Es bleibt anders



Einer meiner Lieblings-Gespielten-Witze geht so: Ich nehme zwei Stapel Spielkarten und haue sie dermaßen ungeschickt zusammen, dass sie nach allen Richtungen auseinander fliegen. Dann frage ich: „Welcher Filmtitel ist das?“ Antwort: „Mischen: Impossible.“ Genauer gesagt handelt es sich schon um M:I 2, weil ich ja mit zwei Kartenstapeln gearbeitet habe. Das konnte man bis vorige Woche mit bis zu fünf Kartenstapeln variieren. Seit dieser Woche gibt es sechs M:I Filme mit Tom Cruise. In der Zeitung steht eine Meldung über die Premiere, in der hervorgehoben wird, dass dessen Haar immer noch voll sei und auch seine Zähne blendend weiß strahlten. Und das trotz seiner 56 Jahre! Am Schluss heißt es: „Ein wahrer Filmheld wird eben niemals alt.“ Als ob man das Alt-Sein am vollen Haar oder an den weißen Zähnen ablesen könnte. Alt ist man dann, wenn man nichts Neues mehr erleben kann. Wenn es nichts Aufregendes mehr gibt, man keine Überraschungen mehr erlebt und wenn man nur noch lang vergangene Erlebnisse wiederkäuen kann. Das kann einem leider auch mit vollem Haar und weißen Zähnen passieren. 

Ich war gerade wieder sehr aufgeregt, denn ich war zu einem Picknick an der Ostsee eingeladen. Ich konnte mir darunter nur wenig vorstellen, aber ich war neugierig darauf und wie gesagt, sehr aufgeregt. Ich dachte, es würde vielleicht so, wie wenn ich allein an der Ostsee bin: Ein bisschen ruhelos auf der Suche sein nach einem Platz, an dem es Hefeweizen und etwas zu essen gibt und an dem man bleiben kann. Solche Plätze gibt es aber nicht, denn irgendwann hat man genug getrunken und gegessen und dann muss man nach den ungeschriebenen Regeln der Gastronomie weiter ziehen, wenn man nicht über Nacht bleiben will. Außerdem bleibt alles Gesehene und alles Erlebte unvollständig, weil ungeteilt. Darüber zu schreiben und Fotos zu posten kann diesen Mangel nicht heilen. 

Ein Picknick an der Ostsee geht dagegen so: Man wird am frühen Morgen von einem der unwahrscheinlichsten, weil sanftesten und verletzlichsten Wesen besucht, die es auf diesem Planeten gibt. Sie bringt einen dann an einen verzauberten Ort, wo Wolken, Sonne, Wasser, Sand und Wind anderen Gesetzen gehorchen. Dann hat sie ein Tischlein-Deck-Dich dabei, das sich mit Speise und Trank nur vom Erlesensten füllt, welches, soviel man auch davon essen und trinken mag, nicht weniger wird. Dann liegt man viele Stunden lang zusammen auf einer Decke und erlebt gemeinsam das große Strandtheater einiger weniger Akteure, die in gebührendem Abstand, wie auf einer Bühne ihr Spiel aufführen. Und es entsteht eine besondere Verbindung zwischen dir, dem Wesen und dieser Welt. Und dann bringt sie dich wieder nach Hause, in die Sicherheit deiner Wohnung, aber es ist nicht mehr, wie es vorher war. Und es bleibt anders.

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