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Es bleibt anders

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Einer meiner Lieblings-Gespielten-Witze geht so: Ich nehme zwei Stapel Spielkarten und haue sie dermaßen ungeschickt zusammen, dass sie nach allen Richtungen auseinander fliegen. Dann frage ich: „Welcher Filmtitel ist das?“ Antwort: „Mischen: Impossible.“ Genauer gesagt handelt es sich schon um M:I 2, weil ich ja mit zwei Kartenstapeln gearbeitet habe. Das konnte man bis vorige Woche mit bis zu fünf Kartenstapeln variieren. Seit dieser Woche gibt es sechs M:I Filme mit Tom Cruise. In der Zeitung steht eine Meldung über die Premiere, in der hervorgehoben wird, dass dessen Haar immer noch voll sei und auch seine Zähne blendend weiß strahlten. Und das trotz seiner 56 Jahre! Am Schluss heißt es: „Ein wahrer Filmheld wird eben niemals alt.“ Als ob man das Alt-Sein am vollen Haar oder an den weißen Zähnen ablesen könnte. Alt ist man dann, wenn man nichts Neues mehr erleben kann. Wenn es nichts Aufregendes mehr gibt, man keine Überraschungen mehr erlebt und wenn man nur noch lang vergangene…

Wenn der Wind weht

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Was der Wind tut

Was für ein verregneter Sommer! Das Kind aus dem Haus gegenüber guckt ein bisschen ratlos durch das Küchenfenster. Es sind Ferien und es regnet Bindfäden. Was soll man da machen? Ich kann leider auch durch angestrengtes Nachdenken nicht herausfinden, was ich in meinen verregneten Sommerferien gemacht habe. Natürlich waren wir im Ferienlager, das waren drei Wochen. Dann noch zwei Wochen mit den Eltern. Blieben noch drei Wochen, die ich mir irgendwie vertrieben haben muss. Das Fernsehprogramm war damals überschaubar. Samstag Mittag kam eine Programmvorschau für die ganze Woche. Das waren Bildschirmseiten, die durch den Fernseher scrollten (das Wort gab es noch gar nicht). Man musste sie abschreiben, was zu meinen Aufgaben gehörte. Natürlich auch in den Ferien. Dann gab es noch Ferienspiele. Dazu ging man in die Schule und wurde dort irgendwie beschäftigt. Es gab ein Heft mit Coupons für Bastelvormittage, Kinonachmittage und Wandertage. In den Ferien in die Schule zu gehen, war aber sch…

Hände falten

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Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein paar Regentropfen heilen keine Trockenheit, wie wir sie bis jetzt hatten. Aber immerhin. Der geschundene Boden sah ein bisschen erholter aus, nach der letzten Nacht. Manchmal kommt es mir auch so vor, als wenn das Schicksal der Welt doch ganz woanders entschieden wird. Vielleicht hängt es ja doch davon ab, ob ein paar Kinder aus einer Höhle gerettet werden können. Und wir sitzen hier und können einfach gar nichts machen. Jedenfalls nicht mehr, als die buddhistischen Nonnen, die in der Nähe der Höhle waren und beteten. Aber vielleicht kommt es ja gerade darauf an. Und jetzt ist es in der Tat gut ausgegangen und es fühlt sich ein bisschen so an, als ob die Welt wieder ein bisschen runder läuft. Ständig sind irgendwo Kinder in Not und selten findet ihre Not so viel Aufmerksamkeit. Wenn es aber nur ein paar Menschen gäbe, die ihre spirituelle Kraft für sie einsetzen würden, wäre die Welt schon ein bisschen besser, glaube ich.

Um die Kinder da…

Auslegen ab 30

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Ich habe mich in meinem kleinen Schreibhäuschen verbarrikadiert und warte. Meine Gemächer befinden sich im oberen Stockwerk. Ich habe Lebensmittel für einige Tage. Es kann also losgehen. An den Fenstern habe ich Beobachtungsposten eingerichtet. Ich will auf keinen Fall verpassen, wenn es gleich stundenlang regnet. Wenn es pladdert, dass die Dachrinnen überlaufen, wenn sich mein Balkon in ein flaches Bassin verwandelt, von dem Wasserfälle hinunterstürzen. Der letzte Regen, den ich miterlebt habe war, glaube ich, vor... vor... vor genau einem Jahr. Ich weiß noch, dass es so heftig und langanhaltend geregnet hat, dass mir die Fleißigen Lieschen auf dem Balkon ersoffen sind. In dieser Hinsicht kann auch nichts mehr schief gehen. 
Jetzt warte ich schon eine ganze Weile und es regnet nicht. Kein Tropfen. Es muss aber regnen, weil sonst alles vertrocknet. Der Gastwirt hat am Wochenende erzählt, dass er die Pfifferlinge aus Litauen geholt hat. So ein Quatsch! Dann soll es eben keine Pfifferl…

Nette Begleitung

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Im Biesenthaler Kulturbahnhof findet am kommenden Samstag ein Konzert statt, bei dem neun Liedermacherinnen und Liedermacher auftreten. Glücklicherweise habe ich am Samstag etwas Besseres vor. Ich schreibe „glücklicherweise“, weil mein Vorhaben für mich wirklich etwas viel Besseres ist, als ein Konzert zu besuchen, nicht, weil ich deswegen nicht zum Konzert gehen muss, was man ja sowieso auf gar keinen Fall muss. Ich hatte mal eine Brieffreundin, die schrieb immer, dass man überhaupt nichts muss. Sie war fast vollständig aus meinem Leben verschwunden und tauchte vor ein paar Tagen aus dem Nichts wieder auf. Ich fand das sehr schön, war mir aber kurz nicht ganz sicher, ob sie es wirklich war, die mir da schrieb. Vielleicht war es mein eigenes Unbewusstes oder ein Bot? Oder beides? Aber dann schrieb sie das mit dem ‚müssen‘ und ich war mir wieder sicher, dass sie es war. Obwohl es auch das Unbewusste gewesen sein könnte. Aber wie sollte ich das fertigbringen? Mir selbst unbewusst etwas…

200 Stunden

Ich musste mir auf einem S-Bahnhof eine Weile die Zeit vertreiben, weil ein Zug ausgefallen war. Das kommt in diesem Land schon mal vor, kein Grund zur Aufregung. Da ich das weiß, gehe ich mindestens einen Zug früher zum Bahnhof. Bei der Deutschen Reichsbahn hatte ich mal einen Kollegen, der sagte immer: „Wer reist, hat Zeit.“ Stimmt ja auch irgendwie. Leider ist Zeit zu haben nicht mit sozialer Anerkennung verbunden. Wer Zeit hat, hat sie wahrscheinlich irgendjemandem gestohlen. Tagediebe stehlen sogar ganze Tage. Besonders auf Arbeit wird man sehr scheel angeguckt, wenn man Zeit hat. Ich sage immer: Ich habe die Zeit abonniert! Obwohl das auch nicht mehr stimmt. Aber zurück zum S-Bahnhof. Es herrschte eine friedliche Sommernachmittagsstimmung, in der mir ein Mann auffiel der sehr lange telefonierte. Er sprach ein sehr breites Wienerisch. Da ich nun zwanzig Minuten warten musste, fiel mir auf, dass der Mann zwanzig Minuten telefonierte. Ich konnte mir gar nicht denken, was man solan…