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Es werden Posts vom Juli, 2018 angezeigt.

Treue, Leid und Trauer

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Man lernt nie aus. Vor ein paar Wochen erst habe ich erfahren, wie die erste Strophe von Jetzt fahr‘n wir über‘n See wirklich geht; nämlich so:

Jetzt fahr‘n wir über‘n See, über‘n See
Jetzt fahr‘n wir über‘n See.

Soweit, so gut. Bis hierher ist noch alles klar, es gibt keine Überraschungen. So kennen und lieben wir das Lied.
Mit einer hölzern Wurzel. Wurzel, Wurzel, Wurzel. Mit einer hölzern Wurzel - Hier müssen wir noch mal kurz innehalten. Man findet schon in diesem alten Lied Muster, die auch noch in modernen Popsongs erfolgreich sind: die dreimalige Wiederholung des Wortes, mit dem die vorangegangene Zeile endet. Vergleiche: Hölle, Hölle, Hölle. Zurecht erwartet man danach irgendeine Offenbarung. Und jetzt kommt sie: Ein Ruder war nicht dran. Was soll das denn? Was für ein Ruder überhaupt? Ist das Steuerruder gemeint oder die Riemen eines Ruderbootes? Ist denn ein Segel dran? Ganz offensichtlich handelt es sich bei dieser vollkommen unverständlichen Textzeile um einen klassischen Verhörer…

Es bleibt anders

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Einer meiner Lieblings-Gespielten-Witze geht so: Ich nehme zwei Stapel Spielkarten und haue sie dermaßen ungeschickt zusammen, dass sie nach allen Richtungen auseinander fliegen. Dann frage ich: „Welcher Filmtitel ist das?“ Antwort: „Mischen: Impossible.“ Genauer gesagt handelt es sich schon um M:I 2, weil ich ja mit zwei Kartenstapeln gearbeitet habe. Das konnte man bis vorige Woche mit bis zu fünf Kartenstapeln variieren. Seit dieser Woche gibt es sechs M:I Filme mit Tom Cruise. In der Zeitung steht eine Meldung über die Premiere, in der hervorgehoben wird, dass dessen Haar immer noch voll sei und auch seine Zähne blendend weiß strahlten. Und das trotz seiner 56 Jahre! Am Schluss heißt es: „Ein wahrer Filmheld wird eben niemals alt.“ Als ob man das Alt-Sein am vollen Haar oder an den weißen Zähnen ablesen könnte. Alt ist man dann, wenn man nichts Neues mehr erleben kann. Wenn es nichts Aufregendes mehr gibt, man keine Überraschungen mehr erlebt und wenn man nur noch lang vergangene…

Wenn der Wind weht

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Was der Wind tut

Was für ein verregneter Sommer! Das Kind aus dem Haus gegenüber guckt ein bisschen ratlos durch das Küchenfenster. Es sind Ferien und es regnet Bindfäden. Was soll man da machen? Ich kann leider auch durch angestrengtes Nachdenken nicht herausfinden, was ich in meinen verregneten Sommerferien gemacht habe. Natürlich waren wir im Ferienlager, das waren drei Wochen. Dann noch zwei Wochen mit den Eltern. Blieben noch drei Wochen, die ich mir irgendwie vertrieben haben muss. Das Fernsehprogramm war damals überschaubar. Samstag Mittag kam eine Programmvorschau für die ganze Woche. Das waren Bildschirmseiten, die durch den Fernseher scrollten (das Wort gab es noch gar nicht). Man musste sie abschreiben, was zu meinen Aufgaben gehörte. Natürlich auch in den Ferien. Dann gab es noch Ferienspiele. Dazu ging man in die Schule und wurde dort irgendwie beschäftigt. Es gab ein Heft mit Coupons für Bastelvormittage, Kinonachmittage und Wandertage. In den Ferien in die Schule zu gehen, war aber sch…

