Posts

Es werden Posts vom September, 2018 angezeigt.

Die Welt versinkt im Chaos

Ich muss mich korrigieren, was die Umfragen zum Fall Maaßen betrifft. Ich bin jetzt doch gebeten worden, an einer solchen teilzunehmen. Eine namhafte Wochenzeitung fragt, ob ich mit der Entscheidung zufrieden bin, dass Maaßen Sonderberater wird. Das ist eine neue Vorgehensweise. Warum haben sie nicht gefragt, ob ich mit der Entscheidung zufrieden bin, dass Gauland Fraktionsvorsitzender wird? Oder dass Adler Staatssekretär im Innenministerium wird? Ich finde das nicht gut. Einerseits ist es nicht gut, wenn den Zeitungslesern vorgegaukelt wird, sie lebten in einer direkten Demokratie. Es beleidigt die Intelligenz. In einer direkten Demokratie werden alle öffentlichen Fragen öffentlich auf dem Marktplatz verhandelt und durch die Bürger mehrheitlich entschieden. So etwas gibt es aber gar nicht. Andererseits ist es nicht gut, dass durch solche Umfragen ein Meinungsbild entsteht, denn es ist weder repräsentativ noch richtig. Selbst bei strengster politischer Enthaltsamkeit und der strikten…

Zwei Gläser

Es könnte sein, dass ich heute erfahre, dass ich befördert werde. Mein Urlaub ist vorbei und ich habe in der letzten Zeit ja so einiges von mir gegeben, was vielleicht verkehrt gewesen sein könnte. Dann muss ich meinen Hut nehmen. So sind die Regeln. Vielleicht haben sie schon das ganze Wochenende zusammengesessen und überlegt, was sie mit mir machen. Mein Chef will mich natürlich behalten, weil ich so einen tollen Job mache. Die anderen finden mich aber inzwischen auf meinem Posten nicht mehr tragbar. Freilich könnte mich mein Chef einfach in den Ruhestand versetzen, aber das wäre teuer, weil ich dann sehr lange ruhig bin und jeden Monat ein Ruhegehalt bekomme. Wenn er mich befördert, bekomme ich zwar noch mehr Gehalt, muss aber dafür etwas unruhiger leben. Vielleicht muss ich jeden Tag in ein Büro gehen und dort einen Computer einschalten. Das kann einen schon einen Tag lang beschäftigen. Ich habe gerade eine ganze Stunde gebraucht, um meinen Computer zum Laufen zu bringen! Er woll…

Was man tut

Wozu die Causa Maaßen gut war, kann man noch nicht sagen. Es ist einfach noch zu früh. Vielleicht wird sie für ein Sprichwort herhalten. Etwa wie: „In Maaßen ist dagegen nichts einzuwenden“. Oder so ähnlich. Oder auch: „Sie ärgerten sich über alle Maaßen“. Auf jeden Fall bedient sich jetzt auch die Bundesregierung mit ‚try and error‘ einer bewährten Methode zur Wahrheitsfindung. Die Kritik daran läuft in etwa darauf hinaus, dass das planlos und unprofessionell sei. Das stimmt aber so nicht. Vielmehr beweist die Kanzlerin, dass sie ihre Herkunft aus dem Wissenschaftsbetrieb nicht vergessen hat. Dort arbeitet man schließlich nur so. Woher soll man denn wissen, was richtig ist? Man macht eine Vorhersage und überprüft, ob sie stimmt. Falls nicht, probiert man eben was anderes. Manchmal kommt auch etwas heraus, das mit der eigentlichen Fragestellung gar nichts zu tun hat. So hat Alexander Fleming im Jahr 1928 das Penicillin entdeckt, weil ihm während der Sommerferien seine vergessenen Sta…

Das ganze Bild

Die gute Nachricht zuerst: Kein Mensch ist allein auf der Welt. Für jeden Menschen im Universum gibt es einen anderen, der zu ihm gehört und mit dem er zusammen froh und glücklich sein könnte. Die schlechte Nachricht: Es ist extrem unwahrscheinlich, ja genau genommen ganz und gar unmöglich, dass diese beiden Menschen zueinander finden. Sie existieren irgendwo, irgendwann und sie wissen nichts voneinander. Aber manchmal kommt es zu einer seltsamen Gleichgewichtsschwankung zwischen den Kräften des Universums und dann kann es passieren, dass sie sich diese zwei Menschen doch begegnen. Das sind dann die Sternstunden des Universums, die Zeit hört auf zu fließen und es entsteht etwas ganz und gar Neues.

