Von Männern und Frauen

Ich durfte miterleben, wie ein Mann seinen Vogelkäfig verkauft hat, nachdem er sich von den Vögeln trennen musste, weil er sich eine Katze zulegen wollte. Der Käfig wurde fotografiert und an der Von-Kunde-zu Kunde-Verkaufswand des Supermarktes feilgeboten. Alle paar Tage waren Foto und Inserat verschwunden, ohne dass eine telefonische Kontaktaufnahme erfolgt wäre. Mein Mann gab nicht auf und inserierte immer wieder neu. Er investierte immer wieder neu in die Fotografien, denn er war davon überzeugt, den Käfig irgendwann für sechzig Euro zu verkaufen. Als ich ihn gestern in seiner Residenz aufsuchte, wurde ich von seiner Frau hineingelassen. Sie wies mir das Wohnzimmer. Dort saß mein Mann, strahlte über beide Backen und sah aus, wie ein Gangsterboss, dem gerade ein genialer Coup gelungen ist. Der Käfig sei verkauft, empfing er mich und grinste breit. An eine Frau. Die hätte ihn jedoch für ihre Mutter gekauft. 
Ach...
Ja. 
Ist er dafür nicht ein bisschen... 
...?!
... klein?
Wie auch immer. Immerhin passt zu dieser Geschichte, dass ich dann dabei assistieren sollte, den Balkon der Residenz mit einem Netz zu verhängen. Es war vermutlich für die Frau des Mannes. Aus der Wohnungstür kann sie aber nach wie vor ungehindert rein und raus. Der Mann ist ja kein Unmensch! Wenn ein Mann und eine Frau zusammen wohnen, entwickelt sich ja oft sehr seltsames Verhalten. Im Haus gegenüber wohnt zum Beispiel ein Paar im Rentenalter. Wenn sie vom einkaufen kommen ist er immer als erster an der Wohnungstür. Aber er hat keinen Schlüssel. Er wartet immer bis seine Frau kommt und die Tür aufschließt. Vielleicht kommt sie irgendwann mal nicht mehr. Dann wird er dort bis zum Sankt Nimmerleinstag stehen müssen. 
Ich könnte meinen Balkon nicht mit einem Netz verhängen. Über meinem Balkon gibt es nur den blauen Himmel und an dem kann man ja kein Netz fest machen. Selbst wenn ich also für länger eine Frau in meine Wohnung locken könnte, würde sie mir wahrscheinlich über den Balkon wieder abhauen. Möglicherweise ist es eine wirksame Strategie, sie mit der alleinigen Schlüsselgewalt auszustatten. Wenn sie nur einen Funken Verantwortungsgefühl im Leibe hat, kann sie dann nicht weg, denn sie müsste ja immer denken: Der Mann steht vor der Tür und kann nicht rein. Dann muss sie wieder zurückkommen und aufschließen. Ja, wenn man nur ein bisschen Beobachtungsgabe besitzt und eins und eins zusammenzählen kann - dann kann man es schon zu etwas bringen. 

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