Hände falten

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Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein paar Regentropfen heilen keine Trockenheit, wie wir sie bis jetzt hatten. Aber immerhin. Der geschundene Boden sah ein bisschen erholter aus, nach der letzten Nacht. Manchmal kommt es mir auch so vor, als wenn das Schicksal der Welt doch ganz woanders entschieden wird. Vielleicht hängt es ja doch davon ab, ob ein paar Kinder aus einer Höhle gerettet werden können. Und wir sitzen hier und können einfach gar nichts machen. Jedenfalls nicht mehr, als die buddhistischen Nonnen, die in der Nähe der Höhle waren und beteten. Aber vielleicht kommt es ja gerade darauf an. Und jetzt ist es in der Tat gut ausgegangen und es fühlt sich ein bisschen so an, als ob die Welt wieder ein bisschen runder läuft. Ständig sind irgendwo Kinder in Not und selten findet ihre Not so viel Aufmerksamkeit. Wenn es aber nur ein paar Menschen gäbe, die ihre spirituelle Kraft für sie einsetzen würden, wäre die Welt schon ein bisschen besser, glaube ich.

Um die Kinder da…

Auslegen ab 30

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Ich habe mich in meinem kleinen Schreibhäuschen verbarrikadiert und warte. Meine Gemächer befinden sich im oberen Stockwerk. Ich habe Lebensmittel für einige Tage. Es kann also losgehen. An den Fenstern habe ich Beobachtungsposten eingerichtet. Ich will auf keinen Fall verpassen, wenn es gleich stundenlang regnet. Wenn es pladdert, dass die Dachrinnen überlaufen, wenn sich mein Balkon in ein flaches Bassin verwandelt, von dem Wasserfälle hinunterstürzen. Der letzte Regen, den ich miterlebt habe war, glaube ich, vor... vor... vor genau einem Jahr. Ich weiß noch, dass es so heftig und langanhaltend geregnet hat, dass mir die Fleißigen Lieschen auf dem Balkon ersoffen sind. In dieser Hinsicht kann auch nichts mehr schief gehen. 
Jetzt warte ich schon eine ganze Weile und es regnet nicht. Kein Tropfen. Es muss aber regnen, weil sonst alles vertrocknet. Der Gastwirt hat am Wochenende erzählt, dass er die Pfifferlinge aus Litauen geholt hat. So ein Quatsch! Dann soll es eben keine Pfifferl…

Nette Begleitung

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Im Biesenthaler Kulturbahnhof findet am kommenden Samstag ein Konzert statt, bei dem neun Liedermacherinnen und Liedermacher auftreten. Glücklicherweise habe ich am Samstag etwas Besseres vor. Ich schreibe „glücklicherweise“, weil mein Vorhaben für mich wirklich etwas viel Besseres ist, als ein Konzert zu besuchen, nicht, weil ich deswegen nicht zum Konzert gehen muss, was man ja sowieso auf gar keinen Fall muss. Ich hatte mal eine Brieffreundin, die schrieb immer, dass man überhaupt nichts muss. Sie war fast vollständig aus meinem Leben verschwunden und tauchte vor ein paar Tagen aus dem Nichts wieder auf. Ich fand das sehr schön, war mir aber kurz nicht ganz sicher, ob sie es wirklich war, die mir da schrieb. Vielleicht war es mein eigenes Unbewusstes oder ein Bot? Oder beides? Aber dann schrieb sie das mit dem ‚müssen‘ und ich war mir wieder sicher, dass sie es war. Obwohl es auch das Unbewusste gewesen sein könnte. Aber wie sollte ich das fertigbringen? Mir selbst unbewusst etwas…

200 Stunden

Ich musste mir auf einem S-Bahnhof eine Weile die Zeit vertreiben, weil ein Zug ausgefallen war. Das kommt in diesem Land schon mal vor, kein Grund zur Aufregung. Da ich das weiß, gehe ich mindestens einen Zug früher zum Bahnhof. Bei der Deutschen Reichsbahn hatte ich mal einen Kollegen, der sagte immer: „Wer reist, hat Zeit.“ Stimmt ja auch irgendwie. Leider ist Zeit zu haben nicht mit sozialer Anerkennung verbunden. Wer Zeit hat, hat sie wahrscheinlich irgendjemandem gestohlen. Tagediebe stehlen sogar ganze Tage. Besonders auf Arbeit wird man sehr scheel angeguckt, wenn man Zeit hat. Ich sage immer: Ich habe die Zeit abonniert! Obwohl das auch nicht mehr stimmt. Aber zurück zum S-Bahnhof. Es herrschte eine friedliche Sommernachmittagsstimmung, in der mir ein Mann auffiel der sehr lange telefonierte. Er sprach ein sehr breites Wienerisch. Da ich nun zwanzig Minuten warten musste, fiel mir auf, dass der Mann zwanzig Minuten telefonierte. Ich konnte mir gar nicht denken, was man solan…

