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Angst machen

Man darf wieder ohne triftigen Grund das Haus verlassen. Einfach so. Sozusagen mir nichts, dir nichts. Man braucht nicht mehr darüber nachzudenken, warum man ausgerechnet jetzt rausgehen wollte oder sollte. Man kann einfach losgehen. Zack, ist man draußen. Warum? Wozu? Wohin? Alles egal. Hauptsache raus. Wenn ich es mir genau überlege, bin ich auch früher keineswegs ohne triftigen Grund vor die Tür gegangen; wäre mir nicht eingefallen. Allerdings hätte ich ohne eine Erlaubnis gehen können. Jetzt habe ich sie, obwohl ich immer noch nicht grundlos rausgehe. Das erinnert mich ein bißchen an meine Bremsprobeberechtigung: eine Erlaubnis zu etwas, was man sowieso nicht macht. Dass so etwas überhaupt erlaubt werden kann, ist auch nicht ganz selbstverständlich. In der Deutschen Demokratischen Republik war es das schon, weil alles, was nicht ausdrücklich erlaubt wurde, eben verboten war. Das Verbotensein war sozusagen der Grundzustand allen Seins, aus dem ein Gegenstand durch das Erlaubtwerden…

Herr Fant, der etwas nicht herausfand

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https://youtu.be/x4SmStFFZ2E




Kennst du die Geschichte von Herrn Fant
Sie ist neu und höchst interessant
I: Man kennt sie nicht in großen Städten,
nirgendwo auf dem Planeten ist die Geschichte von Herrn Fant bekannt :I

Herrn Fants Geschichte, hört, wie sie beginnt
Bei Babies, die nicht größer, als er sind
I: Ich weiß es noch genau, wie gestern
Da schenkten ihn Säuglingsschwestern in der Klinik einem Wickelkind :I

Seitdem wohnt Fant auf einem Wickeltisch
Er ist leider nicht sehr erfinderisch
I: Er kann und das ist nicht zu fassen
Den Wickeltisch nicht verlassen. Das ist komisch und problematisch :I

Es geschieht nämlich vier- fünfmal am Tag
Da kommt Besuch, den der Herr Fant sehr mag
I: Dann kommt ein Baby angeflogen
Wird aus- und wieder angezogen und beide erzählen sich einen Schlag :I


Und dann fliegt das Baby wieder weg
Herr Fant bleibt da und rührt sich nicht vom Fleck
I: Gern würde er auch fortfliegen
Und nicht nur auf dem Tisch rumliegen. Er weiß nicht wie. Es hat gar keinen Zweck …

Lied für Ronja & Co

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Es sind gerade schwierige Zeiten für Liedersänger. Singen darf zwar ansteckend sein, soll aber nicht die Gesundheit gefährden. Da müssen Ideen her. Grund genug für eine neue Strophe in einem alten Lied.

https://youtu.be/65c-7oeq__8




In Deckung bleiben

Die Krise ist ein zur Zeit sehr bemühtes und gleichwohl missverstandenes Wort. Man schmiedet Pläne für die Zeit, wenn die Krise vorbei ist und denkt wehmütig an die Tage vor der Krise zurück. Damit tut man sowohl der gegenwärtigen Situation als auch der Krise Unrecht. Denn - man kann es leider nicht anders sagen: Die Krise ist noch gar nicht da. Als Krise bezeichnet man den Höhe- oder Wendepunkt einer Entwicklung; den Punkt, an dem sich das Geschehen zum Guten oder zum Schlechten wendet. Dieser Zeitpunkt ist nicht nur noch nicht da, wir tun auch alles, um ihn so weit wie möglich hinauszuzögern. Zurzeit leben wir einfach nur in einer unangenehmen weil ganz und gar unentschiedenen Situation. Und wer ist schuld daran? Schuld daran ist ES, dessen Name hier nicht genannt werden soll. ES ist ein unsichtbares Phantom und es wird immer schwieriger zu glauben, dass ES wirklich existiert. Natürlich will man nicht, dass irgendjemand, den man kennt IHM zum Opfer fiele, aber man kennt eben auch ke…

Ridiculous

Meine Trefferquote bei der Vorhersage schlechter Nachrichten liegt zurzeit bei über 80 Prozent. Ich habe am Anfang die Ausgangsbeschränkungen und zuletzt die Maskenpflicht zutreffend geweissagt. Nur bei der Kurzarbeit in meinem Unternehmen lag ich falsch. Ich habe meine diesbezügliche Vorhersage jetzt dahingehend geändert, dass ich am Ende der einzige sein werde, mit dem keine Kurzarbeit vereinbart wird, weil ich ja schon als Kurzarbeiter eingestellt wurde. Ich bin damit bis jetzt nicht an die Öffentlichkeit gegangen, sondern orakele nur hin und wieder im Kreise meiner Familie. Mein Sohn erträgt auch die schwärzeste Vorhersage mit großem Gleichmut. Man könnte auf die Idee kommen, er kann oder will am sozialen Miteinander außerhalb der Reichweite seiner Ärmchen noch nicht so richtig teilhaben. 
Das stimmt natürlich nicht und es war diesmal Tante Hannelore, die das Problem vom Kopf auf die Füße gestellt hat. Als sie anläßlich meines Geburtstages am Telefon war, stellte ich auf Lautsprech…

JRs Mütze

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Die Vertreibung aus dem Paradies

„Mit brennender Sorge“ - so beginnt ein Text von Damiano Ratti. Wobei die Frage nach der Urheberschaft des Textes nicht ganz einfach zu beantworten ist, da mindestens noch zwei andere Herren beteiligt waren, und zwar Michael von Faulhaber und Eugenio Pacelli. Alle drei wirkten jedoch im selben Zeitabschnitt der Weltgeschichte und alle drei waren zur selben Zeit Amts- und Würdenträger der katholischen Kirche. Der Text stammt aus dem Jahr 1937 und zu dieser Zeit war von Faulhaber Kardinal und Erzbischof von München und Freising, Pacelli war Kardinalstaatssekretär in Rom und Ratti war der Papst und nannte sich Pius XI. Es ist bemerkenswert und es zeichnet diese Männer in meinen Augen aus, dass sie in der Lage waren, brennende Sorge zu fühlen, denn ich kannte dieses Gefühl bislang nicht. Mehr als ein halbes Menschenleben lang lebte ich sorglos in den Tag und glaubte nicht anders, dies sei das Glück. Sicher hatte ich auch machen Kummer: als meine Mutter schwer erkrankte oder als ich meinen…