Vor ein paar Tagen bin ich gefragt worden, ob ich das Gefühl kennen würde, dass etwas so schön ist, dass man es kaum aushalten kann. Ich kannte es nicht, aber ich hatte so eine Ahnung, dass ich es bald kennenlernen würde. Ich wäre dafür bereit. Nun habe ich „Das Orangenmädchen“ von Jostein…

Realität

Bild
copyright: Kunst und Bild GmbH Berlin Artwork copyright: Frielinghaus Design

Weißenfels

Bild

Es lohnt sich

Manche sagen ja, es gibt sie gar nicht. Sie wären nur Fabelwesen aus einer Phantasiewelt. Das stimmt aber nicht. Einhörner sind sehr selten und sie verbergen sich vor den Menschen aus gutem Grund. Aber es gibt sie. Vielleicht gibt es auch nur noch ein einziges. Ein Einhorn ist ein vollkommen reines und überaus verletzliches Wesen. Im Kontakt mit dem Groben und Gewöhnlichen wird es krank und leidet. Wenn es sich dann nicht zurückzieht, stirbt es. Darum ist es ganz und gar unwahrscheinlich, dass unsereiner so ein Geschöpf zu Gesicht bekommt. Wir machen schon beim Atmen einen solchen Lärm, dass ein Einhorn, sollte zufällig doch einmal eines hier auftauchen, über alle Berge auf und davon wäre, ehe wir auch nur in seine Nähe kämen. Nur sehr empfindsame, stille und aufrichtige Geschöpfe können sich einem Einhorn nähern und es beobachten.

Ich bin nun weder empfindsam noch still. Aufrichtig will ich schon sein, aber bin ich es? Kann ich es? Es gibt schon ein paar Tiere, die manchmal meine N…

Frühling

Ich bin verliebt. Es hat mich richtig erwischt. Dabei kennen wir uns schon eine ganze Weile. Natürlich habe ich sie gleich nach dem ersten Treffen mit nach Hause genommen. Wir haben die erste Nacht zusammen verbracht, weitere folgten. Dann traten Beschwerden auf. Mir tat morgens die Schulter weh. Ich musste eine Entscheidung treffen. Ich habe sie in die Ecke gestellt und eine Andere genommen.

Ich habe sie schnell vergessen, aber mit der Anderen war auch nicht alles schön. Zwar waren jetzt die Schmerzen weg, aber sie war irgendwie zu klein. Sicher, es gab auch Größere, aber die waren eben wieder zu groß. Es ist nicht leicht, in meinem Alter was Passendes zu finden. Nun war sie aber einmal da, ich wollte nicht schon wieder wechseln, also haben wir uns arrangiert. Ich wollte nicht wahrhaben, dass das Problem tiefer sitzt. Man hält sich dann an Äußerlichkeiten fest. Irgendwann habe ich alles auf das alte Schrankbett geschoben. Es ist bemerkenswert, was man für Energie entwickeln kann, we…

