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Am Leben

Bitte mit Sahne

Das Schlimmste am Vater sein ist ja wohl diese vermaledeite Müdigkeit. George Clooney hat zu diesem Thema einmal mitgeteilt, dass er zweimal täglich weinen müsse - vor Müdigkeit. So schlimm ist es bei mir nicht. Clooney hat ja auch Zwillinge, glaube ich. Aber ich bin trotzdem vom frühen Morgen bis zum späten Abend müde. Meine liebe Frau fragt, wovon denn eigentlich, ich hätte doch nichts gemacht. Dabei übersieht sie freilich, dass ich zurzeit derjenige bin, der die leeren Bierflaschen runter bringt. Dazu muss ich vom Dachgeschoss bis in den Keller absteigen, wo die Bierkästen stehen. Wenn ich zu schnell wieder aufsteige, riskiere ich die berüchtigte Taucherkrankheit. Genau genommen müsste ich in die Dekompressionskammer. Außerdem war ich Brötchen holen. Allerdings mit dem Auto, weil es so geregnet hat. Dessen ungeachtet weiß meine schöne Frau natürlich nicht, dass es ihre Müdigkeit ist, die ich stellvertretend für sie erleide. Sie stillt das Kind am Tage und in der Nacht, kauft ein un…

Nicht lange klagen

Der Paketdienstleister Hermes bietet dieser Tage eine schöne Choreografie für ein Zustellerballett an: Der Bote stellt das Paket auf dem Boden ab, klingelt und tritt dann 1-2 Schritte zurück. Der Kunde kommt zur Tür und unterschreibt mit eigenen Stift auf dem Paket und tritt dann seinerseits 1-2 Schritte zurück. Dann kommt der Bote wieder und fotografiert die Unterschrift auf dem Paket. Das war’s schon und jeder geht wieder seiner Wege. Mit der passenden Musik muss das ein schönes Schauspiel sein. Dazu passend waren der Tagespresse kürzlich Hinweise für die richtige Umarmung zu entnehmen. Umarmen ist wichtig - aber wenn schon, dann richtig. Auf jeden Fall sollten beide Umarmer den Mund-Nase-Schutz tragen. Dann muss man nur noch darauf achten, dass die Köpfe nicht etwa zusamenkrachen, sondern schön versetzt über die jeweilig andere Schulter schauen. Beide könnten ja vorher mit den Daumen die Richtung untereinander abstimmen. Aber vielleicht lässt man es auch doch besser bleiben und kne…

Angst machen

Man darf wieder ohne triftigen Grund das Haus verlassen. Einfach so. Sozusagen mir nichts, dir nichts. Man braucht nicht mehr darüber nachzudenken, warum man ausgerechnet jetzt rausgehen wollte oder sollte. Man kann einfach losgehen. Zack, ist man draußen. Warum? Wozu? Wohin? Alles egal. Hauptsache raus. Wenn ich es mir genau überlege, bin ich auch früher keineswegs ohne triftigen Grund vor die Tür gegangen; wäre mir nicht eingefallen. Allerdings hätte ich ohne eine Erlaubnis gehen können. Jetzt habe ich sie, obwohl ich immer noch nicht grundlos rausgehe. Das erinnert mich ein bißchen an meine Bremsprobeberechtigung: eine Erlaubnis zu etwas, was man sowieso nicht macht. Dass so etwas überhaupt erlaubt werden kann, ist auch nicht ganz selbstverständlich. In der Deutschen Demokratischen Republik war es das schon, weil alles, was nicht ausdrücklich erlaubt wurde, eben verboten war. Das Verbotensein war sozusagen der Grundzustand allen Seins, aus dem ein Gegenstand durch das Erlaubtwerden…

Herr Fant, der etwas nicht herausfand

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https://youtu.be/x4SmStFFZ2E




Kennst du die Geschichte von Herrn Fant
Sie ist neu und höchst interessant
I: Man kennt sie nicht in großen Städten,
nirgendwo auf dem Planeten ist die Geschichte von Herrn Fant bekannt :I

Herrn Fants Geschichte, hört, wie sie beginnt
Bei Babies, die nicht größer, als er sind
I: Ich weiß es noch genau, wie gestern
Da schenkten ihn Säuglingsschwestern in der Klinik einem Wickelkind :I

Seitdem wohnt Fant auf einem Wickeltisch
Er ist leider nicht sehr erfinderisch
I: Er kann und das ist nicht zu fassen
Den Wickeltisch nicht verlassen. Das ist komisch und problematisch :I

Es geschieht nämlich vier- fünfmal am Tag
Da kommt Besuch, den der Herr Fant sehr mag
I: Dann kommt ein Baby angeflogen
Wird aus- und wieder angezogen und beide erzählen sich einen Schlag :I


Und dann fliegt das Baby wieder weg
Herr Fant bleibt da und rührt sich nicht vom Fleck
I: Gern würde er auch fortfliegen
Und nicht nur auf dem Tisch rumliegen. Er weiß nicht wie. Es hat gar keinen Zweck …

Lied für Ronja & Co

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Es sind gerade schwierige Zeiten für Liedersänger. Singen darf zwar ansteckend sein, soll aber nicht die Gesundheit gefährden. Da müssen Ideen her. Grund genug für eine neue Strophe in einem alten Lied.

https://youtu.be/65c-7oeq__8




In Deckung bleiben

Die Krise ist ein zur Zeit sehr bemühtes und gleichwohl missverstandenes Wort. Man schmiedet Pläne für die Zeit, wenn die Krise vorbei ist und denkt wehmütig an die Tage vor der Krise zurück. Damit tut man sowohl der gegenwärtigen Situation als auch der Krise Unrecht. Denn - man kann es leider nicht anders sagen: Die Krise ist noch gar nicht da. Als Krise bezeichnet man den Höhe- oder Wendepunkt einer Entwicklung; den Punkt, an dem sich das Geschehen zum Guten oder zum Schlechten wendet. Dieser Zeitpunkt ist nicht nur noch nicht da, wir tun auch alles, um ihn so weit wie möglich hinauszuzögern. Zurzeit leben wir einfach nur in einer unangenehmen weil ganz und gar unentschiedenen Situation. Und wer ist schuld daran? Schuld daran ist ES, dessen Name hier nicht genannt werden soll. ES ist ein unsichtbares Phantom und es wird immer schwieriger zu glauben, dass ES wirklich existiert. Natürlich will man nicht, dass irgendjemand, den man kennt IHM zum Opfer fiele, aber man kennt eben auch ke…