Passt scho‘

Zum Glück ist jetzt Wochenende und wir haben eine kleine Verschnaufpause von den aufregenden Ereignissen auf der politischen Bühne. Obwohl ich ja sagen muss, dass die Bilder diesmal gar nicht zum Text passten. Man hört immer, dass Frau Merkel und Herr Seehofer sehr bitter miteinander streiten. Dann zeigen sie aber Bilder, auf denen die beiden irgendwo herumlümmeln und sich ganz offenbar sehr langweilen. Vielleicht ist da auch etwas durcheinander geraten. Auf jeden Fall werden sie dann aber aus den Nachrichten erfahren haben, dass es eine Krise gibt und dass sie sich mal wieder spinnefeind sind. Während man ja nun bei den Elefanten herausgefunden hat, dass sie nachdenken, während sie scheinbar untätig herumstehen, weiß man beim Horst Seehofer nicht, was er eigentlich macht, wenn er scheinbar gelangweilt herumlümmelt. Es ist ein Rätsel. Man kann ja nun auch nicht einfach sein Gehirn sezieren, um es herauszufinden. Es bleibt nur, weiter herumzuraten. Vielleicht macht er sich auch so seine Gedanken. Wenn es bei ihm ähnlich ist, wie bei mir, denkt er vielleicht: „Weisswurscht. Passt scho‘“ Und dann gleich: „Passt scho‘. Weisswurscht.“

Man weiß es nicht, denn der Horst Seehofer spricht nicht viel. Mir ist das sehr sympathisch. Gerade heute wurde ich wieder Opfer gemeiner Sprechattacken. Erst ballerte im Bus ein gnadenloser Schnellsprecher ein wahres Trommelfeuer in meine Richtung ab. Dann versuchten zwei Damen in der S-Bahn durch Dauersprechen herauszufinden, ob sie in der richtigen Bahn sitzen. Ich leide dann schweigend. Ich schweige die ganze Zeit. Ich bin zwei Stunden unterwegs und schweige. Leider tue ich das offenbar nur aus Kontaktmangel. Das kränkt mich. Mit der richtigen Begleitung verwandele ich mich in ein Maschinengewehr und spreche noch schneller, als der Schnellsprecher im Bus. 

Mir ist das alles sehr peinlich. Ich möchte versuchen, mein Denken durch Meditation auf das Wort „Hefeweizen“ zu reduzieren. Sprechen will ich möglichst gar nicht mehr. Es wird nämlich nicht besser durch das Sprechen. Im Gegenteil. Ich rede mich um Kopf und Kragen. Ohne Not. Mein Glück ist nur, dass kaum noch jemand zuhört. Die Kulturtechnik des Zuhörens ist so gut wie ausgestorben. Kein Wunder, denn wer zuhört, kann eben selbst nicht sprechen. Und umgekehrt. 

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