Game over

Ich bin frei! Die Sache zwischen dem Fahrradmann und mir war schneller geklärt, als einer von uns beiden „Mau Mau“ sagen konnte. Er hat mein kaputtes Fahrrad behalten und ich habe dafür kein Geld von ihm bekommen. Obendrauf habe ich ihm noch das Ladegerät für den Akku gepackt, damit er es sich nicht noch anders überlegt. Immerhin hatte ich den Abholschein zu Hause liegen lassen. Er hat es sich nicht nehmen lassen, noch mit einem schier unwiderstehlichen Angebot rüberzukommen: Falls ich doch wieder ein Fahrrad kaufen wollte, solle ich es bei ihm kaufen, dann würde er mir etwas entgegenkommen. Vielleicht bis zum Ostkreuz? Aber egal, die Sache ist ausgestanden. Ich habe kein kaputtes Fahrrad mehr. Glücklicherweise verkehren in diesem Teil der Welt Busse und Bahnen. Allerdings hatten genau zur gleichen Zeit sehr viele Menschen auch auf einmal kein Fahrrad mehr und versuchten, mit dem offenbar einzigen Regio mitzufahren, der an diesem Tag unterwegs war. Das war schon eine Herausforderung, die ich aber auch wieder gemeistert habe.

Im Regio setzte sich ein Mann auf die Treppe, dessen linker Arm ab war. Er war offenbar der Vater einer Kinderschar, deren genaue Anzahl ich nicht überblicken konnte. Immer wieder versuchte eins von ihnen durch den Zug zu rennen, was er freundlich lächelnd und erfolgreich mit seinem verbliebenen Arm verhinderte. Dabei sah ich, dass zumindest die Hand auch eine Prothese war. Den Ausstieg verstellte ein schwules Pärchen, das seine unversehrten Hände nicht voneinander lassen konnte, dabei englisch sprach und ich stellte fest, dass es mir schon eine ganze Menge ausmacht, einfach nur daneben zu stehen. Vorher beobachtete ich ein anderes Hetero-Pärchen. Der Mann checkte Fahrpläne auf seinem Handy und war unentschlossen und nervös. Als der Regio losfuhr stellt er fest, dass sie im falschen Zug standen.

Das Leben ist kein Spiel, das man gewinnen kann. Man hat es schon gewonnen und man kann es wieder verlieren. Man verliert das Leben nicht, wenn es endet, es wird weniger, je mehr man versucht zu gewinnen. Es lebt sich wesentlich fröhlicher, wenn man sich das irgendwo hinschreibt, wo man es wenigstens einmal am Tag lesen kann. Man kann von Jesus glauben oder nicht glauben was man will. Aber was von dem überliefert ist, was er über das Leben gesagt haben soll (und das ist nicht viel!), ist mir heilig: Wenn einer deinen Rock will, lass ihm auch noch den Mantel. Wenn dich einer nötigt, eine Meile mit ihm zu gehen, gehe mit ihm zwei. Es geht nicht darum, zu gewinnen. Spielt einfach nicht mehr mit. Game over.

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