In den Gärten des Glücks

Während die Oktobersonne ihre Strahlen noch einmal wie ein Friedensangebot über die Erde streichen lässt, liege ich flach auf dem Rücken und töte Bakterien. Dazu verschlinge ich alle acht Stunden eine riesige Penicillin-Tablette. Dann warte ich. Es ist eine schöne Beschäftigung, die ich aber zehn Tage lang durchhalten muss, um alle Bakterien auszumerzen. An mir soll es nicht liegen, ich könnte auch noch ein paar Tage dranhängen. Natürlich wäre es mir lieber, wenn dazu draußen ein Wetter-Chaos tobte, in das man keinen Hund schicken würde, wenn es bereits Stein und Bein dort draußen fröre. Aber das tut es nicht. Es ist lau und mild. Die vermaledeiten Bakterien hatten sich in meinem Hals festgesetzt und Gott weiß, was sie noch alles befallen wollten. Daraus wird nun nichts. Was haben die Menschen vor dem Penicillin gemacht? Musste es das Fieber allein schaffen? Konnte es das? Ungefähr zur gleichen Zeit brach mein Backenzahn, der mir schon lange Beschwerden verursachte. So ein Backenzahn hat ja vier Höcker und einer der Höcker brach einfach ab. Das hatte die Zahnärztin nicht kommen sehen, aber sie war auch der Meinung, dass dieser Defekt schon angelegt war und dass er die Beschwerden verursachte. Sie modellierte mir einen schönen neuen Höcker aus einer geheimnisvollen Paste und von Stund an war ich von allen Schmerzen frei. 

Man wünscht ja keinem, krank zu werden. Aber wenn man schon krank wird, dann wünschte ich doch sehr, dass man die gleiche Hilfe erführe, die mir zuteil wurde. So hatte sich zum Beispiel eine junge Augenärztin in den Kopf gesetzt, mich von dem doppelten Gesichte zu befreien, das ich seit über einem Jahr mit mir herumschleppte und das mir schon nicht wenig Verdruss bereitete. Dazu wollte sie an meinem kleinen Augäpfelchen den unteren Muskel abschneiden und um acht Millimeter weiter nach hinten versetzen. Warum sie so sicher war, dass das funktionieren würde, weiß ich nicht, aber sie behielt recht. Meine beiden Augen weichen zwar immer noch geringfügig von einander ab, aber in den allermeisten Augenblicken kann mein Hirn gewissermaßen davon absehen. 

So wendet sich weiter und immer weiter alles zum Guten. Kann das gut enden? Was hat es zu bedeuten, dass es das Leid und das Elend trotzdem gibt? Ist das das wahre Leben? Muss ich dort hinaus? Oder kann ich nicht für immer hier bleiben, in den Gärten des Glücks und mich satt trinken an seinem Nektar? Ich weiß es nicht. Ich höre nur hin und wieder und unwirklich noch die dunklen Klänge hinter dem hellen Strahlen: Vorsicht! Vorsicht! Vorsicht!

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