Posts

Mein Leben

Ich bin seit gut fünf Monaten verheiratet und unser gemeinsamer Ehename ist der Geburtsname meiner Frau. Da ich nun allerdings zuvor schon etliche Dekaden unter meinem Geburtsnamen firmiert habe, bekomme ich noch gelegentlich Post, die sozusagen an meinen Mädchennamen adressiert ist. Da das bei den Postboten mitunter für Verwirrung und bei mir vielleicht durch Nichtzustellung zu gelegentlichem Informationsverlust führen könnte, entschloss ich mich, am Briefkasten ein zweites Namensschild anzubringen. Ich schrieb meinen alten Namen mit Grossbuchstaben auf ein weißes Pflaster. Da ich noch Kästen mit leeren Flaschen hinunterzutragen hatte, klebte ich mir das Pflaster auf die rechte Brustseite meiner Winterjacke.

Wir wollten an diesem Nachmittag viel erledigen: Diverse Einkäufe, Rezept beim Arzt abholen, Autowäsche. An der Tankstelle kaufte ich den Waschbon und bat um eine Einweisung in die Waschanlage. Ich wäre neu hier. Die Frau an der Kasse guckte kurz irritiert, gab mir dann aber ber…

Für immer

In der Römischen Republik gab es in Bezug auf die Amtszeiten der jeweiligen Amtsträger feste Prinzipien. So durfte jedes Amt nur ein Jahr lang ausgeübt werden und eine zweite Amtszeit war ausgeschlossen. Alle Ämter wurden mindestens doppelt besetzt und alle Amtsinhaber waren berechtigt, die Entscheidungen des jeweils anderen zu verhindern oder aufzuheben. Für die Bewältigung besonders wichtiger Aufgaben oder politischer und militärischer Krisen gab es das Amt des Diktators, der ausnahmsweise allein herrschte und dem alle anderen Ämter unterstellt waren. Seine Amtszeit war auf sechs Monate begrenzt. Allgemein wurde erwartet, dass ein Diktator sein Amt niederlegte, wenn der Grund für seine Diktatur erledigt war. Sulla hat sich zum Beispiel gleich mehrfach über die Prinzipien hinweggesetzt, indem er sich erst selbst zum Diktator ernannte und dann dabei elegant auf die zeitliche Begrenzung verzichtete. Immerhin hatte er einen Grund, nämlich die Schreibung neuer Gesetze und die Erneuerung …

Nie da gewesen

Unser Haus steht in unmittelbarer Nähe zu den Bahnanlagen der Erzgebirgsbahn und wenn wir zu Hause sind, strukturiert die Bahn unseren Tagesablauf. Wie eine Uhr schlägt sie die Stunden: Zehn Minuten vor der vollen Stunde fährt sie von links nach rechts und zehn Minuten später von rechts nach links. So scheint es jedenfalls. Diese Sicht der Dinge ist jedoch wieder einmal nichts anderes, als ein schönes Beispiel für die Verwechslung von Ursache und Wirkung. Bei genauerer Untersuchung des Sachverhaltes stellt sich nämlich heraus, dass es die Fahrt von rechts nach links ist, die ursächlich für die fünfzig Minuten später stattfindende Fahrt von links nach rechts verantwortlich ist. Ich kam darauf, weil ich am Morgen nach dem Aufstehen zwar die nach rechts fahrende Bahn zehn Minuten vor der vollen Stunde gehört hatte, die zur vollen Stunde nach links fahrende aber nicht. Die unausweichliche Folge war, dass die nächste zehn vor um fahrende Bahn ausfiel. Man könnte also auf die Idee kommen, d…

Sofort!

Die Geduld ist eine in Vergessenheit geratene Tugend. Sie beinhaltet das Warten-Können, aber auch das Aus- und Stillehalten. Wann etwas anfing in Vergessenheit zu geraten, ist im Nachhinein immer schwer zu rekonstruieren. Vielleicht war es das Aufkommen der Digitalfotografie, das der Geduld letztendlich den Gar aus machte. Vorbild war natürlich das Fernsehen, das zeigte, dass es möglich war, Bilder elektronisch zu übermitteln. Bis zur Digitalzeit knipste man seinen 36er Film voll und brachte ihn zum Fotoladen oder zur DLK-Komplexannahmestelle. Auf Farbfotos wartete man drei Wochen. Wer nicht soviel Geduld hatte, richtete bei sich zu Hause ein kleines Fotolabor ein. Fotolaborieren war in der DDR ein sehr verbreitetes Hobby, wozu man aber auch schon einige Geduld brauchte. 
Heute will aber keiner mehr warten. Es muss alles sofort passieren. Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich beim Absenden einer Amazon-Bestellung damit rechne, dass es klingelt - und ein bisschen enttäuscht…

Wieso nicht?

Der Oma-Lied-Text ist durch. Ich hatte den Artikel in der Süddeutschen gelesen und auch sofort sein Potential entdeckt. Irgendwie bin ich dann aber doch davon abgekommen, da man ja zwischen den Jahren auch so sein Tun hat. Noch am selben Tag muss dann der Streiflicht-Autor zugeschlagen haben, denn die digitale Ausgabe der Süddeutschen erscheint ja schon jeweils am Vorabend. Ein genialer Text, wirklich, nur eben nicht von mir. Naja. Haken dran. Der letzte Tag des Jahres wird ja wohl noch mehr zu bieten haben, als klimavergessene, SUV fahrende und Schnitzel verschlingende Ahnfrauen. Dabei fällt mir ein, dass meine selige Oma jahrelang mit ihrem „Beppo“ von Ganz über Kyritz an der Knatter nach Nietwerder bei Neuruppin gefahren ist. Beppo war der legendäre Simson Klein-Roller, der als KR 50 dem KR 51, der noch legendäreren Schwalbe vorausfuhr. Er wurde von einem Einzylinder-Zweitakt-Ottomotor angetrieben, für den meine arme Oma mit Sicherheit mindestens ein bis zwei Röhrchen des zur Sünde…

Advent

Die Liebe bleibt

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Baby. Das ist das Wort, mit dem dieser Text beginnt. Ein Baby ist ein Menschenkind in seinem ersten Lebensjahr. Ein Säugling. Alles im Advent dreht sich um ein Baby. Es geht nur um das Baby. Adventszeit ist Baby-Vorfreudezeit. Ich wusste es immer, aber erleben kann ich es erst in der Adventszeit des Jahres 2019, denn wir erwarten auch ein Baby. Wir müssen Platz für die ganzen Babysachen finden, die wir von Freunden und Verwandten schon bekommen haben. Im Elternhaus meiner Frau steht eine Wiege, in der sie selbst als Baby gelegen hat und wir müssen schon planen, wie sie zu uns kommt, damit wir das Baby wiegen können, wenn es ankommt. Und der Kinderwagen! Schwangerschaft im Advent ist schon etwas ganz Besonderes, denn am Heiligen Abend werden sie überall ein Baby anbeten, das in einer Futterkrippe liegt. Auf Heu und auf Stroh. Dann kommt auch schon das neue Jahr, in dem das Baby geboren wird und wir wollen zur „Elterninformationsveranstaltung mit Kreißsaalbesichtigung“ ins Krankenhaus,…