Ohne Soße

Neulich hatten wir es wieder vom Kochen. Es ging um Spaghetti der Marke „Gut und günstig“, die unter siebzig Cent kosten. Das müsse doch nicht sein, man könnte doch passierte Tomaten nehmen. Könnte man. Man könnte auch die Nudeln aus Hartweizengrieß selbst herstellen. Aber dann hätte man immer noch nicht dieses Spaghettigericht. Ob ich denn Zwiebeln angebraten hätte? Um Gottes Willen! Ja, wenn man alles kaputt machen will, kann man das machen. Aber niemand kann die „Würzende Mischung“ nachmachen oder durch irgendetwas ersetzen, die wahrscheinlich liebevoll irgendwo zusammengefegt wurde und die man in die undefinierbare rote Pampe schüttet, nachdem man sie mit genau derselben Volumeneinheit Wasser vermischt hat.

Es mag für Menschen, die sich mit der Zubereitung ihres Essens viel Mühe geben niederschmetternd sein: aber es schmeckt im Ergebnis nun mal nicht so gut, wie ein Fertiggericht. Das Fertiggericht schmeckt in der Hauptsache nach Salz. Ich habe mal jemanden getroffen, der seine Fünf-Minuten-Terrinen ohne Wasser in sich hineingelöffelt hat. Das halte ich für die Hohe Schule des Genießens. Es ist die Reduzierung auf das Wesentliche, die der Genussmensch zu schätzen weiß. Im Übrigen ist es mir immer ein bisschen peinlich, wenn über so offensichtliche Banalitäten gesprochen wird, wie über die Tatsache, dass Erhitzen die Nahrung bekömmlicher macht. Haben die Menschen eben irgendwann herausgefunden. Genau, wie den Trick mit der Sprache, die eben ein bisschen genauer sein kann als Zeigen und Grimassen schneiden.

Ich weiß aus einem Lied von mir, dass wir früher auf Partys Spaghetti gegessen haben. Dem Text ist weiter zu entnehmen, dass die Soße aus Tomatenketchup gemacht wurde, den es nicht immer gab. Erinnern kann ich mich daran heute nicht. Überhaupt kommt Essen in meinen Erinnerungen kaum vor. Ich weiß nur noch, dass meine Mutter uns vor dem Wochenende fragte, was es zu essen geben sollte. Das hat sie bei mir aber nur kurz gemacht, weil ich immer das Gleiche wollte. Warum sollte man auch ständig was anderes essen? Pferde bekamen doch auch immer das Gleiche und sie fraßen es offenbar mit großem Appetit. Als ich mich später beruflich umorientierte und von zu Hause aus arbeitete, gehörte es zu meinen Aufgaben, mittags die Kartoffeln aufzusetzen. Was es dann außerdem zum Mittag gab, weiß ich nicht mehr. Vielleicht Blumenkohl. Jedenfalls ohne Soße.



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