Immer näher

Die Pyramiden sind ein großes Rätsel. Wer hat sie gebaut und wie? Und vor allem warum? Keiner weiß was, nirgendwo steht was. Nur die Pyramiden sind da. Wie sich jetzt herausgestellt hat, sind sie aber hohl. Jedenfalls hohler, als man gedacht hat. Was hat das alles nur zu bedeuten? Ich habe jetzt durch jahrelanges Nachdenken herausgefunden, was es mit den Pyramiden auf sich hat. Es ist gar nicht so spektakulär und es hat auch nicht richtig funktioniert. Es war nämlich so: Vor sehr langer Zeit waren die Menschen auch schon ganz schön schlau. Sie sind eigentlich in der Zeit, in der sie in Zivilisationen und Kulturen leben überhaupt nicht schlauer geworden. Das Gegenteil ist viel wahrscheinlicher. Wie dem auch sei, jedenfalls hatten die Menschen auch vor 10.000 Jahren schon eine Idee davon, dass sie auf einem kugeligen Planeten herumkriechen, der seine Energie von einem eher mittelgroßen Stern bekommt. Es ist nur die Frage, wie verbreitet diese Ideen waren. Man war vielleicht eher knause…

Plattmacher

Früher habe ich alles Mögliche unternommen, um die Fliegen aus meiner Wohnung auszusperren und fernzuhalten. Ich hatte Netze vor den Fenstern und Säcke vor den Türen. Die Fliegen kamen trotzdem rein. Ich war ständig auf der Jagd und vor allem konnten die Fliegen nicht mehr lebend hinaus. Nur als Fliegenleiche konnten sie die Wohnung wieder verlassen. Das macht etwas mit einem. Man findet so leicht keinen Frieden mehr. Heute lebe ich mit meinen Stubenfliegen in friedlicher Hausgemeinschaft. Auch Fliegen haben einen Rhythmus. Abends sind sie ziemlich zeitig verschwunden. Dafür sind sie morgens früh wach. Sie kommen an mein Bett, fliegen mir um den Kopf herum und tun so, als würden sie sich in meinem Haar verfangen. Es hilft dann nichts: ich muss aufstehen. Dann ist es auch wieder gut. Sie sind viel bessere Haustiere als Katzen. Ich muss sie nicht füttern, ich brauche sie nicht raus- oder reinlassen und sie machen keinen Dreck. Wenn ich ihnen tief in die Facettenaugen schaue, kann ich f…

Vorzeichen des Untergangs

Manchmal sieht es aber auch wesentlich schlimmer aus, als es wirklich ist. Wenn man erstmal das ganze Blut abgewischt hat, ist doch nur eine kleine Schramme am Knie. Aber man hat schon ganz schön geschrien. „Das ist nur der Schreck“ haben sie dann gesagt. Und: „Bis zur Hochzeit ist alles wieder gut.“ Das stimmte auf jeden Fall. Die eigene Hochzeit war mir etwas dermaßen Unvorstellbares, dass ich mir keine Verletzung denken konnte, die nicht bis dahin wieder gut würde. Irgendwann während meiner ersten fünf Schuljahre traf ich mich mit einem Mädchen aus meiner Klasse, die im ersten der drei Hochhäuser eine Großmutter hatte. Wenn sie mich dorthin mitnahm, konnte ich Fahrstuhl fahren. Allein kam ich in das Haus gar nicht hinein. Ich dachte, sie sei meine Freundin. Aber wenn es ums Heiraten ging, wurde sie immer sehr abweisend. Sie wollte einfach nicht darüber sprechen. Danach traf ich lange Zeit kein Mädchen mehr, mit dem ich auch nur gedanklich in die Nähe dieses Themas gekommen wäre. A…

