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Es werden Posts vom August, 2018 angezeigt.

Nach dem Wochenende

Ich bin vor einiger Zeit gefragt worden, ob mir meine Arbeit Spaß mache. Das war mir ein Anlass, mich mit dieser Frage zu beschäftigen. Von selbst wäre ich nicht darauf gekommen. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Ich gehe doch nicht zum Spaß arbeiten! Beim Arbeiten geht es in erster Linie um Geld und beim Geld hören Spaß und Freundschaft auf. Vielleicht ist es ja erhellend, dass das sich das deutsche Wort Spaß vom italienischen spasso ableitet, das wiederum Zerstreuung, Zeitvertreib, Vergnügen bedeutet. Wenn das der eigentliche Zweck der Arbeit sein sollte, dann haben wir es mit dem Spaß übertrieben. Dann ist daraus jetzt etwas geworden, das seinerseits wieder nach Zerstreuung und Vergnügen verlangt. Etwas, das einen ganzen Tag dauert, die ganze Woche beansprucht und das Denken und Träumen bestimmt, kann kein Spaß mehr sein!
Aber das muss es auch nicht. Die Frage, ob denn die Arbeit Spaß mache, kann sich eigentlich nur ein Kind der Spaßgesellschaft ausdenken. Auf der verzwei…

Nonsens

Irgendwo muss ich noch das Nonstop-Nonsens-Buch haben. Ein kleines Buch mit Sketchen von Dieter Hallervorden. Seltsamerweise ist ausgerechnet dieses Buch irgendwie über die deutsch-deutsche Grenze gekommen, als sie noch aus Eisen und Beton war. Ich kann nicht mehr sagen, ob ich von diesem Buch irgendwelchen nennenswerten Gebrauch gemacht habe. Ich glaube, ich hatte Schwierigkeiten, die gelesenen Sketche lustig zu finden, aber das weiß ich nicht mehr. Es gab in meiner Umgebung wahrscheinlich auch niemanden, mit dem ich sie hätte aufführen können. Wie dem auch sei, das Buch ist jedenfalls noch da, aber ich werde die Sketche wohl trotzdem nicht aufführen, obwohl ich heute vielleicht schon Spielpartner finden würde. Ich glaube, meine Vorstellung von Humor hat sich inzwischen ein bisschen verändert.  Es ist aber immer noch Nonsens. Vor ein paar Tagen war ich Beikoch in einer Kochshow. Es gab „Überraschungsauflauf mit Sommergemüse“. Das Sommergemüse bestand unter anderem aus Brokoli und Blum…

Alles wieder gut

Meine Toleranz gegenüber Insekten im Allgemeinen und Fliegen im Besonderen hat in den letzten Wochen stark abgenommen. Allerdings muss ich feststellen, dass ich eher die Qualitäten eines Fluchttieres als die eines Jägers besitze. Insofern scheint es bei mir schon eine genetische Veränderung zu mehr Friedfertigkeit zu geben. Meine Aggressionsbereitschaft scheint eher kulturell bedingt zu sein. Darum lachen mich die Fliegen auch aus. Im klebrigen Fliegenfänger verfange ich mich nur selbst. Eine Fliege ist dort noch nicht gelandet. Daraufhin habe ich meine alte Fliegenklatsche wieder aktiviert. Sie ist inzwischen so alt, dass bei jedem Zuhauen ein Stück vom Griff absplittert. Dass die Fliegen trotzdem den Tod finden, liegt daran, dass sie vor lauter Lachen nicht aufpassen wohin sie fliegen und im Bierglas landen, worin sie dann ertrinken. (An diesem Beispiel kann man auch sehr schön den Unterschied zwischen „effektiv“ und „effizient“ verdeutlichen: Effektiv ist meine Methode schon, weil …

Wollen und werden

Die Errichtung der Pyramiden von Gizeh war prägend für eine ganze Epoche. In einer zuvor nicht gekannten Kooperationsleistung arbeiteten die Menschen eines ganzen Landes über Generationen hinweg zusammen und erreichten ein gemeinsames Ziel. Wozu diese gewaltige Anstrengung gut sein sollte, erschließt sich uns Heutigen nicht mehr, aber sie hat das Land einst groß gemacht. Unsere Epoche bringt eine vergleichbare Leistung hervor: die Weltraumfahrt. Sie begann eigentlich als strategisches Manöver im Kalten Krieg, hat sich aber zu einem wahren Friedensprojekt entwickelt. Auf keinem anderen Gebiet arbeiten so viele Nationen friedlich zusammen. Vielleicht wird das Ziel dieser Anstrengungen den Menschen in viertausend Jahren ebenso rätselhaft vorkommen, wie uns das Ziel des Pyramidenbaus. Es ist allerdings fraglich, was von der Raumfahrt übrig bleiben könnte, das man so bestaunen könnte, wie Pyramiden. Die Weltraumbahnhöfe? Eine Raumstation? Satelliten! Vielleicht sogar ein Bauwerk auf dem Mo…