Gallseife

In einem Ausschank am Spreeufer verkaufen sie Würste, die offenbar hauptsächlich für die Verteidigung im Nahkampf bestimmt sind: Man beißt hinein und sofort schießt zu beiden Seiten der Bissstelle heißes Fett heraus. Mit einiger Übung kann man so Angreifer von zwei verschiedenen Seiten gleichzeitig kampfunfähig machen, indem man ihnen das heiße Fett in die Augen spritzt. Ohne Übung versaut man sich einfach nur die eigene Kleidung und muss sich nach dem Verzehr dieser Wurst komplett umziehen oder sich von einem Erziehungsberechtigten abholen lassen. Keine Klassenlehrerin der Welt lässt einen weiter am Wandertag teilnehmen, nachdem man sich derartig besudelt hat. Eher würde es noch toleriert werden, sich von Kopf bis Fuß mit Hefeweizen zu übergießen. Nach dem Trocknen bleiben hier kaum Spuren zurück und Hefeweizen riecht auch nicht so schlimm, wie gewöhnliches Bier. Zu meinem Glück war ich nun nicht im Klassenverband unterwegs und meine nette Begleiterin sah über meinen Fauxpas einfach…

Fortsetzung folgt

Ich weiß gar nicht mehr, was ich zuerst machen soll! Schreiben, Musik machen, verabreden. Es ist schön und ich will überhaupt nichts anderes mehr machen, aber letztlich bleibt für alles zu wenig Zeit. Die Chorproben haben im September wieder angefangen, aber ich war noch nicht da. Ich kaufe nur noch das Nötigste ein, damit ich mich schnell wieder meiner eigentlichen Beschäftigung widmen kann und habe dann nichts zu essen im Haus. Meine Besucherin musste sich vor dem Verlassen meiner Wohnung die Füße waschen, weil sie sich unvorsichtigerweise die Schuhe ausgezogen hatte. Das darf man in meiner Wohnung eigentlich nicht machen. Meine Wohnung ist schließlich keine Moschee, sondern eher wie eine Wiese oder wie ein Wald. Oder wie eine Wiese im Wald. Man merkt es nicht gleich am Geruch, aber an den Füßen merkt man es sofort.

Jetzt muss ich auch gleich wieder los, denn man soll seine Verabredungen nicht warten lassen. Ich hatte eine Weile so gut wie überhaupt keine Verabredungen, darum hat …

Seele verkaufen

Da sieht man es mal wieder: Geld macht eben auch nicht glücklich. Geld ist nun mal zum Ausgeben da, das ist das Traurige am Geld. Man kann davon sammeln soviel man will, wenn man es nicht ausgibt, hat man nichts davon. Es ist eigentlich nur eine Zahl. Wenn man es aber ausgibt, macht es einen unglücklich, weil man es ja lieber behalten möchte. Es ist kaum möglich, dass man etwas dafür bekommt, was sein Geld wert ist. Denn Geld haben bedeutet ja, Möglichkeiten zu haben. Viele, viele und noch mehr Möglichkeiten. Alle diese Möglichkeiten schnurren bei der Geldausgabe auf eine einzige zusammen. Ein schlechter Tausch. Dann sitzt man mit dem Gegenwert seines Geldes da und ärgert sich darüber, dass man nun alles andere nicht mehr kaufen kann, was man sich hätte kaufen können. In dieser Hinsicht war das Leben in der DDR eben leichter. Das Sammeln von Geld dauerte zwar viel länger, weil man ja immer nur wenig davon bekam, aber dann konnte man es getrost für immer behalten, denn es gab ja nun ma…

Verabreden

Meine letzte Verabredung mit einer schönen Frau liegt schon eine Weile zurück. Also ein Rendezvous, nur die schöne Frau und ich. Wir gehen ins Kino, was essen oder in die Oper! Es ist immer unglaublich aufregend. Die schöne Frau ist einen ganzen Abend lang nur für mich da und ich stelle mir natürlich vor, wie es wäre, wenn sie für immer da wäre. Eine Zeitlang dachte ich, ich müsste das der schönen Frau sofort sagen. Das denke ich heute nicht mehr. Die schönen Frauen denken nämlich über ihre Männerbekanntschaften wahrscheinlich ganz anders, als ich mir das vorstelle. Ich denke: ‚Sind wir jetzt zusammen, oder was?!‘ Die schöne Frau denkt: ‚So ein schöner Abend!‘ Also vielleicht denkt sie das oder etwas vergleichbares. Ich weiß es bis heute nicht. Ich weiß nur, dass die Wahrscheinlichkeit von Folgeverabredungen rapide sinkt, wenn ich offen und rückhaltlos mein Herz ausschütte.  Während des Studiums bekam ich so eine Verabredung mit einer schönen Frau. Wir saßen in einer angesagten Kneipe …

