Wenn der Wind nicht wär

Was ich über das Leben weiß
passt auf ein Blatt Papier
und weißt du mehr, ist das der Beweis
dafür, denn das weißt du nicht von mir

Wenn die Nacht nicht dunkel wär
brauchten wir kein Licht
und wär der Mensch nur halb so schwer
hätte er nicht soviel Gewicht

Ohne Regen würden wir nicht nass
und das begrüße ich sehr
Radfahr’n wäre ein einziger Spaß
wenn nur der Wind nicht wär

Wenn nur der Wind nicht wär! (4x)

Wär Donald Trump nicht der Präsident
der USA, dann wäre alles gut
und hätten sie Putin nicht wiedergewählt
dieses Jahr, hätte ich jetzt mehr Mut.

Nach ihrer letzten Amtszeit, was machen sie da?
Kann sein, dass du stauen wirst!
Na dann geht Putin nach Amerika
und Trump ruft in Moskau: „Russia first!“

Nur dass er das dann auf Russisch sagt
Mir wär das viel zu schwer
Ich bin ja keiner, der ständig klagt
wenn nur der Wind nicht wär

Wenn nur der Wind nicht wär! (4x)

Ohne Wind ist immer Flaute
ohne Wind liegst du im Hafen fest
und der Drachen, den ich baute
steigt nur, wenn der Wind auch bläst

Ohne Wind geht keine Flugmaschine
ohne Wind hätten wir Atemnot
Und der Drachen von Christine
hat bei Flaute Flugverbot

So wächst die Einsicht mit der Zeit
und ich denke mir
ohne den Wind und ohne Schwierigkeiten
wären wir gar nicht hier

Ohne Widerspruch gibts nur Ignoranz
Nichts-dagegen-haben ist geschenkt
denn das bedeutet doch wohl Toleranz
das man erträgt, dass einer anders denkt

Und dass man trotzdem miteinander spricht
erträgt man einander auch schwer
denn was bliese uns die Angst vom Gesicht
wenn der Wind nicht wär (2x)

https://soundcloud.com/liedersaenger/wenn-der-wind-nicht-waer-2

Wege ins Glück

Nachdem ich nun also ansatzweise begriffen habe, was Toleranz ist, kann ich gleich mit dem Üben anfangen. Denn bei Toleranz handelt es sich um das Ertragen-Können des Anderen. Lediglich „nichts dagegen“ zu haben hat mit Toleranz eher gar nichts zu tun. Volker Kitz hat das in seinem bemerkenswerten Artikel „Ertragt Euch“ in der Zeit (Ausgabe vom 08.03.2018) gerade noch mal klargestellt. Übungsstunden gibt es (nach Entrichtung der Rundfunkgebühren) gratis im Deutschlandradio. Ein Großteil der Sendezeit eines Tages geht dafür drauf, dass Leute angerufen und nach ihrer Meinung zu einem aktuellen Thema befragt werden. Das Ganze ähnelt dann eher einer Gerichtsverhandlung, als einem Radiointerview. Die Interviewer haken nach, lassen nicht locker, konfrontieren mit früheren Aussagen. Bislang kann ich mir so etwas noch nicht bis zu Ende anhören, denn noch nie hat dort jemand meine Meinung vertreten. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich zu den besprochenen Themen gerade gar keine Meinung habe. Dennoch könnte man dort üben, das Andere, genau das, was man gar nicht leiden kann, auszuhalten. Darin fehlt es mir wirklich an Übung.

Ich müsste hinaus, „ins Offene“. Hölderlin. „Was soll man schon machen, mit den paar Mark?! Ich hab’n Verstärker bestellt… „Ich will zurück auf die Straße…“ Westernhagen. Jetzt verstehe ich ihn erst. Naja, oder sagen wir so: Es lohnt sich Poesie ein bisschen auswendig zu können, damit man sie nämlich dann parat hat, wenn sie für einen eine Bedeutung bekommt.