Entscheide dich

Jetzt sind also die Sonnenblumen doch noch vor Horst Seehofer eingeknickt, was eigentlich sehr schade ist. Einen Horst Seehofer kann man sich schließlich nicht so schön auf den Balkon stellen. Obwohl ich gern mal sehen möchte, was er bei dieser Dürre auf meinem Balkon für eine Figur machen würde. Ich hatte gestern meine Mütze vergessen und musste nur fünf Minuten in der Sonne auf den Bus warten. Trotzdem habe jetzt eine rote Birne. Aber nicht nur wegen der Sonne. Es ist ja auch schon alles ein bisschen peinlich. Es kann nicht mehr lange dauern, bis auch in Europa einer kommt und Zuspruch findet, der verspricht, eine Mauer zu bauen. Eine Mauer gegen das Leid, gegen die Not und gegen die Menschen, die davor auf er Flucht sind. Wir haben schließlich unseren Wohlstand und den wollen wir gefälligst behalten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zum europäischen Wohlstand so gut wie nichts beigetragen habe. Wirklich nicht. Trotzdem kann ich daran teilhaben, vielleicht, weil meine …

Vielleicht

Gestern musste ich mit einem Rezept in die Apotheke. Es war sehr voll, alle drei Kassen waren besetzt. Ich stellte mich an der Distanz-Wartelinie auf. Dann schwebte ein Wesen herein, offenbar war es die Apotheken-Prinzessin. Sie lächelte mich an -mich!- und obwohl eine andere Kundin vor mir stand, rief sie mich heran. Ich stolperte nach vorne und gab mein Rezept ab. Sie schwebte wieder fort, kam zurück und gab mir lächelnd meine Tabletten. Dann fragte sie: „Möchten Sie auch mal am Glücksrad drehen?“ Na und ob ich das wollte! Wahrscheinlich bekam ich glasige Augen. Gleich würde sie mir ihr Glücksrad entgegenstrecken. Aber sie zeigte nur hinter mich, wo tatsächlich ein stinknormales Glücksrad stand und sagte: „Wir haben heute Apothekengeburtstag.“ „Herzlichen Glückwunsch“ stieß ich hervor und verließ eilig und schwer atmend das Geschäft. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich verpasst habe. Was hätte man denn am Glücksrad gewinnen können? Ein Jahresabonnement der Apotheken-Rundschau? …

Ärgern ist schön

Herrje, bis alles so richtig passt, ist das Wochenende auch wieder vorbei. Ich versuche gerade zwei Sonnenschirme auf meinem Balkon so zu platzieren, dass sie einerseits ausreichend Sonnenschutz und andererseits perfekten Sichtschutz bieten. Wobei das Letztere Priorität hat. In der Sonne kann ich es auch ungeschützt eine Weile aushalten. Fremden Blicken kann ich keine fünf Minuten standhalten. In einer S-Bahn, in der alle auf ihre Handys starren, bin ich gut aufgehoben. In einem Bus, in dem mich alle beim Einsteigen freundlich anschauen (und vielleicht noch unter Nennung meines Namens grüßen), bekomme ich starre Pupillen und schmale Lippen. Aber zurück zum Balkon, über dem sich die Sonne inzwischen hinter dicke Wolken verzogen hat. Die Szene erinnert mich an ein Erlebnis aus dem Urlaub. Wir waren auf Kreta in Loutro und ich wollte auf der Terrasse sitzen und ein wenig lesen. Ich kämpfte lange mit dem Sonnenschirm und musste ihn schließlich wegen zu starken Windes einklappen. Die Sonn…

Die Gegenwart

Auf meinem täglichen Fußweg zur Arbeit komme ich an verschiedenen Grundstücken vorbei, die von Hunden bewacht werden. Einer von ihnen hat mir immer besondere Angst eingejagt. Er ist schwarz, ziemlich groß und klingt mächtig gefährlich. Wenn ich vorbeigehe kommt er an den Zaun gejagt und verbreitet dort Angst und Schrecken. Ich dachte immer: hoffentlich ist das Gartentor gut verschlossen. Vorgestern war das einmal nicht der Fall. Das Tor stand offen und irgendwelche Leute beluden ein Auto. Noch ehe ich auch nur daran denken konnte, kam der Hund heraus. Er sprang auf mich zu, machte einen Höllenlärm - aber er kam nicht an mich heran. Ich ging einfach weiter und mir passierte nichts. Der Satz „Hunde, die bellen, beißen nicht“ stimmt nur insofern, als dass sie eben nicht gleichzeitig bellen und zubeißen können. Ich glaube aber, ein Hund nimmt das ohne Weiteres in Kauf. Er knurrt dann eben.

Ich dachte: Was wenn mir der Höllenhund die linke Hand abgebissen hätte? Es hat nicht viel dazu ge…