Es sei denn Liebe

Ich kann nicht mehr genau sagen, wann das anfing, aber irgendwann war ich der Meinung, Gefühle wären nur etwas für Mädchen und auch die würden sie sich nur einbilden. Ich hatte keine. Ich war in der Pubertät (oder zumindest in dem entsprechenden Alter) und ich war Dressur- und Springreiter. Das war ein Mädchensport und ich bekam immer die bockigen Pferde. Wenn ich in die Pfütze fiel, stand ich eben wieder auf, fing mein Pferd ein und stieg wieder auf. Jana sagte mir dann einmal, dass ich immer so cool aussehe, als ob ich niemals Angst hätte. Das hat mir sehr gefallen und ich konnte auch wirklich keine Angst mehr fühlen. Nicht dass ich keine Befürchtungen gehabt hätte, was alles nicht klappen könnte - aber das Gefühl der Angst war weg. Oder besser: ich konnte es nicht wahrnehmen. Genauso war es mit Glück und Trauer, Stolz und Freude, Wärme und Zuneigung und was das Leben sonst noch alles reich machen kann. Ich hatte mir das abgewöhnt und fing lieber an zu rauchen und zu trinken, weil …

Sapere aude

Ich bin so dumm wie Bohnenstroh. Ich bin darüber hinaus sogar noch viel dümmer als die Polizei erlaubt. So blöd, dass mich die Schweine beißen. Meine Blödigkeit sprengt alle bisher bekannten Grenzen. Ich habe sie mit Löffeln gefressen und jetzt kommt sie mir zu den Ohren heraus. So würde ich gern noch eine ganze Weile weitermachen, aber weil ich so dumm bin, fällt mir eben nicht mehr ein. Außerdem muss ich befürchten, dass nicht weiter gelesen wird, denn wer will schon lesen, was ein Dummer geschrieben hat? Also schreibe ich jetzt erstmal, warum ich mich so eifrig der Dummheit bezichtigen will. Es ist wegen Martenstein. Im letzten Zeitmagazin hat Martenstein darüber geschrieben, dass die Intelligenz immer mehr abnimmt und die Menschen immer dümmer werden. Er kommt dann aber zu dem Schluss, dass das gar nichts macht, weil man zur Feststellung seiner Dummheit wenigstens noch ein bisschen Intelligenz benötige. Dumme würden gar nicht bemerken, dass sie dumm sind, sondern würden sich für z…

So oder so

Der kleine Junge saß im Sandkasten und war sehr beschäftigt. Er war jetzt schon den ganzen Nachmittag hier draußen und auch am Vormittag war er hier gewesen. Er war mit seinem Werk noch lange nicht zufrieden. Es war nicht schlecht, im Gegenteil, es war sogar sehr gut. Aber es war eben auch noch lange nicht fertig. Während er sich alles noch mal ansah und darüber nachsann, erklang eine wohlvertraute Stimme:  „Oh! Mein! Gott!“ „Ja, Mamma?“ „Komm rein, das Abendessen ist fertig!“ „Aber ich mache gerade die Welt... und die ist noch nicht fertig.“ „Mein lieber Gott, ja, natürlich, aber morgen ist auch noch ein Tag. Komm jetzt!“ Gott seufzte und ging rein. Das ganze ging insgesamt geschlagene sechs Tage so. Jeden Abend dachte er: „Es ist gut, es ist sogar sehr gut, aber es ist eben noch nicht fertig.“ Nach sechs Tagen war er dann zufrieden. Und am siebten Tag sah er den ganzen Tag lang nur fern und dachte nicht mehr an die blöde Welt, die er gemacht hatte und schließlich vergaß er sie ganz.  Viele…

Hänsel und Gretel

Auch beim Singen muss man schon ein bisschen aufpassen, sonst kommt man schnell mal in brenzlige Situationen, in denen guter Rat teuer ist. Zurzeit ist es angeraten vom Brünnlein kalt, vom kühlen Grunde, vom See und vom Trinken zu singen. Nicht jedoch vom Ofen oder von Feuer und Kohle. Nicht alle halten sich aber an solcherlei Konventionen und wollen sich lieber alles Mögliche frei von der Leber weg singen. So wurde dann auch mitten in der schönsten Mittagshitze vorgeschlagen, das Lied von Hänsel und Gretel zu singen. Alle Einwände halfen nicht. Ich versuchte es auf das Schrecklichste auszumalen, was passieren würde, wenn der Ofen einmal in Gang käme, aber man lachte nur und meinte man könnte das mit dem Ofen ja weglassen. Natürlich. Das kennt man ja. Wir müssen morgen früh raus, gehen aber abends trotzdem noch in die Kneipe. Dann trinken wir halt mal nicht so viel. Auf diese Weise hätte ich beinahe mal eine mündliche Prüfung vergeigt. Denn jedes Geschehen hat eine eigene Dynamik, die…

Im Sinne des Verfassers

An heißen Sommertagen wende ich in meiner Wohnung einen einfachen aber wirkungsvollen Trick an, um mir Abkühlung zu verschaffen: Ich warte die Mittagszeit ab und erhitze dann mehrere Töpfe mit Wasser auf dem Herd in der Küche. Ich koche Kartoffeln und grüne Bohnen und ich brate Fleisch. Die Küche ist ohnehin der heißeste Raum in der Wohnung, denn sie hat keinen funktionierenden Sonnenschutz. Durch die beschriebenen Aktivitäten erreiche ich nach dem Schließen der Tür Temperaturen, die denen auf der Oberfläche der Sonne nahekommen. Dann verzehre ich die doppelte Menge meines eigentlichen Kalorienbedarfs in der Hälfte der sonst üblichen Zeit. Anschließend wasche ich noch ab. Dann verlasse ich die Küche wieder. Das dauert alles nicht länger, als zwanzig Minuten. Aber selbst, wenn ich vorher in den anderen Räumen fast erstickte, erscheinen sie mir nach meinem kurzem Aufenthalt im Vorhof der Hölle wie Kühlzellen. Ich muss mir etwas überziehen, um mich nicht zu erkälten.  Dieses Prinzip heißt…