Die Stadt Beeskow hat die Burgschreiberstelle ausgeschrieben. Es gibt sie seit den Neunziger Jahren. Man kann mietfrei wohnen und bekommt 750 Euro Stipendium. Dafür muss man der Residenzpflicht nachkommen, „Burgminiaturen“ verfassen und mindestens zwei Lesungen abhalten. Bis zum ersten April kann man sich bewerben, das Amt wird von September 2018 bis Januar 2019 vergeben. Leider bin ich nicht qualifiziert, denn man muss drei selbständige Publikationen vorweisen, die nicht im Selbstverlag veröffentlicht wurden. Sie wollen eben schon einen richtigen Autor. Also mache ich mit dem Erwerbsarbeitsmodell weiter, was sich ja auch ganz gut bewährt. Ein anderes Modell ist das von Carsten Schneider, der auch im Deutschlandradio von Tanja Runow interviewt wurde. Das war eine sehr lange und sehr schöne und anrührende Sendung („Zwischentöne“ vom 18.03.18). Carsten Schneider ist Collage-Künstler und macht total verrückte Sachen. Vor lauter Arbeit kommt er leider nicht dazu, berühmt zu werden. Trotzdem ging er ehrenamtlich und unentgeltlich als Sterbebegleiter an drei Tagen in der Woche ins Hospiz. Jetzt muss er aber wieder Collagen machen, weil sonst das ganze Material seine kleine Wohnung verstellt. Es hat sich so angehört, als ob er glücklich ist.

Das Leben

Wladimir Putin muss sich überlegen, wie er nach Ablauf der Wahlperiode 2018-2024 weiter machen will. Nach der Verfassung darf er nicht dreimal hintereinander gewählt werden. Man sagt, auf die anstrengende Arbeit als Ministerpräsident hätte er dann keine Lust mehr. Da Donald Trump ab 2024 ein ähnliches Problem hat, kursieren Gerüchte, dass Putin nach Washington wechselt und Trump dann nach Moskau geht. Die Verfassungsexperten beider Nationen tüfteln schon, wie das gehen könnte. Es ist überall schwierig geworden, die Führungspositionen zu besetzen. In meiner Firma haben sie vor kurzem einen ehemaligen Chef aus dem Ruhestand zurückgeholt. Die, die es könnten, wollen nicht mehr und die, die wollen, können es nicht. Übrig bleiben dann die, die müssen, weil ihre Rente vielleicht sonst nicht reicht. So ist das. Überall Schwierigkeiten, nichts als Schwierigkeiten.

Ein zeitlang habe ich gedacht, man müsse den Schwierigkeiten einfach aus dem Weg gehen. Wenn auf meinem Weg ein Baum liegt, fahre ich eben woanders lang. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Nehmen wir zum Beispiel das Problem mit der Erwerbsarbeit. Sie ist wirklich extrem lästig, aber angenommen, ab 1. April käme das Grundeinkommen von 1500 Euro monatlich. Ich wäre versucht, einfach nicht mehr hinzugehen. Aber was wäre dann? Ich würde wahrscheinlich einfach zerfließen, wie ein Schneemann in der Frühlingssonne. Die Kälte, alles, was mich hart gemacht hat, wäre fort. Das fühlt sich erst mal wunderbar an, aber am Ende würde ich wohl verschwinden. Denn was uns vorwärts bringt und was uns Kontur verschafft, das sind die Schwierigkeiten. An ihnen wachsen wir und durch die Reibung mit ihnen werden wir warm, wenn es auch noch so kalt da draußen ist. Unser ganzer Planet konnte sich nur entwickeln, weil es Schwierigkeiten gab, von Anfang an bis heute.