Abschied

„Der Abschied ist gekommen, Ich glaub‘, ich füg‘ mich niemals drein, Dabei hab ich ihm lang schon entgegengeseh‘n.“ Eigentlich hatte ich ja gedacht, so etwas passiert mir nicht mehr. Nie mehr wollte ich mich noch einmal so von einem Menschen berühren lassen, dass es irgendwann anfängt, wehzutun. Ich wollte dies schon schaffen, indem ich unter den Menschen lebte, sie nicht etwa floh oder hasste, sondern indem ich sie liebte. Aber so, dass ich jeden einzelnen von ihnen auch jederzeit wieder loslassen könnte, ohne zu trauern. „Nur so, wie man sich etwa in einen irdenen Krug oder in ein Kelchglas oder in ein Ding von dieser Art verliebt, damit du, wenn es zerbricht, dich seiner Beschaffenheit leicht entsinnst und ruhigen Gemüts bleibst.“ (Epiktet) Aber nun ist es doch anders gekommen.  „Ich hab‘ nie Abschied genommen, Ohne zerrissen zu sein, Und einmal mehr wünschte ich jetzt, die Zeit bliebe steh‘n!“ Es war am Rande einer Tagung in Hogwarts. Wir saßen abends noch im Drei Besen auf ein Butterbie…

Nach fest kommt lose

Die von Alfred Wegener entdeckte Kontinentaldrift ist ein sehr schönes Bild für die Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung von menschlichen Beziehungen. Menschen sind nun mal keine Pinguine. Obwohl es sie mit aller Macht zueinander zieht, streben sie doch auseinander. Aber gerade dieses Auseinanderstreben bringt sie schließlich und endlich wieder zusammen. Der Superkontinent Pangäa existierte einhundertundfünfzig Millionen Jahre lang. Das ist eine lange Zeit. Aber schon eine ganze Weile brodelte es unter der Oberfläche und schließlich brach das ganze Riesending wieder auseinander. Von dieser Zeit an strebten die einzelnen Teile auseinander. Aber irgendwo stießen sie wieder zusammen und es gab ganz neue Verbindungen. Zum Beispiel krachte die adriatische Platte gegen das südliche Europa und bildete die Alpen. Der Aufprall ist immer noch im Gange und darum sind die Alpen noch lange nicht ausgewachsen. Mit dem Himalaya ist es genauso. Irgendwann werden sich auch Afrika und Südamerika wieder…

Für immer

Einmal saß ich während einer Weiterbildung neben einer attraktiven Kollegin. Ich konnte gar nicht zuhören, weil ich damit beschäftigt war, mir vorzustellen wie ich mich herauswinde, wenn sie mich hinterher fragt, ob wir noch was trinken gehen. Sie hat selbstverständlich nicht gefragt. Ein anderes Mal erwischte ich mich dabei, wie ich sehr lange darüber nachdachte, wie ich verhindern könnte, dass eine junge Frau, die ich gerade kennengelernt hatte, bei mir einzieht. Sie kam nicht ein einziges Mal auch nur in die Nähe meiner Wohnung. Heute passiert mir so etwas nicht mehr. Vielleicht, weil ich gelernt habe, dass attraktive Frauen niemals über Männer herfallen und sie an den Haaren irgendwohin zerren. Trotzdem wüsste ich gern, wo diese Angst vor der Nähe herkam, die völlig unrealistisch war und die mich soviel Energie gekostet hat. Ich glaube, die zweite Angst hat etwas mit dem Zustand meiner Behausung zu tun. Er entspricht einfach nicht den geltenden Standards. Ich kriege das auch nicht …