Gallseife

In einem Ausschank am Spreeufer verkaufen sie Würste, die offenbar hauptsächlich für die Verteidigung im Nahkampf bestimmt sind: Man beißt hinein und sofort schießt zu beiden Seiten der Bissstelle heißes Fett heraus. Mit einiger Übung kann man so Angreifer von zwei verschiedenen Seiten gleichzeitig kampfunfähig machen, indem man ihnen das heiße Fett in die Augen spritzt. Ohne Übung versaut man sich einfach nur die eigene Kleidung und muss sich nach dem Verzehr dieser Wurst komplett umziehen oder sich von einem Erziehungsberechtigten abholen lassen. Keine Klassenlehrerin der Welt lässt einen weiter am Wandertag teilnehmen, nachdem man sich derartig besudelt hat. Eher würde es noch toleriert werden, sich von Kopf bis Fuß mit Hefeweizen zu übergießen. Nach dem Trocknen bleiben hier kaum Spuren zurück und Hefeweizen riecht auch nicht so schlimm, wie gewöhnliches Bier. Zu meinem Glück war ich nun nicht im Klassenverband unterwegs und meine nette Begleiterin sah über meinen Fauxpas einfach hinweg, als hätte ich mich mit nichts anderem als mit reinem Blütenstaub benetzt. Sie sagte nur ein einziges Wort: Gallseife.

Nun gehört Gallseife nicht gerade zu den Ingredienzien, die ich in meinem Gehäuse vorrätig halte oder gar mit mir führe. Ich musste mir also anders behelfen. Der Prozess ist noch im Gange, so dass ich über seinen hoffentlich glücklichen Ausgang hier noch nicht berichten kann. Ich kann aber schon sagen, dass das betreffende Kleidungsstück eine allfällig auffällige Anfälligkeit für Verschmutzungen aller Art an den Tag legt. Ich kann es eigentlich nie länger als einen Tag tragen. Sofort nach dem Überstreifen schmiere ich mir irgendetwas drauf. Entweder habe ich noch Zahnpasta an einem Finger oder etwas Schlimmeres. Eigentlich sollte ich das wissen und das Teil wenigstens zum Frühstück ausziehen. Das mache ich aber nicht und so muss ich nach dem Frühstück sehr viele Stellen mit einem nassen Lappen bearbeiten. Bevor alles wieder trocken ist, gehe ich natürlich nicht raus.

So geht der Tag dahin und ich schaffe nichts Nennenswertes, sofern man dazu das Haus verlassen muss. In der Zwischenzeit ist der Reinigungsprozess des durch den Wurstangriff verunreinigten Kleidungsstückes zum Abschluss gekommen. Ich muss sagen, das Ergebnis ist ganz ordentlich. In Ermangelung der mit Rindergalle versetzten Kernseife hatte ich auf die Schadstellen Geschirrspülmittel aufgebracht und das Teil über Nacht im Wasserbad liegen lassen. Anschließend erfolgte die Standardbehandlung durch die Waschmaschine. Die Wurstspritzer sind raus! Nur die Zahnpasta nicht.

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