Fast alle Schwierigkeiten rühren daher, dass wir aus unerfindlichen Gründen danach streben, schwierigkeitslos zu leben, obwohl wir dafür nicht gemacht sind. Wir treffen uns nur noch mit Menschen, die ähnliche Ansichten haben wie wir. Andersdenkende sollen in ihrer Blase verschwinden, wir wollen uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Dabei kann nur aus einer solchen Auseinandersetzung etwas Neues entstehen. Frau Merkel will die AfD kleiner machen und wenn möglich ganz verschwinden lassen. Horst Seehofer will den Islam nicht in Deutschland haben, weil Deutschland nun mal christlich ist. Wenn wir aber alle wieder miteinander sprechen würden, würde sich vieles verändern. Die AfD würde sich verändern und der Islam würde sich auch verändern. Und: Deutschland würde sich verändern. Das ist alles anstrengend und schwierig. Aber es wäre: Das Leben.

Rockstar

Manchmal muss ich von Berufs wegen eine bestimmte Person an einen bestimmten Ort begleiten, damit diese Person dann an der dort stattfindenden Geselligkeit teilhat. Das ist nicht schwer und ich habe auch gleich selbst noch ein bisschen an der Geselligkeit teil. Einmal wurden am oben bezeichneten Orte so viele Leute der sich hemmungslos entfesselnden Geselligkeit teilhaftig, dass es manch einem zu viel wurde. Ich blieb dabei und schlug vor, eine Geselligkeits-Selbsthilfegruppe zu gründen, was aber in der brodelnden Geselligkeit einfach unterging. Dann verabschiedete sich einer der Gesellschafter und bemerkte im Gehen, er sei im Besitz eines Gitarrenverstärkers, den er verkaufen wolle. Wenn ich einen potenziellen Käufer wüsste, solle ich Bescheid geben. Ich wusste zwar keinen, gab aber vor, selbst interessiert zu sein.

Erstaunlicherweise war ich das tatsächlich. Ich brauchte zwar keinen Gitarrenverstärker, aber irgendetwas klingelte bei dem Wort in meinem Kopf. Wir verabredeten einen Besichtigungstermin und es war um mich geschehen. Es handelte sich um einen Fender Röhrenverstärker. Ich schloss meine Gitarre an und der Verstärker begann zu röhren. Es war klar, dass ich alsbald Abmahnungen meines Vermieters zu gewärtigen hatte, aber das war mir egal. Ich wollte das Ding unbedingt haben. Es hatte eine verchromte Armaturenleiste mit einer Vielzahl von Drehknöpfen, Schaltern und Klinkenbuchsen. Ich war total begeistert. Gleichwohl war mir noch immer nicht klar, was ich mit dem mehr als 22 Kilogramm schweren Klotz anfangen könnte. Als ich das Trumm endlich zu Hause hatte, fing ich an, damit herumzuspielen. Schnell war klar, dass ich nie wieder unverstärkten und trocken-effektlosen Gitarrensound von mir geben würde. Ich weiß nicht, was ich all die Jahre gemacht habe, aber ohne meinen Fender-Verstärker klingt meine Gitarre wie ein Stück Holz mit Angelsehne. Keine Ahnung, wie ich das jemals ertragen konnte. Nun war noch eine Buchse frei, in die ich ein Mikrofon stöpselte. Und siehe da: Dank Reverb-Effekt klang auch meine Stimme ungefähr so, wie sonst nur nach einer Computer-Behandlung mit einer Tonstudio-Software. Ich bin ein Rockstar!

Ein altes Wort sagt: Nirgendwo gilt der Rockstar weniger, als bei seinen Wohnungsnachbarn. Ich glaube, sie haben in den letzten Tagen einiges durchgemacht. (Wenn man nachts um drei Uhr vergisst, vorher auszuschalten und ein Kabel zieht, gibt es einen ganz schönen Knall.) Ich muss also hinaus in die Welt! Dorthin, wo sie mich noch nicht so kennen und wo mein Verstärker niemanden belästigt. Dort will ich singen und ich weiß auch schon wo und für wen.

