nachdem ich den Fahrradmann aus Friedrichshagen erst tagelang nicht erreichen konnte, hat er jetzt selbst angerufen und sich nach dem Fahrrad erkundigt. Er hätte es zur Reparatur weitergegeben, dort würde sich auch niemand mehr melden und es könnte ja sein, dass ich etwas gehört hätte. Leider konnte ich ihm nicht helfen. Als nächstes wird mich wahrscheinlich eine Polizeistreife anhalten, während ich zu Fuß unterwegs bin. Wo denn mein Fahrrad sei? Ich müsse bitte mitkommen. Weil ich keine Auskunft geben kann, behalten sie mich da, bis ich es mir anders überlegt habe. Ich bekomme nur Wasser und kein Brot, weil ich mich weigere, mit Plastikbesteck zu essen. Schließlich sage ich ihnen einfach, was sie hören wollen. So komme ich wieder frei.

Dieser Tage fällt es mir etwas schwerer als sonst, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Es erscheint ohnehin alles etwas unwirklich. Ich laufe lächelnd durch den Tag erlebe Situationen, die eigentlich gar nicht real sein können. Zum Beispiel wurde ich in einen glühenden Backofen geschickt, um dort mit anderen Unglücklichen zu singen (!). Ich dachte an Dante: „...die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren.“ Wir sangen vom Wasser aber das Naheliegende fiel uns nicht ein: Hänsel und Gretel. Leider hatte diesmal die Hexe gewonnen. 

Ich will mich aber nicht beklagen. Ich bin noch gut dran. Ich habe zwar keine angemessenen Kleidung für die derzeitige Witterung, bin aber immerhin schon nahe dran. Viel schlimmer trifft es die Schafe. Ich weiß gar nicht, wo sie ursprünglich hergekommen sind, aber sie sind zu einer Zeit aufgebrochen, als es noch wesentlich kühler war. Da haben sie sich sicherheitshalber Pullover angezogen. Schafe haben ja kein Gepäck. Sie haben nur das, was sie auf dem Leib tragen. Das rächt sich jetzt. Es ist mit den Pullovern eigentlich überhaupt nicht mehr auszuhalten und die Tiere quälen sich elendiglich. Aber sie können die Pullover nun mal nicht einfach ausziehen. Was aber noch viel schlimmer ist: Die Schafe haben keinen Kühlschrank; folglich haben sie auch kein Hefeweizen. Andererseits ist das für die Schafe wahrscheinlich gar nicht so schlimm. Sie kennen es eben nicht anders. 

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