Piano Man

Was für ein Wochenende! Ich bin völlig erschöpft. Ich habe das Programm für das Erdbeerfeld gemacht, das war eigentlich anstrengend genug, weil ich so viel lesen musste. Aber dann habe ich am Samstagabend „Piano Man“ von Billy Joel gehört und der Sonntag war gelaufen. Erst musste ich Klavier spielen lernen, um mich zu dem Lied auf dem Piano begleiten zu können, denn man kann „Piano Man“ ja schlecht auf der Gitarre spielen. Als ich gegen Nachmittag merkte, dass aus mir kein Barpianist mehr wird, habe ich angefangen, einen eigenen Text dazu zu machen. Nun ist er eben noch vor Einbruch der Dunkelheit fertig geworden. Er heißt jetzt eben „Liedersänger“ und ich kann ihn zur Not auch auf der Gitarre spielen. Vielleicht finde ich mal eine Klavierspielerin, die dazu für mich Klavier spielt. Dann machen wir auch so ein Video wie Billy Joel von „Piano Man“. Es ist wirklich großartig. 

„Liedersänger“ handelt nun nicht vom Alltag eines Barpianisten, sondern von dem eines armen Musiktherapeuten. Der Liedersänger begegnet verschiedenen Menschen, die seiner Musik alle viel abgewinnen können. Leider wird oft erwartet, dass diese Menschen dann auch singen, musizieren oder wenigstens irgendwie tanzen. Dass sie fühlende Wesen sind, die eben nicht alles mit dem Kopf verstehen, wird meistens vergessen. Es wird mit viel Aufwand versucht, sprachlich zu kommunizieren und dabei Sachinformationen auszutauschen. So erfährt man erstens nicht viel und zweitens bleibt ein sehr wichtiges Kommunikationsthema auf der Strecke: Dabei geht es darum, was wir fühlen und was die anderen so damit zu tun haben. Der Liedersänger weiß viel mehr von den Menschen, als die, die fleißig alle verfügbaren Akten gelesen haben. Einfach nur, weil er singt. Man kann nämlich nicht singen, ohne zu fühlen. Wenn man die eigenen Gefühle kennt, erkennt man auch die der anderen, die dann an einem vorüberfliegen. So kann zeitweilig eine große Nähe entstehen. 

Der Liedersänger sieht die Frau, die niemals singt und auch niemals auf ihrem Instrument spielt. Aber sie strahlt übers ganze Gesicht und hält das Instrument, wie ein Mikrophon. Der Liedersänger erlebt sehr viel Zuneigung und Liebe. Er sieht große Not und schweren Kummer. Und er hat große Mühe, seine Arbeit so zu erklären, dass die Kollegen, die etwas ganz anderes machen, sie auch wertschätzen können. Nicht immer gelingt das. Aber es gelingt immer öfter. 

Sing für uns, du bist der Liedersänger
Sing für uns, was uns bewegt
Vielleicht sind wir nicht schlau, 
Doch wir fühlen genau
Wie du
Weil auch unser Herz schlägt 

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