Brandenburg

Ich konnte drei Tage nichts schreiben, weil mich das leere Blatt auf dem Display hypnotisiert hatte. Ich musste es anstarren und es starrte einfach zurück. Jeder Versuch, es mit Buchstaben und Worten zu füllen musste scheitern, denn es wollte einfach leer bleiben. Ich hatte schon ein paar ganz gute Ansätze, habe aber alle sofort wieder gelöscht, weil sie auf dem leeren Blatt schändlich aussahen. Ich fühlte mich schuldig. Wie ein Schmierfink. Narrenhände beschmieren Tisch und Wände. Und leere Seiten auf Displays. Ich brachte nichts mehr zu Stande. Spät abends musste ich dann irgendwelche Texte aus alten Büchern abschreiben, damit die Bots nicht misstrauisch werden. Der von Facebook fängt nach zwei Tagen an, zu mahnen, man hätte schon lange nichts von mir gehört und ich solle endlich was posten. Los jetzt! Poste was!! Da fiel mir auf, dass das Feld, in das man dann etwas hineinschreiben soll, nur ganz schmal war. Die erste Zeile wird außerdem so groß dargestellt, dass die Zeile mühelos voll wird. Keine Spur von einer ganzen Seite, die man füllen muss!

Beim Malen macht man es sich am einfachsten, wenn man mit einem kleinen Blattformat beginnt. Warum mache ich es mir schwer? Und das schon seit Jahren! Die Lösung lag auf einmal sonnenklar vor mir: Ich schob mein displayfüllendes Schreibblatt auf einen schmalen Streifen zusammen und stellte den Schriftgrad so groß, dass ich gerade mal den gerade geschriebenen Satz zu sehen bekam. Die Blockade war besiegt. Das leere Blatt hatte verloren. Es kann so einfach sein. Ach ja, Brandenburg.

Rainald Grebe hat mal ein Lied über Brandenburg gesungen: „Lassen Sie mich durch, in bin Chirurg, ich muss nach Brandenburg“. Oder „Nimm dir Essen mit, wir fahr’n nach Brandenburg“. Oder „Wenn man zur Ostsee will muss man durch Brandenburg“. Das sind doch gute Slogans, die vieles ausdrücken, „auch märkische Bodenständigkeit“. Ein klasse Video dazu gibt es auch. Ich kann nicht erkennen, wieso man das Fahrrad jetzt noch mal neu erfinden muss. Das kommt davon, wenn die Regierenden abheben und dem Volk nicht mehr zuhören. Dietmar Woidke kennt Rainald Grebe wahrscheinlich gar nicht. Letzter stammt zwar nicht aus Brandenburg, aber immerhin aus dem Osten. Es war auch eine Idee von Woidke, dass ein SPD-Bundesminister aus dem Osten kommen muss. Sie sollten Grebe mal anrufen. Vielleicht macht er es. Ich bin jedenfalls raus.

 https://youtu.be/syFSdSkJ6pM

Falscher Clown

Falscher Clown
Ich habe früher immer „Kloon“ gesagt, da gab es die Doppeldeutigkeit mit dem Klon noch nicht. Clown, sprich „Klaun“ war ja amerikanisch, das war nicht politisch korrekt. Und er hieß Ferdinand. Kloon Ferdinand. Ich hatte eine Platte, auf der er es mit dem Störteufel aufgenommen hat. Ganz schön gruselig. Der Clown war ein eigentlich trauriger Mann, der sich im Kontrast zu seiner Traurigkeit kleidete und schminkte. Gern heftete er sich eine Sonnenblume ans Revers. Große Clown-Vorbilder sind der Harlekin (Arlechino), Pierrot und Pulcinella - im Ursprung übrigens alles Italiener. Leider haben die beiden Herren, sowie auch der deutsche Pierrot, der sie als Clowns betitelt hat, mit denen nichts gemein. Es ist auch eine traurige Tradition, sich als harmloser Clown zu tarnen, um seine wahre Schurkennatur zu verbergen. Wie zum Beispiel der Joker bei Batman. Sollte aber ein Land mal von echten Clowns regiert werden, solchen wie Ferdinand oder Harlekin und Pulcinella - das wäre nicht schlecht. Dass das für Technokraten, Bürokraten und Autokraten eine entsetzliche Vorstellung ist, liegt auf der Hand. Clowns ins Kanzleramt! „Kinder an die Macht“ fanden alle toll. Aber es geht ja nicht, wegen des Grundgesetzes können Kinder gar keine Macht haben, die hätten im Zweifelsfall nämlich die Eltern. Also kann man es gefahrlos toll finden. Aber wenn jetzt die Clowns kommen, tollpatschig, über zu große Schuhe stolpernd, ohne Konzepte aber mit Sonnenblumen im Herzen! Armer Pierrot! Leider wird das nicht passieren, denn auch das gehört zu Clown-Sein: Keine Macht zu wollen. Wir könnten einen echten Clown nicht wählen, weil er nicht kandidieren würde. Daran kann man sie erkennen. Und es ist nicht Schlechtes an ihnen.

