Für immer

Einmal saß ich während einer Weiterbildung neben einer attraktiven Kollegin. Ich konnte gar nicht zuhören, weil ich damit beschäftigt war, mir vorzustellen wie ich mich herauswinde, wenn sie mich hinterher fragt, ob wir noch was trinken gehen. Sie hat selbstverständlich nicht gefragt. Ein anderes Mal erwischte ich mich dabei, wie ich sehr lange darüber nachdachte, wie ich verhindern könnte, dass eine junge Frau, die ich gerade kennengelernt hatte, bei mir einzieht. Sie kam nicht ein einziges Mal auch nur in die Nähe meiner Wohnung. Heute passiert mir so etwas nicht mehr. Vielleicht, weil ich gelernt habe, dass attraktive Frauen niemals über Männer herfallen und sie an den Haaren irgendwohin zerren. Trotzdem wüsste ich gern, wo diese Angst vor der Nähe herkam, die völlig unrealistisch war und die mich soviel Energie gekostet hat.
Ich glaube, die zweite Angst hat etwas mit dem Zustand meiner Behausung zu tun. Er entspricht einfach nicht den geltenden Standards. Ich kriege das auch nicht mehr hin. Ich müsste umziehen. Vielleicht ist das ja die Lösung. Aber für welches Problem? Egal. Wann ich erst mal die Lösung weiß, finde ich auch ein Problem dazu. Ein Adelie-Pinguin muss zum Beispiel ein Nest bauen -übrigens aus Steinen- mit dem er sich dann bei einem Weibchen bewerben kann. Wenn es ihr nicht gefällt, lässt sie ihn stehen. Der Pinguin sieht dann ziemlich bedeppert aus. Ich möchte das nicht erleben.
Eine junge Frau erzählte mir, dass sie mit ihrem Freund zusammenziehen will. Ich finde das nicht richtig. Für meine Begriffe geht das zu schnell. Wenn man einmal zusammen ist, gibt es schließlich nur noch eine Richtung, in die man sich entwickeln kann: auseinander. Darum sollte man, wenn man sich kennen gelernt hat, erst mal so weit wie möglich auseinander gehen. Das hat dann Potential. Wenn man dann nämlich wieder zueinander findet, ist es für immer.

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