Geschafft
Es wird wieder hell. Dunkelheit und Kälte sind einmal mehr durchgestanden. Der Planet dreht sich wieder in die Sonne. Zum Glück. Vielleicht wird es nachts noch mal kalt, aber im Großen und Ganzen ist es vorbei. Man schlittert ja so rein in diese schlimme Zeit. Ich weiß gar nicht genau, wann es los geht. Im September ist eigentlich noch alles gut, im Oktober auch. Im November war ich noch an der Ostsee. Es muss im Dezember gewesen sein, aber zum Ende hin wurden die Tage ja schon wieder länger. Es ist wie mit allen Ereignissen: Wenn sie begonnen haben, sind sie eigentlich schon vorbei. Darum gibt es den Frühling, wegen der Vorfreude auf den Sommer. Der Herbst ist für die Nachfreude. Den Winter gibt es eigentlich gar nicht. Wenn wir nicht so viele geworden wären, könnten wir ja einfach in den Süden ziehen, im Herbst. Immer auf der Sonnenseite. Das geht hauptsächlich deswegen nicht mehr, weil dann das Gewicht auf der Sonnenseite so groß würde, dass sich die Erdachse wieder gerade stellt. Das wäre ziemlich blöd, denn dann kriegen wir den Planeten nicht mehr richtig durchgewärmt. An den Polen wäre es dann immer dunkel. Die armen Pinguine. Die können sich jetzt auch langsam warm anziehen, zu denen kommt jetzt bald der Winter. Ha, ha. Wir haben es hinter uns. Aber das ist ja kein Vergleich. Die Kaiserpinguine sind wirklich die Allerhärtesten. Warum machen die das? Wieso hauen die nicht ab? Weshalb bewahren sie das Ei? Es ist ein Rätsel. Sie könnten beschließen, dass es vorüber ist, ein für alle mal. Aber sie warten. Sie harren aus ohne Essen und Trinken, ohne Frauen, in unvorstellbarer Kälte und ohne Licht. Und tatsächlich: Es wird wieder hell.

Aus Entropie und Wollmaus, 2013

Gefahren

Die Übergangszeit ist sehr gefährlich. Viele Menschen werden jetzt krank, weil sie nicht die richtige Übergangskleidung haben. Für die Wintersachen ist es noch zu warm, für die Sommersachen ist es schon zu kalt. Zieht man trotzdem die warmen Sachen an, schwitzt man und zieht sie zu früh wieder aus. Zack! Erkältung. Oder Schlimmeres. Das ist eine Erklärung für die vielen Krankmeldungen in diesen Tagen. Ich vermeide es daher, in der Übergangszeit aus dem Haus zu gehen. Trotzdem lauern auch intramural Gefährdungen für die Gesundheit, die der Übergangszeit geschuldet sind. Ein Beispiel ist die Getränkeversorgung. Im Sommer ist das helle Hefeweizen das Standardgetränk. Im Winter ist es folgerichtig das dunkle Hefeweizen. In der Übergangszeit habe ich beide Sorten vorrätig. Die Entscheidung muss vor jedem Gang zum Kühlschrank neu getroffen werden. Wenn einem bewusst wird, dass die Entscheidung jetzt unmittelbar bevorsteht, kann man sich dabei so hochschaukeln, dass man gar nichts mehr entscheiden kann und obendrein ins Schwitzen kommt. Dann macht man den Kühlschrank auf und verfällt angesichts immer noch ausstehenden Entscheidung in einen Dämmerzustand, der bis zu einer halben Stunde andauern kann. Da man nun geschwitzt ist, sich natürlich nichts übergezogen hat aber sehr lange vor dem offenen Kühlschrank steht, bekommt man unweigerlich eine Erkältung. Im günstigsten Fall. Wenn man Pech hat, kann noch eine lebensbedrohliche Dehydration dazukommen, falls der Lähmungszustand zu lange anhält.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten der Prävention. Eine besteht darin, analog zur Umrüstung auf Winterbereifung bei Kraftfahrzeugen vorzugehen. Hier tauscht man ja auch gleich alle vier Räder an einem Termin aus. Eine Übergangszeit entfällt. Eine andere Option wäre die Lagerung der Getränke auf dem nun schon kühlen Balkon. An der Balkontür muss dazu von innen ein Schild mit der Aufschrift „Jacke anziehen“ angebracht werden. Drittens könnte man grundsätzlich in der Übergangszeit jeweils zwei Gläser einschenken und trinken. Eins mit dunklem und eins mit hellem Hefeweizen. Dann entfällt die Entscheidung.

Hinweise auf diese erheblichen Gesundheitsgefahren in der scheinbar sicheren Wohnung sucht man in der Literatur vergeblich, sie werden hier zum ersten Mal beschrieben. Offensichtlich sind hier seit Bestehen der Bundesrepublik Jahr für Jahr erhebliche Opfer in der Bevölkerung in Kauf genommen worden. Hinter dieser Vertuschungsstrategie steckt eine mächtige Allianz aus Kühlschrankherstellern, Brauereien, Vermietern und Jörg Kachelmann. Ich setze mich mit der Beschreibung dieses Sachverhaltes einer neuen und weitaus größeren Gefahr aus.
...
Aus: Debakel im Standkorb, 2013

Mein leises Lied



https://soundcloud.com/liedersaenger/mein-leises-lied

Wenn es draußen kalt ist, sing ich drin mein leises Lied
Das wärmt mich in Gedanken
und macht, dass das Herze glüht
Wenn die Nacht am tiefsten ist
Und wenn der Frost vorm Hause klirrt
Sing ich davon, dass es wieder wärmer wird

Wenn die Dummheit wieder einmal auf der Straße siegt
Wenn die Vernunft verblödet
Oder einfach unterliegt
Wenn wir die beiden Letzten,
Die noch weinen können sind
Sing ich davon, dass die Menschlichkeit gewinnt

Das ist mein leises Lied und auch wenn mich keiner hört
Sing ich doch solang ich atme
Und solang ich leben werd‘
Solange es so aussieht,
dass die Angst den Mut vertreibt,
I: Lasst uns davon singen, dass die Liebe bleibt :I



Wenn ich beim Alleinsein auf einmal anfang‘ zu frier’n
Wenn ich merk‘, es fehlt nicht viel,
Die Bodenhaftung zu verlier’n
Wenn ich höre, dass du solo
Auch irgendwie mono klingst
Lass und davon singen, dass du mit mir singst

Wenn ich bedenke, dass ich sehr leicht Worte finden kann,
Die gefährlich werden 
und verletzen,
Wenn ich dann
Meine Zunge nicht im Zaum halte
Und wenn du mit mir singst
Lass uns davon singen, wie du mich bezwingst

Das ist mein leises Lied...

Wenn du nicht mehr weiter weißt
Und nichts mehr sagen kannst
Sag einfach nichts, das hat sich oft bewährt
Es kann aber nicht schaden,
Dass du aus der Reihe tanzt
Und leise singen war noch nie verkehrt


Das ist mein leises Lied...

copyright: liedersaenger 2018